TOILETTEN – Die braune LP

Turbostaat haben kürzlich ein Konzeptalbum veröffentlicht, das von der Flucht zu einem imaginären Sehnsuchtsort Abalonia erzählt. Auch Udo Lindenberg, Judas Priest oder Pink Floyd haben unter ihren unzähligen Releases schon Konzeptalben heraus gebracht. Und in diese illustre Runde dürfen sich nun auch die Toiletten aus Darmstadt einreihen und dreimal darfst du raten, worum es bei „Die braune LP“ geht… na? Toiletten, D-A-R-Mstadt, braune LP? Um Kacke natürlich. Eigentlich eine Frechheit verdiente Künstler, wie oben genannte, in einer Besprechung dieser dreckigen Oi-Kapelle zu erwähnen, obwohl ich schon gestehen muss, dass dieses Konzept mit Bandname, Herkunft und Albumtitel von einem gewissen Humor zeugt. Das ist dann aber neben dem AA-braunen Vinyl und der strikt antifaschistischen Gesinnung auch das einzig Positive, was ich über diese Veröffentlichung schreiben kann. Auf die Ohren gibt es klassischen Oi!-Sound mit deutschen Texten, der mich stimmlich ein wenig an die Becks Pistols erinnert, wobei die wenigstens einen annehmbaren Biergeschmack hatten. Die Toiletten haben nämlich anstelle abgedruckter Liedtexte eine etwas längere Danksagung, in der es u.a. heisst: „Danke an Oettinger Bier – aus unserer Liebe zu eurem Bier haben wir die Kraft geschöpft, um unseren Traum von dieser Platte zu verwirklichen“. Somit wäre zumindest eine Erklärung für die infantilen Texte über AA, Stuhl, Kacke, Wurst, Kot und Kotsorten gefunden. Schuld ist diese eklige Plörre aus der schwäbischen Kleinstadt Oetting in Bayern. Während die LP eine zweite Runde auf meinem Plattenteller dreht, frage ich mich gerade, wer sich das ernsthaft anhören kann? Pubertierende Spätzünder, die bei jeglicher Erwähnung menschlicher Ausscheidungen anfangen hemmungslos zu kichern oder Ü40-Blödmannsgehilfen, die ihr Leben nach Eisenpimmel und Kassierer Texten ausrichten? Nüchtern ist das erst recht nicht auszuhalten… „Flitzekacke, Flitzekacke, Oi!, Oi!, Oi!, Sprühstuhl, Sprühstuhl – alles ist versaut…“ Ich denke nicht, das ich in absehbarer Zukunft einen Anlass finden werde, um diese Scheibe nochmal aufzulegen. Da gefallen mir die Toylettes oder Tatort Toilet deutlich besser und wenn es unbedingt Oi! sein muss, greife ich zu Oi! Of The Tiger oder Oi!tercreme. Und wenn es dann auch noch ein Song über AA sein muss, leg ich „Klopapier“ von K.I.Z. auf. Toi Toi that‘s yer lot, ich trink jetzt ein lauwarmes Oettinger Export auf Ex und verzieh mich auf die Schüssel.

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