JAMES FIRST – Choose Your Life LP

Wenn du bei Songtiteln wie „Anti-Fascist Crowd“, „Stand Up“ oder „Don‘t Give Up“ bierseeligen Schunkel-Oi! erwartest, dann ist diese Platte genau das Richtige für dich. Ficken, Saufen, Mackertum, Glatzenpolitur und Stolz und Ruhm. Ohren gespitzt: JAMES FIRST aus Lübeck hauen dir deine Plattitüden um die Ohren, da vergeht dir Hören und Sehen, da kannste mal schön mit den Ohren schlackern du Arsch mit Ohren. Es passiert nicht oft, dass ich hier eine Platte aus dem Briefkasten ziehe, die ich mir sowieso selber kaufen wollte und von bierseligem Schunkel-Oi ist das Quartett glücklicherweise genauso weit entfernt wie von James Last. Hervorgegangen aus den PHLEGMATIX bieten JAMES FIRST die perfekte Mischung aus hymnischem Streetpunk, nach vorn treibendem Punk und ungestümem Hardcore. Nach den ersten Tönen fühlte ich ich angenehm an die Band ALERT aus Kiel erinnert, die mich vom ersten Akkord an mit ihrem politischen Anti-Flag‘schen Punkrock begeistern konnten, Arschtritt und Attitüde. Gibt es eigentlich für bestimme Städte und Regionen eine typische Spielart des Punk? Hannover war wohl mal das Funpunk-Eldorado mit den Brieftauben, Kellox und Konsorten, in Hamburg hört sich alles nach Rachut und Tocotronic an, in Berlin regiert der Hipsterpunk und in Leipzig ist avantgardistischer Kunstmist der letzte Schrei. Ganz in der Nähe von Lübeck sind nämlich mit den Detectors und den Stumbling Pins zwei Bands beheimatet, die ganz prima rund zu JAMES FIRST passen tun. Ob jetzt „Fight for humanity“, „Fight the terror!“ oder „No stepping back, we‘re standing up“ die vier Jungs geben sich kämpferisch, gegen Krieg, Armut, Nazis, aber dann auch wieder sehr persönlich mit Songs wie „Out Of My Mind“ dem perfekten Soundtrack für deine nächste Trennung. Manchmal hören sich die Lübecker wie die Vertonung diverser politischer Plakate und Flyer an, aber nie platt oder ausgelutscht, bis auf den eigentlich sehr guten Song „It Doesn‘t Matter“ mit seiner mehr als griffigen Parole „Yes means Yes and No means No“ in dem ein Kuss (gegen ihren Wunsch) mit einer Vergewaltigung gleich gesetzt wird… da ist der Basti in seinem Review in der aktuellen Plastic Bomb aber schon ausführlich drauf eingegangen. Die Platte ist im Gesamten total stimmig, ein hübsches Artwork rundet den sehr guten Gesamteindruck nochmal ab, tolles Debut auf Backbite Records!

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