ÜBERDOSIS – 10 Jahre Stillstand CD-R

Obacht. Hier kommt die dunkle Seite des Deutschpunk. ÜBERDOSIS sind ein Paradebeispiel dafür, warum dieses Genre oft belächelt wird. Für mich sind sie der Inbegriff einer Nix-Gut Band, die seit Jahren durch dörfliche Jugendzentren tingelt, für die es das Größte ist, mal als Support für Dritte Wahl auf den Bühnenbrettern zu stehen oder um 15 Uhr beim Punk im Pott vor zwanzig besoffenen Teenagern zu spielen. Das wirkt alles wenig ambitioniert und irgendwie fehlt mir hier das Herzblut. Ist ja alles schön und gut, wenn die vier Jungs aus Ludwigsburg an 10 Jahren Stillstand Spaß haben, mich können sie mit dem Gerumpel nicht begeistern. Die 15 Lieder werden auf einer LP veröffentlicht, da der Versand aber zu teuer ist, wird der Rezensent mit einer gebrannten CD abgespeist, der noch nicht mal ein Textblatt beiliegt. Wenn ihr ein Review zu eurer Scheibe haben wollt, müsst ihr mir eure Scheibe schon schicken, so eine lieblose Rohstoffverschwendung könnt ihr euch echt sparen. Obwohl die Band schon seit zehn Jahren existiert, sind sie mir bis jetzt nie über den Weg gelaufen und das bedauere ich nach dem Genuss dieses Machwerks nicht. Die Texte sind holperig, niveaulos und zwanghaft in einer immer wiederkehrendes Reimschema gepresst. Dazu ein monotoner, eher unmotiviert wirkender Gesang, der sobald er etwas lauter und aggressiver wird, an schlimmste Oi-Verbrechen erinnert. Untermalt wird das Ganze dann mit einfallslosem Ufta-Ufta Beat, wie er vom ersten bis zum letzten Song auf sämtlichen „Es lebe der Punk“ Samplern zu hören ist. Vertonte Demo-Parolen, gegen Bullen, Pegida und blinden Konsum. Die Songs heissen Werbung, Piraten, Unser Haus, Ludwigsburg asozial oder Punkrock ist mein Leben. Das Album wirkt vorhersehbar, zieht sich wie ein zu lang gekautes Kaugummi ohne Geschmack und nervt wie ein mieser Kalauer, den du zum fünften Mal an einem Abend serviert bekommst. An manchen Stellen haben wohl die RTL II Nachrichten als Motivation für die Texte hergehalten: „…hetzen gegen den Islam, vergessen dabei jede Scham…“ oder „Was ist denn das für ne Welt hier, in der man Kleider kaufen muss, die irgendwie von irgendwelchen Menschen irgendwo gemacht werden…“ oder im Song Werbung, in dem irgendwie der Überwachungsstaat, irgendwelche PayPack-Punkte und Konsumkritik irgendwo vermischt werden. Halbgar. Unausgegoren. Roh. Fad. Unappetitlich.

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