HELMUT COOL / BIERDOSENFREUNDE – Split EP

So langsam hab ich echt genug vom musikalischen Output aus Baden Württemberg. Das ist jetzt die fünfte Rezension nacheinander von und über Bands aus dem Stuttgarter Raum. Und warum singt eigentlich niemand mit diesem komischen schwäbischen Dialekt? Als wäre die Spätzlestadt der Nabel der Welt. Ich werde an dieser Stelle noch kein „Apropos Nabel“ benutzen, um dir das erste von vier fürchterlichen Liedern etwas näher zu beschrieben. Eigentlich habe ich der Worte schon genug verloren über Helmut Cool und ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich unsere Wege so schnell wieder kreuzen. Just in diesen Tagen ist auch das zweite Studioalbum bei Twisted Chords erschienen. Manchmal bestelle ich mir Platten von Bands, die ich noch nicht kenne, um mich überraschen zu lassen und ganz altmodisch ohne vorher mein Internet bemüht zu haben auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich habe mir auch schon mal eine Platte bestellt, einfach nur, weil ich sie besitzen will, weil Erinnerungen dran hängen und ich sie in meinem Regal stehen haben möchte, falls ich irgendwann einmal den Drang verspüre, sie aufzulegen. Welcher Teufel mich geritten hat, die „Verbesserte Rezeptur“ von dieser unlustigen Kasperletruppe prezuordern, kann ich aber nicht sagen. Vielleicht war es die Hoffnung, dass es nach dem Schlachtrufe Debakel nicht mehr schlimmer werden kann, vielleicht aber auch nicht. Die beiden Lieder dieser Single widerlegen meine optimistische Vermutung jedenfalls ziemlich klar und deutlich. Und jetzt kommt der Nabel wieder ins Spiel. Denn in dem Lied „Sekt“ geht es um den Nabel einer Frau, die „nur ein paar Kilo zu viel“ hat und darauf steht, dass ihr jemand Perlwasser aus dem Bauchnabel schlürft. Der Text ist an Belanglosigkeit nicht mehr zu übertreffen, strotzt nur so voller dämlicher Klischees und ich frage mich, wie man auf so eine bescheuerte Idee kommt. Zu viel RTL2 geschaut? Zu viel Werbung auf RTL2 geschaut? Und zu viel Schöfferhofer Weizen dabei gesoffen? Der süddeutsche Humor ist definitiv nicht meiner. Ist das der neue Fun-Punk? Findet das jemand ernsthaft lustig? Der zweite Song huldigt dann dem Coverzeichner Egon Forever und bietet den besten Helmut Cool Text, den es gibt. Und der geht so: „Egon Forever, Egon Forever, Egon Forever, Egon Forever, Egon Forever, Egon Forever… forever and ever… Egon Forever… und so weiter. Endlich mal ein Song mit klar verständlicher Message, ohne Pennäler und Ficki-Ficki-Humor. Die Bierdosenfreunde auf der gegenüber liegenden Seite schrecken mich zuerst mit ihrem Namen ab und plätschern dann mit zwei dem 90er Jahre Deutschpunk angelehnten Songs zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. In sehr einfach gehaltenen Texten geht es gegen die Grauzone und gegen Altkanzler Kohl und wer sich seine Vinylscheibe mit einer so furchtbaren Band wie Helmut Cool teilt, kann nur verlieren. Helmut Cool fahr zu Hölle!

HELMUT COOL: bandcamp, facebook