Rezensionen #14

Ox: Seit 2001 teilt Bäppi schon mittels Fanzine sein Leben mit uns und seit der letzten Ausgabe vor zwei Jahren ist viel passiert: Er ist aus Flensburg weggezogen, hat sich von Ina getrennt und seine erste eigene Band, PANZERBAND, ist nun auch Geschichte. Zum Auftakt philosophiert er erstmal auf seine typische Art übers Älterwerden und wie es ihm in seiner neuen Heimat gefällt, erfahren wir dann unter der Überschrift „Hannover, du Kackloch“. Schwerpunktthema sind diesmal Punkvideos, dazu werden unter anderem Martin vom You-Tube Kanal Kesselpunks, Maks und Lars von RilRec TV und Jörkk von LOVE A befragt. Es gibt auch wieder zahlreiche Gastbeiträge, etwa von den Fanzine-Kollegen Falk Fatal und Mika Reckinnen, außerdem stellt Stemmen von NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN ein Mixtape zusammen und Stämma berichtet von seiner Zeit mit No Border Kitchen im Flüchtlingslager in Idomeni. Die Red-Skin-Band OI! OF THE TIGER wird ebenso vorgestellt wie die Luftschlossfabrik Flensburg oder das Panzermuseum in Munster und dazu kommen weitere ausführliche Interviews mit CHOREA HUNTINGTON, ABRUPT, HEADSHOX, FCKR, ZEX und Bocky vom Punkrock! Fanzine. Ganz schön viel Stoff, schickes Layout, tolles Heft! Ute Borchardt

Fatal Underground: Das „Human Parasit“ Zine Ist ja ohne Zweifel auch schon ne feste Institution im Fanzine / Magazin Bereich  ,insbesondere wenn man sein Herz und seine Seele an den Punk Bereich verloren hat. Immerhin bereits seit Ende 2003 am Start , hat man es gebacken gekriegt ,14 Ausgaben rauszuhauen um damit die wissbegierige Meute unter euch mit jeder Menge Informationen zu versorgen .Sind  zwar nun für so nen wirklich langen Zeitraum nicht gerade super viele Ausgaben ,die man vorweisen kann , aber was zählt ist ja letztendlich wirklich der Inhalt ,die Überzeugung  und der Enthusiasmus ,welchen man in seine Sache steckt .Und da lassen sich die Macher echt nicht lumpen .Rein von der Aufmachung und vom Layout her ,erinnert es mich doch schon nen bissel an das alte und kultige GUC Fanzine. Mach auf jeden Fall echt was her ,ist recht übersichtlich und cool layoutet .Zwar könnte man an der Stelle vielleicht gleich mal wieder über die teilweise etwas zu klein geratene Schriftgröße meckern ,aber wozu gibt’s Brillen ,Lupen oder Kontaktlinsen ….Das ist nun absolut kein Grund ,dieses Teil mit Missachtung zu strafen .Denn was man hier auf satten 100 Seiten zusammengetragen hat ,ist echt beachtlich .Neben zwei Special – ein recht ausführlicher Bericht zum Thema Videos und Punkrock und ne Vorstellung diverser Szeneläden in der Heimatstadt des Herausgebers ,Hannover ,präsentiert man hier natürlich  auch massig Bands im Interviewformat . (u.a  Frontex , Oi! Of the Tiger ,Chorea Huntington, Love A ,Abrupt, Headshox, FCKR, Zex, Bocky vom Punkrock!-Fanzine).Und die lesen sich verdammt gut ,zumal man hier doch mehr ne persönliche Note reinbringt und sich ziemlich weit weg von den typischen Klischees bewegt .Genau so präsentiert man sich mit seinem Reviewbereich .Hier wird absolut nix verschönt ,sondern knallhart seine eigene ,ehrliche Meinung rübergebracht .Top ! Neben ein paar vereinzelten Liveberichten ,diversen politischen Themen werden euch hier auch Veranstaltungsorte wie die „Luftschlossfabrik“ in Flensburg und das „Nexus“ in Braunschweig vorgestellt. Richtig gut und vor allem interessant gestaltet sich auch die Rubrik „Meine Lieblings Mixkassette .Geile Idee ,die man als Fanzinemacher doch glatt klauen könnte !Abgerundet wird der gesamte Inhalt dann noch durch diverse anderweitige Beiträge ,welche inhaltlich hier natürlich voll reinpassen .Um das Teil nun wirklich intensiv abzuackern ,braucht es echt schon seine Zeit . Danach seid ihr aber auf jeden Fall um so einiges schlauer .Ein wirklich starkes ,sehr persönliches Fanzine ,welches wirklich zu 100% das rüberbringt ,was man selbst als Herausgeber verkörpert .Die schwer verdienten 4,-€ (+ Porto) sollten Euch das Teil echt wert sein . Die ersten 50 Hefte kommen übrigens noch mit Tapesampler + Broschüre + Aufkleber. ( LEO )

Rohrpost Fanzine: Heutzutage gibt es sehr wenige Menschen welche in der Fanzinelandschaft so persönlich in ihrem Heft daherkommen wie z.B. Bäppi mit dem Human-Parasit. Ein Zine, welches in der vom fast aussterben geprägten diy Zine Kultur für mich eine große Bedeutung hat. Erstens, weil ich den Herausgeber bereits seit Jahren persönlich kennen und schätzen gelernt habe, zweitens weil er und seine Mitschreiber es immer wieder schaffen mich mit den Inhaltlichen Themen, Interviews etc. zu begeistern, wo andere professionelle SzeneHefte für mich leicht überladen daherkommen! Trotz der Lockerheit ist das Human Parasit auf seinen 100 Seiten vollgestopft mit u.a. Zex, FCKR, Headshocks (r.i.p.), Abrupt, Chorea Huntington und Bocky vom Punkrockfanzine. Vorgestellt werden u.a. Oi OI the Tiger, Beatpoeten, No Border Kitchen, Hannover Szene sowie das Nexus in Brauschweig und Luftschlossfabrik in Flensburg ! Die Bands haben viel auf Bäppis guten Fragen zu antworten, so das in allen Interviews mehr herumkommt als nur Ja & Amen. Dabei haben mir besonders Chorea Huntington gefallen! Desweiteren geht Bäppi mit verschiedenen Protagonisten auf das Thema Videoclips ein und beleuchtet diese. Wie ihr hier lest, sticht das Human-Parasit für mich nicht nur durch das farbliche Cover hervor, sondern auch durch seinen Inhalt und besonders die Leidenschaft, welche sich aus dem ganzen Zine herauslesen läßt! Wenn ich schreibe „mal wieder eine Top Ausgabe“ klingt es zwar doof, ist es aber nicht!

Ugly Punk: Über zwei Jahre hat es gedauert, bis die neue Ausgabe des A5-Fanzines von Bäppi erschienen ist. Dafür kann das sympathische Heft aber 100 prall gefüllte Seiten aufweisen, die mit allerlei mehr oder weniger interessantem Lesestoff gefüllt sind. So findet man neben diversen Interviews Kolumnen, Berichte, Anekdoten und Plattenkritiken. Da neben Bäppi auch diverse andere Schreiberlinge am Werk sind, ist man weit entfernt von stilistischem Einheitsbrei, woraus auch resultiert, dass das die Qualität auch etwas schwankt. Auch beim Layout findet man Abwechslung, wobei sich das alles doch ganz gut zusammenfügt. Ob der Fülle an Themen und Interviewpartnern muss ich gestehen, dass ich manchen Artikel nur Quergelesen habe, da mich ehrlich gesagt nicht alles so brennend interessiert hat, was da so geschrieben wurde. Manch Artikel war mir aber auch einfach zu lang. So zum Beispiel die Abhandlung über Musikvideos. Hier hat man sich neben einem allgemeinen historischen Abriss zum Thema diverse Videos herausgepickt und Interviews mit den Machern selbiger geführt. Daneben werden aber auch die Video-Blogs RilRec-TV und Kessel-Punks vorgestellt, was mir gut gefallen hat. Zudem sind die Interviews dazu sehr unterhaltsam bzw. informativ. Aber auch das Interview mit Bocky vom (Ex-)Punkrock!-Magazin ist durchaus Lesenswert. Gleiches kann ich vom Interview mit Mike (Abrupt / Bomb-All-Records) behaupten, auch wenn die Fragen manchmal ein wenig ausgereifter hätten sein können. Weiterhin zu Wort kommen Chorea Huntington, FCKR, Zex und Headshox, die allesamt nicht wirklich meine Präferenzen bedienen. Eine Vorstellung erfahren aber auch Bands wie Frontex, Oi! Of the Tiger und Ice-T’s Kultband Body Count. Zum Bereich Politik und Alternative Lebenskultur gibt es Berichte zur leider mittlerweile geräumten Luftschlossfabrik und dem Nexus in Braunschweig und No Border Kitchen. Das ist aber noch lange nicht alles, was man in Ausgabe 14 finden kann. Auf jeden Fall ist für jeden etwas dabei und die Mischung finde ich auch ziemlich ausgewogen. Da seit der letzten Ausgabe doch einige Zeit vergangen ist, kann man zwar nicht erwarten, hier brandaktuelles zu finden, das kann man aber auf der Blog-Seite des Human Parasit. Trotzdem finde ich vieles in der Ausgabe lesenswert und nicht zuletzt wegen der inhaltlichen Fülle gefällt mir die Ausgabe recht gut. Mal schauen, wie lange wir bis zur nächsten Nummer warten müssen. Aber genug Stoff um die Wartezeit zu überbrücken findet sich ja. Mirko

Bierschinken: Gleich zu Beginn darf ich erschrocken feststellen, dass Bäppis Musikgeschmack mit dem meinigen doch jede Menge Schnittstellen aufweist. Könnte natürlich an der ähnlichen Altersstruktur liegen. Wer würde sich 2016 noch über ein Interview mit den Posern von BODY COUNT erheitern…dass es die überhaupt noch gibt?? Wahnsinn! Zu deren Musik hatten wir 1995 beim Abiball den halben Saal zerlegt, was sich deutlich negativ auf die Abrechnung der Kaution auswirkte.
Was noch? Interviews mit CHOREA HUNTINGTON, ABRUPT, ZEX plus vielen mehr…kann man gut lesen, da zwischendurch immer wieder total schwachsinnige Fragen auftauchen, die das Ganze wirklich kurzweilig machen und die typische Interviewstruktur einfach mal etwas aufweichen. Eine Vorstellung von Bäppis aktueller Heimatstadt Hannover in Bezug auf szenerelevante Läden und Orte, ein Gastbeitrag von Kackschlacht-Thomas zum Nexus in Braunschweig und ein recht ausführlicher Bericht über Punkvideoclips, den ich allerdings nur überflogen habe, da Musikvideos meiner Meinung nach so ziemlich das Überflüssigste auf der ganzen Welt sind.
Wie immer hervorragend zu lesen sind die Plattenreviews. Ich kenne kaum jemanden, der derart subjektiv über Musik schreibt (außer Bierschinken natürlich, höhö!). Es gibt nur gute (bzw musikalisch für den Verfasser relevante Alben), der komplette Rest ist fürn Arsch. Schwarz/Weiß-Denken in Reinform, köstlich und herrlich konsequent. „Fachkräfte“ des Ox oder sonstige umtriebige Musikjournalisten (die ganzen Schlaumeier der Visions mag ich im Zusammenhang mit Punkmusik ja schon gar nicht mehr nennen) bekämen wahrscheinlich Tränen in den Augen aufgrund der Egomanie des Verfassers 🙂
Aber ganz genau das ist es ja was den Human Parasiten ausmacht. Man weiß was man bekommt: Punk in seiner reinsten Form! Und das gefällt mir persönlich tausend mal besser als z.B. der neue Style der Bombe, die sich immer weiter vom reinen Punkblatt zur Gazette für jeglichen alternativen Musikstil entwickelt.
Leider (was ich rein egoistisch meine. Wo sonst gibt es so gute Unterhaltung?) erscheint das Fanzine immer noch viel zu selten. So muss mensch höchstwahrscheinlich wieder gefühlt jahrelang warten um in den Genuss von Ausgabe 15 zu kommen. Das nervt 🙂

Plastic Bomb: Auf eins kann man sich beim Bäppis Human Parasit immer verlassen: Er lässt uns tief in die Untiefen seiner Seele blicken. Ich kenne eigentlich niemanden, der/die sein/ihr Leben und tiefste menschliche Regungen in den letzten Jahren so öffentlich dokumentiert hat wie er. Freut mich auf der einen Seite, da wir ja persönlich ja nicht mehr den engen Draht haben und ich beim Lesen ein bisschen das Gefühl habe, noch was von Bäppis Leben mit zu kriegen. Auf der anderen Seite staune ich jedes mal, dass er damit noch nie richtig auf die Nase geflogen ist, zumindest nicht so sehr, dass er sich längerfristig zurückgezogen hätte. Ein Fanzine, das optisch und von der inhaltlichen Auseinandersetzung von Jahr zu Jahr „professioneller“ geworden ist, das aber noch immer den Charme eines Teenager-Egozines hat, das ist wirklich eine geile Mischung. Was mir irgendwie missfällt ist das „ich bin so alt geworden“ gejaule. Klar, wer sich alt fühlt, kann das ruhig sagen, ich habe da nur persönlich wenig Verständnis für. Ich denke, dass man in jedem Alter tun und lassen kann, was man will und ohne sich Gedanken zu machen, ob das jetzt „altersgerecht“ oder „bürgerlich“ ist…darum sind wir doch Punx geworden?!! Die Bandauswahl ist ganz exquisit: ZEX, Chorea Huntington, Abrupt, FCKR, Headshox stehen auf dem Cover und sind gleichzeitig meine Favoriten im Heft. Auch hier bleibt Bäppi seinem Stil treu: Er versucht die Menschen zu interviewen, nicht die Bands. Er stellt persönliche Fragen, er stellt Fragen, die nicht zwangsläufig und eher am Rande mit der Musik, der neuen Platte oder den Zielen der Bands zu tun haben, sondern mit den Geschichten der Menschen. Die Chance, dass diese Fragen zu aussagekräftigen Antworten führen und ungefähr 50/50 und führt immer wieder zu Diskussionen UM den Human Parasiten. Das schafft einen interessanten Diskurs und damit genau das, was ein Fanzine tun sollte: Zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen. Und unterhalten. Auf der ganzen Linie abgesahnt, danke Bäppi, weiter so!!!! Ronja

Underdog Fanzine: Älter werden ist scheiße! Bäppi reflektiert seine Vergangenheit und verdeutlicht anhand von Beispielen Widersprüche und schlussfolgert – vielleicht auch als Maßnahme, die seine veränderten Verhaltensweisen rechtfertigen – dass „Älter werden gar nicht so schlimm ist, wie ich das immer gedacht habe!“ Werte wie Saufen, Kotzen, Rebellion und Aufbegehren sind Wellness, Kultur, Bio essen und sauber machen gewichen. Aus einem Punker ist ein konservativer bürgerlicher Mensch geworden. Mon Chérie statt Hansa Pils. Dafür hat Mike von ABRUPT/BOMB ALL RECORDS gut gefrühstückt und könnte von jedem €5 abnehmen. Mike hat 2 Jobs, hat Probleme mit einer „Kategorisierung von allem“ und erklärt den Hintergrund und Bezug zu ausgewählten ABRUPT-Texten. BEATPOETEN sind 10 Jahre unterwegs und präsentieren die schönsten und schillerndsten Geschichten in Auszügen, kurzen Sätzen, die zusammenhängend die Faszination der „Bewegung und die Ausflüge“ skizzieren. Lachhut von CHOREA HUNTINGTON ist manchmal ein hässlicher Ehrgeizling und auf dem Weg der Besserung, während Fulke im Nightliner Bud Spencer-Filme gucken würde. Es hat den Anschein, als ob Bäppi mit jeder Ausgabe nicht nur über (eine neue) Beziehung philosophiert, sondern auch umgezogen ist. Hannover ist auch nur eine vorübergehende Station, hat Bäppi doch vor, seine bio-landwirtschaftlichen Produktions- und Verkaufsmodalitäten auf dem Land zu verfeinern. Bis dahin stellt er die Lokalitäten in Hannover vor, in denen punk sich wohl fühlen kann. FCKR heißen FICKER und lassen wie KMPFSPRT einfach die Vokalbuchstaben weg. Zippel kackt nach der 1. Zigarette und schläft viel und wünscht sich einen richtigen Briefverkehr und -wechsel. Der Heftschwerpunkt thematisiert „Punkvideos“ mit Interviews zu Bands, die auf youtube ein Video zum Song gedreht haben bzw. erklären den Hintergrund zum Video. Darüber hinaus werden mit RILREC TV und KESSELPUNKS Punkrock Youtube-Kanäle vorgestellt, die doch recht unterschiedlich gestaltet und präsentiert werden. Fanzinekollegen erklären und stellen ihre Lieblingsvideos vor, Niclas von THE BABOON SHOW describes his sense of producing a video-clip und Kay Øzdemir (u.a. Clips für PASCOW, THE BABOON SHOW) erklärt den Prozess eines Videodrehs. Bocky reflektiert die ehemalige schöne bunte PUNKROCK!-Fanzinewelt und wirkt nach dem Aus entspannter und zufriedener. Gesamteindruck: Das Human Parasit Fanzine nimmt immer noch einen großen Stellenwert in Bäppis Leben ein, auch wenn er das Interesse am Medium Fanzine (zeitweise) verloren hat. Bäppi kann sich immer weniger begeistern, was sich auch auf den Inhalt auswirkt. Denn alles, was ihm nicht gefällt oder seinen Ansprüchen nicht genügt, wird schlecht gemacht oder ignoriert. Diese Denk- und Arbeitsweise wirkt arrogant und narzisstisch, was sich vor allem darauf bezieht, dass Bäppi sein Medium und Wirken hervorhebt und als Maßstab nur gut findet, was seinen Vorstellungen entspricht. Das ist weniger konstruktiv, denn egoistisch und subjektiv. Denn Bäppi macht in seiner Kritik keinen Vorschlag zur Verbesserung, ist unsachlich und bevormundet bspw. andere Fanzinemacher_innen, die bitte nur das machen sollen, was Bäppi gefällt. Das von Bäppi und Turbotorben in Kooperation geführte Interview mit HEADSHOX wirkt uninspiriert und der Versuch, zu provozieren scheitert an klischeebezogene Vorurteile (Die Bremer Punks sind elitär), mit denen sie die Band konfrontieren. Im Wesentlichen ist die aktuelle HP-Ausgabe inhaltlich sehr abwechslungsreich und vom Layout/Artwork herausragend gestaltet. Bäppi legt viel Wert auf eine grafische Vielfalt, die jeweiligen Artikel und Interviews individuell in Szene zu setzen und verzichtet auf ein immer wiederkehrendes Gestaltungsmuster. Das Schwerpunkt-Thema ist zum Glück ausführlicher geworden und umgesetzt, als von ihm zunächst geplant. Wobei mich persönlich youtube-Videoclips wenig interessieren und auf mich keine Faszination ausüben. Anarchie und Alkohol schon eher. Kritische Betrachtungen zum Drogenkonsum im Hier und Jetzt und die Suche nach Strategien im täglichen Umgang mit Drogenkonsum ist leider nur eine unscheinbare Randnotiz und Beilage, böte dieses Thema doch eine kontroverse Debatte und Stoff für Erklärungsmuster und Verhaltensweisen, warum Alkohol dazu beiträgt, eine ungleiche Verteilung von Gewalt und Druck aufrechtzuerhalten, wie Punks Alkoholkonsum und Anarchie rechtfertigen und warum Punk-Bands dies propagieren…

Alleiner Threat: Kurzfassung: Kauft dieses gottverdammte Zine und bettelt Bäppi an, er möge möglichst bald ein neues veröffentlichen. Langfassung: 100 Seiten in A5 hat der liebe Bäppi hervorgezaubert. Einhundert Seiten! Und gleich vorneweg, da liegt das Hauptproblem, denn es sind „nur“ 100 Seiten. Denn die Schriftart ist an vielen Stellen sehr klein und viele Photos haben leider nur noch Briefmarken-Größe oder sind noch kleiner. Das ist sehr schade, denn was ich schemenhaft darauf erkennen kann, hätte mich doch interessiert. Somit dürfte wohl das Human Parasit das optische Gegenteil vom Trust sein. Okay, aber auf der anderen Seite hätte es wahrscheinlich geheißen, Inhalt zu kürzen, und das wäre eine noch schwere Entscheidung gewesen. Denn, auch wenn mir die Bands auf dem Cover wenig geben – Zex, FCKR, Abrupt, Headshow oder Chorea Huntington – fand ich alle Interviews ausgesprochen informativ. Das liegt zum einen an den Bands und ihren Antworten, aber auch an den durchdachten Fragen. Ist halt zum Glück weit weg von den Standarddingern, die man in (fast) jedem Zine liest.
Dazu kommen die beiden dickeren Spezials: Das eine ist mehr oder weniger Hannover, wohin es Bäppi jetzt verschlagen hat. Ziemlich guter Überblick über die aktuellen Läden in der Stadt. Im Vergleich zu Flensburg, muss es wie das Paradies anmuten. Zumal man ja auch schnell in Bremen, Berlin oder Hamburg ist. Auch wenn der Umzug erstmal heißt, Panzerband liegen auf Eis.
Das zweite Special ist umfangreicher zum Thema Videos und Punkrock. Darin wird unter anderem Love A, Ril Rec und Kesselpunks-Martin interviewt. Gute Interviews, gute Antworten. Das Video-Format ist ja nicht mein Liebstes, da ich entweder Musik höre oder Filme sehe, Musikvideos mir aber wenig geben. Auf der anderen Seite, wenn Bands das gut machen, warum nicht.
Das Kollege Falk Fatal dann noch seine Auftritte beim Herzerockt verarbeitet – Dödelhaie und die RAF, ein wochenlanger Skandal in dem lokalen Käseblatt „Die Glocke“ – ist ebenfalls lustig zu lesen – und psychologisch sehr wichtig für ihn, nicht das Traumata zurückbleiben. Und auf fast zusammenhängenden Seiten Body Count und Oi! of the Tiger abzufeiern, nötigt mir ebenfalls Respekt ab.
Gut und interessant zu lesen ist auch der Bericht über das No Border Camp. Stämma und Jens waren vor Ort und haben in Idomeni gekocht und Geflüchtete unterstützt. Einzig und allein nervig ist dieser „linksautonome Diktus“ des Textes: „Die Leute hingen fest an der Grenze ohne Informationen, mit viel zu wenig (Winter-) Kleidung, teilweise ohne Decken und Zelte und keine/r von den Offiziellen oder Ngo’s haben sich darum gekümmert“. Und dann hat die Autonome Linke das Leid entdeckt und geholfen, Danke autonome deutsche Linke! Ironie-Modus aus: Viele – v.a. kleinere NGOs – arbeiten seit Jahren sowohl politisch in Europa als auch vor Ort mit den Menschen, bevor sie fliehen. Während sich die Linke um persönliche Freiheiten von Einzelpersonen kümmert oder die „EZB“ als Feind angreift, gibt es seit Jahren / Jahrzehnten große Flüchtlingsströme. Die meisten (Kolumbien, Philippinen, Burma, DR Kongo, etc.) erreichen uns nicht und fliegen daher unter dem Radar (nicht nur der deutschen Linken). NGOs, auch wie Brot für die Welt, versuchen politisch – zum Beispiel im Bereich Handelspolitik, lange bevor mit TTIP die Diskussion auch hier angekommen ist, weil es ja jetzt auf einmal um „unsere“ Standards geht – da Verbesserungen zu erlangen. Und ja, dann ist es mir lieber, dass Geld auch in fähiges Personal geht als in unfähige, unkoordinierte Wassertropfen auf die heißen Steine. Und während die autonome Linke angenehme Queer-Feste veranstaltet oder eine Soli-Party, nachdem ein paar Menschen Festgenommen wurden, weil sie Steine gegen die EZB geschmissen haben, gibt es auch Menschen, die sich mit technischen Themen auseinander setzen, für die man kein Schulterklopfen bekommt, wie wenn man drei Wochen wichtige Arbeit für Geflüchtete an der griechischen Grenze verrichtet. Nur mal so …
Fazit über das Human Parasit: Eines der besten Musikzines mit starker persönlicher Note oder aber eines der besten Per-Zines mit starkem Musikfokus, entscheidet selbst, aber holt’s Euch!

Proud To Be Punk #24: Das Human Parasit erscheint gefühlt aller zwei bis drei Jahre. Dafür kann man sich dann aber auch sicher sein, dass Herausgeber Bäppi eine ebenso inhaltsreiche wie auch lesenswerte Ausgabe präsentiert. Folglich beinhaltet Nummer 14 100 proppevoll gefüllte, in einem hübschen Computerlayout verpackte Seiten, die etliche Stunden Lesespaß garantieren dürften. Was beispielsweise die Bandinterviews angeht, so schwimme ich mit Bäppis neuer Ausgabe auf ein- und derselben Wellenlänge. Schließlich werden mit Abrupt, Chorea Huntington, Headshox und FCKR zwar eher unbekannte Kapellen befragt, die jedoch musikalisch wie auch inhaltlich durch die Bank weg absolut empfehlenswert sind und denen man demzufolge ruhig einmal ein Podium in Form eines Interviews bieten kann. Und auch Bocky, einstmals Schreiberling der Pogo Presse und des von mir wenig geliebten Punkrock!-Fanines, erweist sich im Interview sympathischer als von mir anfänglich vermutet. An einigen Stellen gestaltet sich Bäppis Art Fragen zu stellen zuweilen als etwas nervig: so stellt Bäppi mit einer Frage hin und wieder eben nicht nur eine Frage, sondern gleich eine Vielzahl an Fragen, die vom Befragten gar nicht alle beantwortet werden (können) – da wäre es doch ergiebiger und inhaltlich übersichtlicher, anstelle einer Frage einfach mehrere zu formulieren. Nun ja, und einige Fragen sollen wahrscheinlich auflockernd-lustig wirken, hinterlassen bei mir aber einen befremdlichen Eindruck – so z.B., wenn Bäppi Mike von Abrupt fragt: „Ich kenne niemanden der dich nicht mag. Ist das anstrengend und hattest du schon mal einen Feind?“. Glücklicherweise bilden derartige Fragen jedoch die Ausnahme – der Großteil der Interviews ist wirklich unterhaltsam und informativ zugleich. Weniger spannend war für mich hingegen das stattliche 17 Seiten umfassende Special zum Themenkreis Punk-Videos. Gemeint sind hierbei aber keine punkrelevanten Spielfilme oder Dokumentationen, sondern Musikvideos und genau jene fand ich in 99% der Fälle schon immer langweilig oder peinlich – viele Punkvideos sorgen jedenfalls bei mir für Fremdschamgarantie. Da kann ich dem Überblick über gängige Konzertschuppen in Hannover schon weitaus mehr abgewinnen – solch ein Artikel bietet sich schließlich immer als gutes Nachschlagewerk an, wenn unsereins wieder einmal andere Städte unsicher machen möchte. Insgesamt wieder einmal eine runde Angelegenheit, die man sich bedenkenlos zulegen kann.