RAKETE FEHLSTART – Demo EP

An Silvester ist alles scheiße. Vor allem die Raketen. Selbst bei Rocky habe ich mehr Sympathien für Mr. T oder Dolph Lundgren als für den ollen Sylvester. Und als Kriegsdienstverweigerer finde ich Raketen natürlich auch scheiße. Ich wollte zwar nie Holzfäller werden, aber auch kein Astronaut. Was passiert eigentlich, wenn eine Rakete einen Fehlstart hat? Sie explodiert, fällt direkt wieder vom Himmel oder im schlimmsten Fall geschieht einfach gar nichts. Der Countdown läuft, ich bin ready to take off und dann kein Knall, kein Aha-Effekt. Einfach nichts. Diese erste EP der vier Stuttgarter lässt mich zwar auch nicht staunend mit offenem Mund zurück, zumindest aber zündet sie. Und das sogar so gut, dass ich sie auch ein weiteres Mal abfeuern möchte. „Wo komm ich her, wo geh ich hin, ich danke meinen Eltern, dass ich Punkrocker bin.“ heisst es im Song „Fuck Off – Prinzip“. Punk ist bei den vier Raketen auf jeden Fall im und nicht auf dem Kopf. Insgesamt klingt das schon sehr erwachsen, als wären Irokesenschnitt und Nietenkutte nur noch blasse Erinnerungen an eine wilde Jugend und sind Biedermeier und bravem Schwiegersohn gewichen. Wenn mir die vier Typen in Baden Württemberg auf der Straße entgegenkommen, wechsel ich nicht die Straßenseite. Musikalisch hat das Parallelen zu STRG-Z, die hier sehr hoch im Kurs stehen. Mir gefällt der kratzige Gesang, wenn es mal etwas lauter wird, aber auch das langsame, melancholische. Ich versuche die ganze Zeit darauf zu kommen, woran mich die Stimme des Sängers erinnert… ich komme nicht drauf, doch sie hinterlässt einen sehr sympathischen Eindruck. Leider ist nicht immer alles verständlich, gerade wenn es kratziger und lauter wird und es liegt kein Textblatt bei, in dem ich nachlesen könnte, was sie zu den „Klängen von Chopin“ im Song „Armee der schwarzen Löcher“ machen. Zufälligerweise war ich am Sonntag nämlich auf einem Chopin (sprich: Scho-Päng) Konzert, hab mir ein T-Shirt und die aktuelle CD gekauft und wäre sehr daran interessiert zu erfahren, was andere Menschen zu diesem Klassiker treibt und was sie dabei treiben. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, wieso eine Band auf ein Textblatt verzichtet. Auf so einem kleinen Einleger könnten sie zudem ein hübsches Foto packen, erzählen wo sie wann und mit wem aufgenommen haben, ihren Eltern nochmal danken und weißderTeufelwasnochalles. Die Mehrkosten für die Veröffentlichung lägen im unteren einstelligen Cent-Bereich. RAKETE FEHLSTART haben mir auf jeden Fall bewiesen, dass doch nicht alles scheiße ist, was aus Stuttgart kommt, und wenn sie sich mit dem Artwork ein kleines bisschen mehr Mühe gegeben und ihrer Veröffentlichung ein Textblatt!!! beigelegt hätten, wäre das hier eine richtig richtig gute EP geworden. So bleibt es eben eine gute EP.

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