HARD MOOD – Spaziergang Of Death Demo

Nach den ersten Klängen dachte ich noch, geil, endlich mal eine neue Band, die aus der Masse heraus sticht und nicht klingt wie die Kopie einer Kopie einer anderen Band. Tatsächlich hatte ich nach den ersten drei, vier Liedern jede Menge unterschiedlichste Assoziationen im Kopf, an die mich die Musik erinnert. Kennst du noch Knorkator? Dann ein bisschen wie Rammstein. We Butter The Bread With Butter und auch Kannibal Krach. Dann auf einmal Die Kassierer. Hui, was für ein wilder Mix. Leider ist die erste Begeisterungswelle schnell abgeflaut, die Lieder sind im Gesamten einfach viel zu lang, manche Strophen ziehen sich wie Kaugummi, bereichern den Song um keine Nuance, unterstreichen die Intention (sofern vorhanden) nicht und wirken mit stümperhaften Reim-Dich-Oder-Ich-Fress-Dich-Schemata konstruiert und einfach überflüssig. „Du hast deinen Hamster gern. Ich hab meinen Morgenstern. Umhang, Lanze und Schild. Das gibt ein schönes Bild. Willst du nicht freundlich sein, schlag ich dir den Schädel ein. Da zittert selbst der Schnitter, vor dem Wilden Ritter…“ Das Lied handelt irgendwie vom Motorrad fahren und erzählt in drei sinnfreien Strophen die Geschichte vom coolen Biker, der alles kaputt macht und selbst der Polizei entkommt. Das sind dann so Stellen, an denen ich mich an We Butter The Bread With Butter erinnert fühle, die simple Kinderlieder verwurstet haben, aber ich fürchte fast HARD MOOD meinen das Ernst hier und wären gerne wilde Ritter. Generell kann ich ab der Hälfte der 9 Songs vor allem inhaltlich einen deutlichen Abfall feststellen. Habe ich anfangs noch einige textlichen Entgleisungen als stumpf provokant im Stile von Kannibal Krach abgetan, kristallisiert sich nach einigen Liedern eine recht plumpe und unkorrekte Ausdrucksweise, wenn es z.B. im Lied „Adieu“ heisst: „Sie hat viel zu kurze Arme und ein riesen Hinterteil – Wie schade!… Ihr Vorfotze hängt ihr bis zum Knie – ih!“ oder „Ich brauche nicht mehr zu ficken, kann mir tausend Weiber klicken…“ aus dem Song „Asoziale Medien“. Musikalisch folgt das bis auf wenige Experimente auch immer dem gleichen Beat, so dass sich hier schnell Langeweile breit macht. HARD MOOD kommen aus Halle an der Saale, haben ihr erstes Demo ausschließlich digital und kostenlos veröffentlicht und eine Bandnamen, der fast genauso lustig ist wie Helmut Cool. Solltest du gerne auf schlammigen Festivalwiesen tagelang an der Bierbong hängen und dann bei den Kassieren in der ersten Reihe lauthals: Ausziehen! Ausziehen! rufen, könnte das hier der passende Soundtrack für dich sein. Ich mach jetzt erst mal einen Spaziergang.

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