GLOOMSTER – Randkultur CD

Mit Eisenach verbinden mich gemischte Gefühle, gut zwei Jahre habe ich in der thüringischen Provinz gehaust, die punkrocktechnisch kaum etwas bis nichts zu bieten hatte. Klar, die Fanatischen Frisöre kamen aus Eisenach und irgendwann anno dazumal gab es mal ein legendäres Schleim-Keim Konzert, die Spastix gründeten sich dort ehe sie ins Punker Eldorado Leipzig flüchteten und sonst? Wartburg, Drachenschlucht, Nacktbaden in Immelborn, jeden Samstag Tunertreff vorm McDonalds und viel viel schöne Natur rings herum. Und seit einiger Zeit auch Gloomster, die es geschafft haben in dem idyllischen Touristenstädtchen wieder so etwas wie eine Punkrock-“Szene“ zu etablieren, die Konzerte im Schlachthof und im benachbarten Wutha organisieren und Bands wie z.B. Abserviert den Weg geebnet haben. Mit ihrem kompromisslosen Hardcorepunk der Prägung Rawside oder Recharge in Verbindung mit einfachen, parolenhaften und an manchen Stellen recht platt wirkenden Texten liefern sie den passenden Soundtrack um Spießbürgern, Burschenschaftlern und Nazis die geballte Faust entgegen zu recken. Mittlerweile hat das Quintett (mit Tanio von den Produzenten der Froide ist seit einiger Zeit ein zweiter Sänger an Bord) vier Studioalben veröffentlicht und schon unzählige Konzerte über die hiesigen Bühnenbretter (gefühlt hauptsächlich im Osten Deutschlands) gebracht. Randkultur, das damals zweite Album, erschien 2011, seinerzeit aber nur in digitaler Form und wird nun von Riot Bike Records fünf Jahre später neu aufgelegt. Die Songs wurden neu gemixed und gemastert und Tanio unterstützt Sänger Julian beim Krakeelen. 13 Songs (inkl. Cover der Versauten Stiefkinder) gegen Nazis, Krauts und sinnbefreiten Spaß- und Saufpunk a la Eisenpimmel und Konsorten, die allesamt auch fünf Jahre nach Erstveröffentlichung ier noch nichts an Aktualität verloren haben. Gloomster sind mittlerweile eine feste Institution in Sachen Hardcore-Deutschpunk (hören sich hier auch noch mehr nach A.C.K mit nicht so viel Metalgewixxe an) und haben gerade politisch einen extrem hohen Stellenwert in Eisenach und Thüringen. Warum ein einst nur digital erhältlicher Tonträger jetzt auf CD veröffentlicht wird, erschließt sich mir nicht ganz, zumal auch das Drumherum kaum Mehrwert bietet. Im Booklet finden sich zwar alle Texte, aber gerade fünf Jahre danach hätten mich die ein oder anderen Linernotes oder Ergänzungen doch sehr interessiert. Wer auf rohen, ungeschliffenen Sound mit deutschen Texten und dem ein oder anderen Metaleinschlag steht, wird an Gloomster nicht vorbei kommen, wobei dieses Release in der Reihe ihrer bisherigen Veröffentlichungen für mich eher zu den Schwächeren gehört.

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