POPPERKLOPPER – Wolle was komme CD

Kennste Deutschpunk, kennste auch Popperklopper. Songs wie Weltkrieg III, Konform, Leben im KZ oder Elendszug gehören mit zu dem Besten, was Deutschpunk in den 90ern zu bieten hatte. Die drei Jungs aus der Eifel haben sich weiter entwickelt. Sie haben an ihrem Sound gefeilt, viel alten Punk aus England und Rock‘n‘Roll gehört und diese Stile auch in ihre späteren Songs einfliessen lassen. Immer mehr Texte auf Englisch, die Band wirkt im Gesamten irgendwie „internationaler“ und nicht auf die Schublade Deutschpunk limitiert. Deswegen habe ich sie die letzten 10 Jahre auch aus den Augen verloren, mit so Experimenten brauchste nem eingefleischten Deutschpunk-Puristen nicht kommen. Seit der letzte Scheibe „Wenn der Wind sich dreht“ und dem Wechsel zum Nürnberger Label Aggressive Punk Produktionen haben sie meine Kurve aber wieder gekriegt und konnten sie mich mit dem 2013er Album noch nicht so wirklich hinterm Ofen herlocken, tanze ich jetzt zu „Wolle was komme“ Pogo auf der Fußbodenheizung. Die vierzehn neuen Songs sind nicht durch die Bank weg wundervolle Hits mit Ohrwurmcharakter, die ich mir in Endlosschleife auf den Mp3-Player packe. Das mittlerweile achte Studioalbum hat aber erstaunlich wenig Ausfälle in petto. Insbesondere mit den englischen Songs tue ich mich immer noch schwer, aber davon finden sich zu meinem Glück auch nur noch Vier auf dem Album und Carstens Fremdsprachenkenntnisse sind seit „The Great Egalitarian“ auch stark verbessert. „I am many years old, about me there were many stories told“. Gealtert sind sie, irgendwie resigniert wirken sie, in ihren Aussagen nicht mehr ganz so direkt, etwas allgemeiner gehalten, aber er ist noch da. Der Deutschpunk. Der Spirit, die Stimmung, die sie mit der „Kalashnikov Blues“ erzeugen konnten. Etwas versierter vorgetragen, ein paar mehr Chöre im Hintergrund, aber immer noch unverkennbar Popperklopper. Songs wie „Herzlich Willkommen“, „Wem gehört die Stadt“ oder „Gib mir mehr“ gehören definitiv jetzt schon auf mein Best Of Tape. Und selbst das etwas merkwürdig anmutende „Alcoholidays“, bei dem auch Diggen von Slime mitsingt, das am Ende mit einem astreinen Mallorca-Beat aufwartet und auch im Oberbayern laufen könnte, setzt sich in den Gehörgängen fest und kann live bestimmt ein Knaller werden. Abschließend kann ich sagen, dass mich dieses Album sehr positiv überrascht hat, ich es in letzter Zeit gerne und oft höre und ich mich aktuell wieder durch die komplette Diskographie höre. Popperklopper 2017 sind Deutschpunk. Nicht aus dem zehn Quadratmeter großen, schimmligen Proberaum im AZ Keller, den haben die Drei hinter sich. Aber eben auch nicht aus dem Backstagebereich von Alex Schweers oder auf Nikolaus-Raus Welttourneen. Irgendwas dazwischen. Ehrlich, erdig und immer noch wütend. Komme was wolle, ich werde mir „Wolle was komme“ auch noch als LP besorgen.

Facebook, Webseite