TAKKOLORD – Trumpeltier digital Track

Ich hab mir letztens die Dopodopo Kollektion von Takko angeschaut. Leider passe ich nicht mehr in Größe 128, die der kleine Lord im Schaufenster trägt. Ist Takko eigentlich die Hartz Vier Variante von KIK? Dämliche Bandnamen bekommen eine dämliche Einleitung. Wenn ich mir die Promomaschinerie hinter diesem Trio aus Frankfurt am Main anschaue, könnte es sich um den nächsten Fisch im Elektropunkgewässer handeln, der nur darauf wartet, vom fetten Audiolith-Wurm geködert zu werden, um in der großen Feine Sahne Fischsuppe zu landen. Doch Takkolord sind weit davon entfernt ein großer Fang zu sein, selbst die Nordsee GmbH würde diesen kleinen Frankfurter Guppy wohl wieder zurück ins Wasser werfen. Bei diesem Release handelt es sich um einen einzelnen Song nebst dazugehörigem Video, der ausschließlich digital auf der weltweiten Datenautobahn veröffentlicht wird. Und das ist eine absolute Ausnahme, das hier so etwas überhaupt besprochen wird, ohne haptisches Erlebnis geht mir bei Musik einfach zu viel verloren. Da bekomme ich also einen Downloadordner, in dem neben 13 hoch auflösenden Promofotos, die die Band beim Posen am Frankfurter Bahnhof vor einem Waggon, auf einem Waggon und auf den Gleisen zeigen, Bandlogos in diversen Ausführungen, einer Mp3 und einer dreiseitigen Release-Info-PDF-Datei, aus der ich gerne eine Passage zitieren möchte: „Die Jungs setzen auf ein Fundament aus Elektronik und Bigbeats, eine Hütte aus Gitarrenmusik, die im Indie, Punk und Heavy Metal beheimatet ist. Es geht hart zur Sache und das nicht nur musikalisch.“ Das widerspricht in allen Belangen meinem Empfinden des Songs „Trumpeltier“, der mit einem kindlich naiven Text versehen wurde und musikalisch dem Bi-Ba-Butzemann nachempfunden ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass Malte und Sören aus der Zebragruppe begeistert in die Hände klatschen, wenn Frau Raupach das Lied nach dem Mittagsschlaf zwischen Rolf Zuckowski und dem Schni-Schna-Schnappi Krokodil in den MP3-Player packt, ich benutze meine Hände lieber, um mir die Ohren zuzuhalten. Es geht um Donald Trump, der auf meiner, deiner und unserer Welt herum trampelt: „Es rüttelt sich, es schüttelt sich, es hat ein lustiges Obstgesicht…“ Na das ist doch mal fundierte Kritik an der amerikanischen Außenpolitik, wobei ich auch überhaupt keine Vorstellung davon habe, was ein lustiges Obstgesicht überhaupt ausmacht. Mit Essen spielt man nicht und Obst geht nur klar, wenn es aus Marzipan ist. Die Band jedenfalls will hoch hinaus, du kannst dir den Song bei Amazon oder itunes ziehen, auf den großen Radiostationen dieser Republik wie Kamikaze, Dark Essence oder Powerradio4u sind sie längst im Airplay und für ihr zweites Album starteten sie just eine Crowdfunding-Kampagne, bei der du neben handsignierten CDs auch einen Abend mit den Jungs im Moseleck gewinnen kannst. Als fachkundiger Musikjournalist habe ich mich natürlich auch mit älterem Material des Trios beschäftigt, was mich sogar kurz an meine absolute Referenz in Sachen Elektropunk: Intro5pect erinnert, dann aber leider immer mehr nach Rammstein geklungen hat. Auch aufgeschnappte Textfragmente wie „sucks my dick“ aus dem Song „Devil“ führen eher zu einem ablehnenden Gesamtbild, so dass ich nicht zur 135. Person werde, die beim Facebook-Auftritt von Takkolord auf „Gefällt mir“ klickt. Alex, Stefan und der geile Roland und der Bi-Ba-Butzemann und auch Donald Trump können mal schön weiter auf ihrer Welt herum tanzen, ich tanze da nicht mit.

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