SCHWACHE NERVEN – Demo Tape

Schwache Nerven. Das ist so eine Band, der ich sofort den Stempel „typisch Hannover“ aufdrücken würde, ohne das jetzt in irgendeiner Weise wertend zu meinen. Es gibt ja auch gute Bands aus der niedersächsischen Hauptstadt, ne? Reset Mankind, Burned Out oder Cave Canem lassen jedenfalls recht offensichtlich grüßen. Dabei treten Schwache Nerven gehörig aufs Gaspedal. Fast als würde die Musik auf 45rpm laufen und Franz Gesang noch nicht mal die 33rpm schaffen. Voll tief, voll böse. Dunkle, kehlige Laute, die selbst beim Mitlesen der Texte kaum als menschliche Worte zu erkennen sind. Ich besitze eine Single mit ähnlicher Musik, wo auf der einen Seite ein Dobermann und auf der Anderen ein Papagei „singt“, aber das nur am Rande. Ich war zumindest von der Geschwindigkeit ziemlich überrascht. 15 Songs… für ein Demotape. Hui, hab ich gedacht, da kann ich ja entspannt meine Füße in der Fußbadschale parken und den Trockenhaubentimer auf eine halbe Stunde stellen. Pustekuchen. Noch bevor die Mauken eingeweicht und die Dauerwelle extra starken Halt erhält, kommen die 4 Hannoveraner (vielleicht ist auch ein Göttinger dabei) zum Ende. Kaum ein Song, der die 1-Minuten-Marke knackt, was leider ein wenig auf Kosten der Texte geht, die nämlich auch trotz ihrer Kürze durchaus Witz und Verstand vermitteln. So heisst es beispielsweise in Kreislauf: „bedürfnisse verkrüppelt und abgespalten, den einen wahnsinn exorziert und in den nächsten integriert“ Fertig. Damit ist alles gesagt. Eine bodenlose Frechheit ist es natürlich dann im selbst betitelten Song „Schwache Nerven“ den Slogan einer ziemlich angesagten Deutschpunkband zu klauen. „Viel besser als deine Band“ sind immer noch Panzerband ihr Lümmel. Ich habe übrigens keine Schwachen Nerven. Eher das Gegenteil. Nerven aus Stahl… und irgendwie musste ich gerade an diesen Song denken, der sich auf einer meiner ersten Punk-CDs befand: Achtung! aber lieber zurück zu der Band, um die es in dieser Rezension gehen soll. Schwache Nerven packen viel Alltagsfrust, Monotonie, Routine und den ständigen Kampf gegen Repressalien in ihre Texte und vermitteln dabei stets Kampf und den Blick nach Vorne, statt Aufgabe und Resignation. Mit dem letzten Song haben sie sogar ihren anspruchsvollen Reader vertont. Es kursieren da in Veranstalterkreisen ja diverse Mythen um z.B. das Backstage-Catering, wo alle braunen M&Ms aus der Schale sortiert werden müssen, ein besonders exquisiter spanischer Rotwein zum 3-Gange-Menue gereicht werden soll, den es nur bei Jacques Wein Depot zu kaufen gibt und was weiss ich nich noch alles. Da sind Schwache Nerven noch vergleichsweise harmlos, wie sie im Song P+C klar definieren: „pizza und cola das ist alles was wir wollen, acht cafe acht bier“. Also leih den Jungs mal dein Ohr und lad sie in dein Stübchen ein. In der Kürze liegt die Würze, wie schon ein gewisser Hamlet wusste. Gutes Debut, ich hoffe die Platte kommt bald…

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