NO G20 – Festival der Demokratie Tape

Das beste Medium für einen Sampler ist und bleibt die Kassette. In der Prä-Internet-Ära dienten Sampler dazu, vor allem neuen und unbekannten Bands eine Plattform zu bieten und Verbreitung zu finden. Oft wurde viel Zeit und Aufwand in ein Mixtape gesteckt, mühevoll Bands und Songs mit Briefpost angeschrieben, lustige und passende Einspieler vor die jeweiligen Lieder gepackt und mit Schere und Prit-Stift ein aufwendiges Booklet mit Texten, Kontaktadressen und Informationen gebastelt. Heute kauft mensch sich für ein paar Euronen auf Plastic Bomb oder Ox Beilagen CDs und verschwindet in der Versenkung. In vielen Ländern ist die Kassette aus dem Punkrock nicht wegzudenken, bietet sie doch die Möglichkeit, auch an neue Alben renommierter Bands für schmales Geld zu kommen. Ähnlich der Schallplatte erlebt ja auch das Magnetband seit einiger Zeit wieder eine Renaissance. Bands veröffentlichen ihre neuen Alben nicht nur noch als CD und/oder LP, sondern auch auf Kassette. Auch hierzulande. Neue Kassetten-Label schießen wie Pilze aus dem Boden. Zum Beispiel Black Cat Tapes, die innerhalb kürzester Zeit eine ganze Reihe geiler Tapes herausgebracht haben. Deren letzter Streich ist der hier vorliegende Soli-Sampler: Festival der Demokratie. Sämtliche Erlöse gehen an Betroffene von staatlicher Repression während des G20 Gipfels in Hamburg. Feine Sache. Doch was macht jetzt einen guten Sampler aus? Er sollte an einem Stück hörbar sein und nicht zu viele Ausfälle beinhalten. Einen Sampler, bei dem dir alle Bands/Lieder gefallen, kann wohl nur ein von dir selbst zusammengestellter sein. Negativbeispiele sind hier wieder die kostenlosen Beilagen-CDs, die größtenteils mit unhörbaren Schrott aufwarten. „Festival der Demokratie“ bietet ein paar bekanntere Bands, aber auch sehr viel für mich völlig Unbekanntes. Da geben sich in schöner Regelmäßigkeit Licht und Schatten die Klinke in die Hand. Bei manchen Songs vermisse ich den SKIP-Knopf an meinem Tapedeck, bei anderen mache ich mir sogar die Mühe und spule ein paar Minuten zurück. Highlights sind KRANK, GLOOMSTER, KASUAR, KILLBITE und LOSER YOUTH, die ich aber auch schon vorher kannte. Die musikalische Bandbreite reicht von klassischem Punk über Hardcore bis hin zu HipHop, was diesen Sampler sehr abwechslungsreich macht, allerdings habe ich trotz der Masse an Bands, die ich zum ersten Mal gehört habe, nichts entdecken können, was mich neugierig auf weitere Songs machen würde. Das ist natürlich auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite bei diesem Projekt aber auch absolut nebensächlich. Wichtig ist, dass schnell Geld generiert wird. Als Zeichen deiner Solidarität erhälst du eben als kleines Bonbon eine hübsch aufgemachte Kassette oder wahlweise auch 27 MP3s. Was ich ebenso im Booklet wie auch auf der Bandcamp-Seite vermisse, sind die Texte der Bands und vielleicht noch ein paar mehr Hintergrundinformationen zur Intention des Samplers, aber das würde bei einem Thema wie G20 auch schnell den Rahmen sprengen. So ist „Festival der Demokratie“ ein gut hörbarer Sampler geworden, der mich sicherlich auf der ein oder anderen Autofahrt begleiten wird. An dieser Stelle soll auch noch mal auf den gleichnamigen Doku-Film des Plastic Bomb Kollegen Lars verwiesen werden, der bald die Kinocharts stürmen wird. Guckstu Internet: www.nog20solitape.bandcamp.com und www.unitedwestand.blackblogs.org