EUPHORIE – Mittelfinger LP

Da treffen sich also drei Freunde, trinken Bier, trinken sehr viel Bier und überlegen, was sie außer Bier trinken noch machen könnten. „Lass ma ne Band gründen“ ruft Felix freudestrahlend in die Runde. „Au ja, ich will aber ne Oi!-Band“ lallt Ludi und muss sich am Tisch festhalten, um nicht umzufallen. „Mir ist alles egal, Hauptsache wir können weiter sehr viel Bier trinken“ mault Frenke und bestellt sich eine neue Mass. „Genau. Oi-Musik und Bier trinken. Das passt. Das machen wir.“ Auch Felix bestellt sich ein neues Getränk um mit Frenke anzustossen. „Prost“. „Jetzt brauchen wir nur noch nen coolen Namen. Wer kennt Wörter mit Oi!?“ „Schoinenthor!“ rülpst Ludi und fällt um. „Broilerkoile. Oi! De Tolette. Moi!sepisse…“ Die Gehirne qualmen, bis Felix die zündende Idee kommt: „Wir nennen uns Oiphorie. Das ist lateinisch, klingt schlau, obwohl wir nicht schlau sind und das fängt mit Oi! an.“ So oder so ähnlich wird es sich in einer dunklen Spelunke im Herzen Münchens vor einiger Zeit zugetragen haben. Doch dann haben Felix, Ludi und Frenke wohl ziemlich enttäuscht festgestellt, dass es schon eine Band mit dem Namen „Oiphorie“ gibt, die feinste Faschomucke spielt. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wieso sie bei diesem dämlichen Bandnamen geblieben sind. Soll das stumpfe Provokation im Stile von Sid Vicious mit Hakenkreuz T-Shirt sein? Da hätten sie sich auch Endstüfe, Werwölf oder Skrudreiwer nennen können. Aber es bleibt bei Euphorie. Zumindest heben sie sich so von etlichen anderen Oi!-Bands ab, die krampfhaft das Oi! in ihren Bandnamen gequetscht haben, vielleicht haben sie aber auch nur Legasthenie. Es ist schade, das mein erster Eindruck so deutlich getrübt ist, denn auch das Artwork und der Plattentitel wirken eher abschreckend und wenig einladend. Musikalisch ist das dann branchenüblicher Oi-Punk. Ufta-Ufta. Bum-Tschak. Der aber tatsächlich Spaß macht, Momente zum Schmunzeln bietet und das Herz am linken Fleck trägt. „Unsere Stadt“ (gegen Yuppies) und „Stück vom Kuchen“ sind sogar kleine Hits. Dabei sind die Songs recht einfach gehalten, damit du sie auch mit 5 Bier intus immer noch problemlos mitgröhlen kannst. Und Ohrwürmer können sie. Mit branchentypischen ambitionierten Texten übers Saufen, gegen Faschos, gegen die Gesellschaft und natürlich gegen die Polizei. Euphorie sind bierschweißgebadeter Bratwurt-Oi!. Das passt nach München, obwohl mit Bier und Bratwurst dort wohl niemand mehr geschockt werden kann. Fehlt eigentlich nur der süße Senf zur bodenständigen Brotzeit. Wenn du bei Oironie oder Oidorno ganz hibbelig und kribbelig wirst, dann solltest du nicht so viel Moisepisse saufen und dir das neue Euphorie-Album besorgen, bei denen am Ende der Bandname das Schlimmste ist.

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