PISSSHIT – Direkt aus Ludwigsburg CD

Geil. Ich hab die Scheibe gestern beim Kochen gehört und direkt so viele Assoziationen im Kopf. Ich liebe so was, eine Rezension, die sich wie von alleine schreibt, obwohl ich weder eine Ahnung habe, wo Ludwigsburg liegt, was aus Ludwigsburg kommt und wer sich hinter dem absolut innovativen und einfallsreichem Namen „Pipikacke“ verbirgt. Sag mal ne Band mit drei S‘s hintereinander im Namen. Kennste keine, oder? Bevor der findige Rezensent nun also in die Tasten haut, fragt er sein Internet, was es ihm über das Trio aus der Nähe von Mannheim zu berichten hat. Siehste, Internet hat schon die ersten Fragen beantwortet. Pissshit kommen aus Ludwigsburg, genau wie Philipp Poisel, Jochen Laube oder Heinz Pelz. Kennste keinen von, oder? Und sie machen seit April 2015 ehrlichen Wahregeschichten-Orgelpunk, aber ohne Bass. Für weitere Hintergrundinformationen hilft auch oft die Lektüre der Rezensionen, die die Kollegen so über „Direkt aus Ludwigsburg“ verfasst haben. Da erstreckt sich das Bild von kryptisch, undurchsichtig der Marke Fred vom Jupiter, über nichtssagendes Promozettel Copy And Paste aus dem Hause Away From Life bis zur gnadenlosen Bierschinken Abrechnung. Diese labberige Promo-CD ist in Wahrheit nämlich eine Zehn Zoll große Schallplatte, auf der sich sechs Lieder befinden. So erfahre ich zum Beispiel, dass Roland aus dem ersten Lied, dem das Fahrrad geklaut wird, der Roland von 1983 ist, der allein vor deinem Haus gestanden hat, also vor Campinos Haus. Wie geil ist das denn? So eine verstecke Reminiszenz an die Helden meiner Kindheit in einem Lied verpackt, das zum Fahrraddiebstahl aufruft. Ich bin direkt raus auffe Straße, hab mir den erstbesten Drahtesel geschnappt und auf der Fahrradklingel dieses Lied gecovert. Und diese CD wird immer geiler. Track Nummer Zwei ist zum perfekten Soundtrack geworden, wenn ich Caro mal wieder unter die Dusche bewegen möchte. Die duscht nämlich nicht gerne. Ich reiß die Anlage auf, Repeat… und es dauert selten länger als bis zum ersten Refrain, ehe sie in der Nasszelle verschwunden ist und ihre Ohren schützend untern Duschkopf hängt. Boah, sind das Ohrwürmer. „Ich geh niemals duschen – ich bleib dreckig“. Das könnte eine neue Punk-Hymne werden. Gegen Insekten bin ich auch, Pizza esse ich sehr gerne, Pinguine und Sponge-Bob mag ich voll und die Straight Edger gehen mir mit ihrem alkohohlfreiem Bier schon lange auf die Eier. Pissshit schaffen es mit jedem ihrer sechs Lieder, mir voll und ganz aus der Seele zu sprechen. Eben wahre Geschichten, obwohl ich die Ironie in „Rund und Glücklich“ schon verstanden habe. Doppelkinn oder Bauchfalten sucht man bei den drei knackigen Ludwigsbürgern nämlich vergebens. „Direkt aus Ludwigsburg“ ist eine Scheibe, die Kultpotential hat. Ein bisschen wie WTZ, nur ohne berühmte Punkrockstars und Instrumenten-Skills. Ein bisschen wie die Killerpilze vor zehn Jahren nur noch fünf Jahre weiter zurück. Wem Unglaublich Aber Ska zu aufgesetzt oder zu professionell erscheinen, giert nach einem neuen Geheimtipp. Hier ist er: Pipikacke aus der Nähe von Mannheim. Fetzt.

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