GAFFA – Mach’s gut CD

Diese Band existiert tatsächlich schon seit 24 Jahren. Doch auf meinen Plattenteller haben sie es bis heute nie geschafft. Vielmehr begegneten sie mir auf Flyern und Konzertankündigungen mit furchtbar dilettantischem Artwork und anderen Bands, die ich weder hören noch sehen wollte, also ließ ich GAFFA links liegen. Wenn man dann in einer Band spielt, die PANZERBAND heisst, haben es andere Klebebänder natürlich schwer. Mit Ausnahme von Isolierband natürlich. Mir also eine CD der Stuttgarter Band auf den Rezensionsstapel zu legen ist in etwa so, als würdest du den Tempo-Junior-Chef bitten, seinen Rotz in recycelte Zewa-Küchenrolle zu schnäuzen oder dem jahrelangem Uhu-Schnüffler einen billigen Klebestift von Woolworth unter die Nase hältst. Skepsis und Ablehnung. Die Aufmachung des mittlerweile fünften oder sechsten Albums ist ähnlich dürftig, wie die meisten Flyer auf denen die Band auftaucht. Ein Microsoft Paint Verbrechen ohne Textbeilage Das ist Nix Gut. Und auch auf der beiliegenden Daten-CD befinden sich neben einigen hochauflösenden Bandbildern, einem Anschreiben und einer kurzen Biografie nichts, was mich weiter bringt. Klar ist der Gesang gut zu verstehen und deutlich artikuliert, aber ich finde es immer schöner, wenn ich mir die Texte auch durchlesen kann. Wenn ich mich jetzt aber endlich mal aufs Wesentliche konzentrieren möchte, nämlich die Musik, stelle ich schnell fest, das mir das ganz gut reinläuft und ich tatsächlich deutlich Schlimmeres erwartet habe. Wenn du auf Dritte Wahl, Abstürzende Brieftauben oder Fahnenflucht stehst, darfst du hier gerne mal ein Ohr riskieren. Songs wie „Dieses Land“ oder „Aller außer dich“ hätten in den 90er Jahren problemlos auf einen Schlachtrufe oder Alptraum-Melodie Sampler gepasst. Wenn du deinen Deutschpunk aber ruppiger und mit mehr Aggression magst, solltest du dir lieber mit Gaffa die Ohren zukleben. Mach‘s gut ist wie ein 24 Jahre altes Klebeband. Für kleinere Reparaturen ohne hohe Ansprüche durchaus zu gebrauchen. Der gewissenhafte Deutschpunk greift zu Panzerband.

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