ORÄNG ÄTTÄNG – The Beast Bites Back LP

Hm. Affen. Hab ich nicht so das Verhältnis zu, obwohl es im Odenkirchener Tiergarten ein Affenhaus gab, das stets zu den Höhepunkten des sonntäglichen Besuchs gehörte. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich dort lange Zeit vor YouPorn und der Entdeckung des Internets das erste Mal Livesex gesehen und Papa versuchte mir zu erklären, woher die kleinen Affenbabys kommen. Sehr verstörend. Im Dschungelbuch fand ich König Lui immer am Blödsten, der Planet der Affen ist nur mit Troy McClure bei den Simpsons zu ertragen, Ape Attack find ich eher so mittelmäßig, ich mag aber die Baboon Show und die Chimpänzee EP von Dean Dirg. Und Oräng Ättäng? Das trinkfeste Trio gibt es schon eine gefühlte Ewigkeit, das letzte (und erste) Album erschien 2005, danach folgte noch eine Single mit den Neuen Katastrophen. Ich erinnere mich an ein Konzert im Osnabrücker Substanz, wo sie eine gefühlte Ewigkeit lang vor Pestfest auf der Bühne standen, bis auch wirklich der letzte Konzertbesucher entnervt den Raum verlassen hat. Oder ein gemeinsames Konzert mit Panzerband in der Flensburger Luftschlossfabrik, wo wir im Vorfeld soviel gesoffen haben, dass jegliche Erinnerung in dichtem Alkoholnebel verschollen ist. Ein verdrehtes Knie und das Ende meiner Squash-Karriere waren das Resultat. Eigentlich kann nur Vic eine gewisse optische Ähnlichkeit zu einem Orang-Utan aufweisen, Krischan hat da mehr etwas von einem süßen Schimpansen a la Cheetah und Harry kommt diesen kleinen fiesen Äffchen, die den Touris die Fotokameras klauen, am nächsten. Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt und die ganze Affenbande brüllt: The Beast Bites Back! Oräng Ättäng fühlen sich im Hamburger Inzuchthaufen mit ihren Homies von Misfired und S.O.S. pudelwohl und verlassen die Komfortzone äußerst selten. Live machen sie sich rar, sie legen es nicht darauf an, The Next Big Thing zu werden, die Amazon-Verkaufscharts zu stürmen oder mit dem Nightliner die Stadtgrenzen der Hansestadt zu überwinden. Sie machen genau ihr Ding, machen das, worauf sie Bock haben und scheren sich einen Scheißdreck um die Außenwirkung und genau das macht sie für mich auch so sympathisch, obwohl ich die neue Scheibe jetzt kaum mit Prädikaten wie „affenstark“ oder „oberaffentittengeil“ (das war in der Grundschule der Inbegriff des Non Plus Ultra) versehen würde. Vielmehr haben die Hamburger hier ein durchaus solides Album abgeliefert, bei dem mir aber die Ausreißer nach Oben fehlen, denn obwohl die Scheibe jetzt seit über einer Woche auf dem Plattenteller liegt, haben die Songs wenig Wiedererkennungswert, setzen sich nicht in den Gehörgängen fest. Textlich bewegen sie sich auf der sicheren Seite, neben viel Gesellschaftskritik kommt aber auch das Bier nicht zu kurz. Auch politische Statements kriegen sie klug verpackt: „Stick your flags up your asses, fuck the patriotic masses. Leave all borders behind, on the maps and in your mind.“ und mit MPU befindet sich sogar ein deutscher Text auf dem Album. Hübsches Coverartwork, kein Downloadcode, Einleger mit allen Texten, die allerdings handschriftlich verfasst wurden und teilweise hat Harry echt ne Sauklaue. Als ich die Platte aus dem Briefkasten zog, lag ein kleines Zettelchen bei: „Bäppi, alte Hure! … Schönen Gruß von den Affen!“ Der alte Aapefott, hab ich gedacht, bis mir eben gerade aufgefallen ist, das dort „Hupe“ steht… Als ich Krischan letztes Wochenende beim Fünf Minuten ohne Kopf Festival vorm Störte traf und fragte, warum denn Orang Ättäng nicht spielen, schließlich sei das doch ein Festival ausschießlich für Hamburger Bands, antwortete er mir, dass wohl viele garnicht mehr auf dem Schirm haben, das es die Band überhaupt noch gibt. Ehrlicher Punk, sympathische Jungs, solide Platte.

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