HOTEL ENERGIEBALL – Kein Applaus für Scheisse LP

Ja da hat Labelchef Maks Rilrec nicht schlecht gestaunt, als ich diese Scheibe bei ihm geordert habe… „Energieball??? Du??? Verwechselst du da was?“ Nein, denn obwohl ich die erste Scheibe „Neustart“ der Bochumer Glam- und Luxuspunker als eher mäßig in Erinnerung hatte, trieb mich die Nostalgie, immerhin war ich großer Fan der Vorgängerbands District, Public Toys (mit Pascal Briggs) und Happy Revolvers, zum Kauf dieses Tonträgers. Der größte Unterschied zu den genannten früheren Bands ist wohl, dass bei Hotel Energieball auf Deutsch gesungen wird und das ist auch die Krux des Ganzen, denn für diese Art der Musik passt die englische Sprache einfach besser, die deutschen Texte wirken stellenweise deplatziert. Zu oft trieft es nach Herzschmerz, zu viel Gefühl und viel zu wenig Hass. Am deutlichsten wird das beim Song „Selbstmordnation“, quasi ein Cover mit eingedeutschen Texten der eigenen Vorgängerband Happy Revolvers, bei denen der Song viel mehr geknallt hat und deutlich mehr Biss aufzuweisen hatte. Viel hängt natürlich an Sänger Uwe Umbruch, der einfach eine total markante Stimme mit enormem Wiedererkennungswert besitzt. Seine Bandhistorie lässt sich ganz gut mit der The Clash Discographie vergleichen, das selbstbetitelte Erstlingswerk von 1977 und die „Give `Em Enough Rope“ sind unerreichte Klassiker, ähnlich der Splitscheibe „Bad News For This District“ oder der letzten 10“ von Public Toys „Rock‘n‘Roll Parasites“. Hotel Energieball würde ich dann passenderweise mit der letzten Scheibe „Cut The Crap“ der Londoner vergleichen, ein Werk, dem nicht mehr so viel Beachtung zuteil wurde, obwohl sich auch hier noch sehr gute Songs finden lassen. Denn gerade beim Titeltrack „Kein Applaus für Scheisse“ zeigen die drei Bochumer, dass sie sich nicht immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten und auch mal Bleifuss geben können. Thematisch geht es meist sehr persönlich zur Sache, die Songs handeln vom Älter werden, Selbstreflektion, aber auch aktuelle politische Themen halten Einzug und da muss ich wieder den Titeltrack hervorheben. Hotel Energieball passen ganz gut zu den Toten Hosen und haben mit dieser Art der Musik in Deutschland sicher ein Alleinstellungsmerkmal. Ich werde diese Platte sicher noch öfter auflegen, bade aber erstmal in Nostalgie mit den alten District und Revolversscheiben, den Trashcan Darlings, Backyard Babies und Bad News. Glampunk, Junge!

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