GLOOMSTER – Abgesang Tape

Alle reden über Sachsen. Chemnitz und Köthen sind in den Medien omnipräsent, als ob es das Problem mit dem wütenden deutschen Mob nur in diesem einen Bundesland geben würde. Doch Thüringen ist genauso braun wie Sachsen. Das habe ich während meiner zwei Jahre in Eisenach am eigenen Leibe erfahren müssen. Nazis gehören hier zum Stadtbild, in der Kneipe am Bahnhof finden eindeutig rechte Konzerte statt und die NPD kann mitten in der Stadt unbehelligt zum Sommerfest mit Bratwurst und Kinderhüpfburg einladen. Die wenigen alternativen Jugendlichen, die sich dem entgegenstellen, haben tagtäglich einen schweren Kampf zu kämpfen, die meisten zieht es nach Schule und Ausbildung gen Leipzig oder Berlin. Die Jungs von Gloomster stellen sich aber gegen diesen Trend, plagen und schlagen sich mit Wutbürgern, urdeutschen Kleingärtnern und Dorfnazis und strecken die antifaschistische Fahne erhobenen Hauptes aus dem braunen Sumpf. Dadurch sind sie in Eisenach auch zu einer Art Anlaufstelle geworden, zu einer letzten Bastion im Kampf gegen die Verrohung der Gesellschaft, gegen Diskriminierung und offen ausgelebten Fremdenhass. Und allein für dieses Engagement verdienen sie Anerkennung, die sie aber nie eingefordert haben. Obwohl sie seit knapp zehn Jahren zusammen Musik machen und schon etliche Tonträger veröffentlicht haben, sind Gloomster extrem bodenständig geblieben, eine Band zum Anfassen, ohne jegliche Allüren, die für einen Solizweck auch in der kleinsten Garage im kleinsten Kuhkaff auftritt, obwohl sie auch problemlos in jedes Punk im Pott oder Ruhrpott Rodeo Lineup passen würden. Und das macht sie sympathisch. Das macht sie wichtig. Was bei vielen Bands ausgelutscht und abgedroschen klingt, knallt hier ehrlich, wütend und angepisst aus den Boxen. Gegen Nazis, Alerta Antifascista, keinen Fußbreit den Faschisten sind vertonte Demoparolen, die bei Gloomster noch gelebt werden. Im echten Leben, nicht vorm PC. Nach Split-EP, LP-only Veröffentlichungen und einem Download-Album kommt das mittlerweile fünfte Album ausschließlich auf Kassette raus, denn auch in der Veröffentlichungspolitik wird klar deutlich, dass die Band nicht nach Absatzzahlen giert oder irgendwelche Verkaufscharts stürmen will. Sämtliche Tonträger wurden bei Freunden der Band releast. Und auch auf Abgesang erwartet dich wieder der typische Gloomster Sound. Ein bisschen Recharge, ein bisschen Rawside, schön kehlig, aggressiv, voll auf die Zwölf mit recht einfachen, aber unmissverständlichen Lyrics, die kein Blatt vor den Mund nehmen und die Scheiße beim Namen nennen. Nachdem der zweite Sänger Tannio die Band wieder verlassen hat, füllt nun Phili diese Lücke, wobei er aber nicht ganz an die Ausstrahlung seiner Vorgängers herankommt und für meinen Geschmack auch zu wenig Kontrast zu Julians Gesang mitbringt. Aber das ist nur eine kleine Randnotiz. Gloomster sind sich treu geblieben und haben auch mit Abgesang wieder ein starkes Album abgeliefert. Mit den allerliebsten Grüßen nach Eisenach ihr Kunden.

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