TOTENWAGEN – Notte Di Guai

Ich weiss noch was ich für große Augen gemacht habe, als Mama mir erzählt hat, dass in dem langen schwarzen Auto mit den abgedunkelten Scheiben eine echte Leiche in einem Sarg liegt. Ein paar Jahre später kam Und Tschüss! ins Fernsehen. Eine ziemlich dämliche Serie mit einem kultigen Charakter namens Zombie, der bei einem Bestattungsunternehmen arbeitete, gerne Dosenbier trank und seine Clique, Günni, Petra, Raoul und Silke mit seinem Leichenwagen durch Essen kutschierte und dabei in voller Lautstärke Heavy Metal hörte. Und nun kommen TOTENWAGEN aus Neapel daher und möchten, dass ich ein paar Worte über ihr drittes Album verliere. Ich muss gestehen, dass Italien auf meiner Punkrock-Karte ein ziemlich schwarzer Fleck ist. Klasse Kriminale, Los Fastidios und Derozer waren für mich vor vielen Jahren der Inbegriff der italienischen Punk und Oi!-Musik. Sehr viel später lernte ich No White Rag und Call The Cops kennen und schätzen und ich freue mich, dass jetzt mit TOTENWAGEN eine weitere Band aus der Mafia-Hochburg hinzu gekommen ist. Denn das, was die drei Herrschaften hier fabrizieren, gefällt mir richtig gut. Das ist irgendwie ein wilder Mix aus Black Metal und Punk, nur mit Drums, Gitarre und Orgel, aber richtig atmosphärisch und fesselnd. Im Beipackzettel werden Ebba Grön, Celtic Frost, Nena und Motorhead als Einflüsse genannt. In meinem Schrank befindet sich jedenfalls keine passende Schublade für das Trio, mal grunzend böse, mal mit viel Melodie und Gefühl geben sie sich enorm abwechslungsreich, ohne dabei die eigene Note aus den Augen zu verlieren. Gesungen wird in Deutsch (das habe ich aber nur beim Lesen der Texte erkennen können), Englisch und Italienisch und gerade die Deutschen Textzeilen wirken manches Mal etwas hölzern und holprig und laden zum Schmunzeln ein: „Ziegen, Fuchsen und gesunde Menschen, Adler, Steinmarder und Ke Ke Kerbtierchen, das Blut schießt ihnen in gesicht.“ Dabei behandeln sie aber durchaus relevante und ernste Themen, wie die Ausbeutung der Natur und der Tiere durch den Menschen, Selbstmord und Weltfrieden: „Von Kopf bis Fuß. Von Herbst zu Sommerzeit. Von Mund bis zum Arsch. Bestialische Friedenlust!!!“ Das macht einfach Spaß zuzuhören, die Songs sind richtig eingängig und werden von der Orgel gut in Szene gesetzt, wobei die auch an manchen Stellen etwas zu stark in den Vordergrund rückt und die anderen Instrumente und den Gesang erdrückt. Für mich ist das der perfekte Soundtrack zum Snowfall-Zine lesen. Ein bisschen stümperhaft, aber super ambitioniert und ursympathisch. Notte Di Guai ist ein richtig geiles Tape, das hier schon seit einigen Tagen in Dauerrotation läuft und TOTENWAGEN werde ich sicherlich auf dem Schirm behalten. Balla pogo selvaggio attraverso la mia stanza e urlo pace bestiale dalla finestra.

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