HEALER OF BASTARDS – Justice LP

Da sitze ich also auf meinem Echtlederbürostuhl und blättere in der neuen Ausgabe Jagd & Hund, während ich ein Thunfisch & Delphin-Baguette von Subway verspeise. Ich will endlich diesen verfluchten Dachs aus dem Nachbarhaus los werden, schimpfe über die obdachlosen Pfandsammler vor meiner Tür und freue mich auf eine Einladung zum Stierkampf in der AWD-Arena. Und dann springen die drei Heilpraktiker der Mistkerle (danke liebes Google-Übersetzer-Team) aus den Boxen und polieren mir die Fresse. HEALER OF BASTARDS ist eine recht frische Band aus England mit nicht mehr ganz so frischen Bandmitgliedern, die alles andere als ermüdenden Englandpunk zu bieten haben. Und sie haben was zu sagen. So beginnt ihr erstes Album „Justice“ gleich mit drei Songs, die mit Umweltverbrechern, Jägern und Verschwendern gnadenlos abrechnen, die den rücksichtslosem Umgang mit Mutter Erde verteufeln und vor dem Bienensterben warnen. Doch habe ich es hier nicht mit naturverbundenen Weltverbesserern, Veganern der Stufe drei mit Taschenhumus oder einem Konzeptalbum der Kaninchenzüchter von Fall Of Efrafa zu tun, die kommen nämlich aus Brighton und nicht aus Birmingham, sondern mit einem echt abwechslungsreichen und vor allem nach vorne treibenden Punkrock-Album. Die drei HEALER treten ordentlich aufs Gaspedal, dass du in manchen Songs sogar das Gefühl hast, sie würden sich selbst überholen und dabei die Hälfte der Texte verschlucken. Dabei vernachlässigen sie aber nie den melodischen Part, so dass sie sich an manchen Stellen wie eine typische Fat Wreck Chords Band auf 78 upm anhören. Das ist allerdings auch ein bisschen die Krux bei der Sache, denn obwohl es „nur“ 13 Songs auf die Platte geschafft haben, ist die Gesamtspielzeit mit knapp 40 Minuten etwas zu lang ausgefallen. Das liegt daran, das manche Titel zum Erbrechen wiederholt werden oder am Ende einfach nochmal komplett die erste Strophe dran gehängt wird, obwohl der Song eigentlich längst zuende gewesen ist. Dazu störe ich mich an dem inflationär eingestreutem Gitarrengedudel, das in seltenen Fällen positive Assoziationen der Marke Rancid hervorruft, zumeist aber einfach nur nervend und deplatziert wirkt. Aber das sind zu vernachlässigende Schönheitsfehler in einer ansonsten makellosen, aber wütenden und angepissten Visage. Sie kotzen sich aus gegen Homophobie, Entmenschlichung, Grenzen in den Köpfen und zwischen Ländern und haben mit „Wage Slaves“ einen echten Hit auf diese ansonsten homogene und gut hörbare Scheibe gepackt. „Sometimes you dream about work, it‘s enough to make you berserk… break away from that mental state, see yourself more than just your wage – we‘re fucking wage slaves!“ Punk aus England kann mehr als Exploited oder Sex Pistols und Break The Silence hat hier wirklich eine feine Sache ins Vinyl geritzt und hübsch umverpackt. Werde ich noch öfter auflegen.

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