THE DEAD END KIDS – In deiner Stadt CD

Aufgrund der Ankündigung bei einem Schülerbandwettbewerb hätten die 4 Kinder aus der Sackgasse bei mir sicherlich kein Interesse geweckt. „Für das Berufschulzentrum für Elektrotechnik Dresden treten die DEAD END KIDS an. Ein Queerschnitt aus Pink Floyd bis hin zu Nirvana mit einer Menge Dead End Spaß im Koffer.“ Klingt wenig vielversprechend und weckt schlimme Erinnerungen an meine Schülerband, mit der ich trotz einmaliger Probe nie den Durchbruch schaffen konnte. Mir sind so Bandcontest-Geschichten zuwider, das Streben nach einem dickem Plattenvertrag, Nightliner-Touren mit dekadentem Catering oder endlich mal im Radio gespielt werden… wozu soll das führen? Mir ist der schimmelige Kellerraum mit Bands zum Anfassen und billigem Bier lieber, wenn sich Musikerinnen und Publikum auf Augenhöhe begegnen. Die DEAD END KIDS sind weder das Eine noch das Andere, irgendwie dazwischen, treten im örtlichen AZ auf, wollen aber anscheinend auch hoch hinaus und nehmen mit, was geht. Dabei bewahren sie sich aber eine durchaus sympathische Art, dass ich mir sogar vorstellen könnte die Vier in der Aula des Bad Salzdetfurther Gymnasiums, auf einem von der Sparkasse gesponserten Konzert anzuschauen. Sie selber bezeichnen ihre Musik als „Female-Fronted-Glitzerpower-Punk“. Das ist zum einen eine ganz witzige eigene Schublade, zum anderen aber empfinde ich es als total unnötig, in den Vordergrund zu stellen, dass eine Frau singt. Hinterm Schlagzeug sitzt nämlich mit Fatima eine weitere Dame. Warum gibt es kein „Female-Drummed-Glitzerpower-Punk“? Das hier vorliegende Album „In deiner Stadt“ ist von Februar 2018. Die acht Songs machen Spaß. Ein wenig wie TODESKOMMANDO ATOMSTROM, ein bisschen rockiger vielleicht. Ein bisschen wie die BABOON SHOW, ein bisschen punkiger vielleicht. Und ohne nervige Rockballaden. Mich nervt sogar das Gitarrengedudel im Opener „How Far Will It Go“ kein Stück. Ich hör die Songs jetzt schon eine ganze Weile und stelle keine Ermüdungserscheinungen fest. Mit dem Titeltrack „In deiner Stadt“ und „2016“ befinden sich sogar zwei deutschsprachige Songs auf dem Album, die hier aber nicht heraus stechen, sondern perfekt zu den anderen Songs passen. Gute, homogene Scheibe, die ich oft und gerne am Stück höre. Ein neues Album soll demnächst kommen, dann auch auf Vinyl und hoffentlich mit Textbeilage.

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