EAT THE BITCH – Desillusioniert CD

Der mir hier vorliegende Silberling ist eine Vorab-CD, die Hamburger Band ist aktuell auf Labelsuche, um diese 11 Songs auch regeljerecht (Stups for president) standesgemäß zu veröffentlichen, denn die gehören eindeutig ins Vinyl geritzt. Lemmy Kilmister hat Ende der 70er im Nobelrestaurant Geldsäcke verspeist, die vier Hamburger machen gute dreissig Jahre später aus den Geldsäcken eine Schlampe, Nutte oder Miststück (Aus „Eat The Rich“ wird „Eat The Bitch“ du Dummdödel) aber die Bedeutung hinter dem Bandnamen bleibt mir verborgen. Vielleicht soll der Begriff wie bei Missy Elliott oder Lady Bitch Ray neu und positiv besetzt werden, vielleicht schmecken Prostituierte auch besonders gut und vielleicht höre ich besser auf mir Gedanken über den Bandnamen zu machen… Aber Namen sind ja auch nur Schall und Rauch und an dieser Stelle soll es um die musikalischen Qualitäten des Hamburger Quartetts gehen, die sich anschicken nach 2 Demos und fünfjährigem Bandbestehen ihren ersten Longplayer ins Rennen zu schicken. Auch wenn es blödsinnig ist die Band auf Sängerin Jona zu reduzieren um somit Quervergleiche zu den ebenfalls aus Hamburg stammenden Ichsucht oder Stahlschwester oder Fucking Angry aus Bonn zu legitimieren, bei denen ebenfalls eine Bitch (in Missy-Elliott-Sprech) ins Mikro brüllt, möchte ich diese Vergleiche lieber mit einer ähnlichen, radikalen und unmissverständlichen Attitüde begründen. Eat The Bitch sind politisch, sozialkritisch, phantastisch, sympathisch, aber auch ein bisschen pessimistisch. Textlich geht es um den Sinn des Lebens, Weltuntergang, die konsumorientierte Gesellschaft, Krieg oder patriotische Idioten. Sicherlich schon oft besungene Themen und sicherlich von vielen auch besser ausformuliert, denn insgesamt wirken die Lyrics oft etwas holprig und zu gewollt ins Reim-Dich-Oder-Ich-Fress-Dich Schema gepresst „Deutschlands beste Regierung seit dem Krieg?! Mir kommt gleich das Kotzen! Fehlt nur noch Heil und Sieg!“ (aus „Armutszeugnis“) oder „Es wird nicht wahrer wenn du schreist. Und dich an anderen vergreifst. Wenn du die Augen fest zupresst. Und dich auf Lügen verlässt.“ (aus „Kopf in den Sand“). Glücklicherweise entsteht dieser Eindruck bloß beim reinen Lesen der Texte, denn Jona hat eine richtig geile angepisste Art und Weise sie hinauszuschreien und variiert dabei auch oft mit Stimmlage, Tempo und Betonung, stellenweise noch durch einen Background-Gesang unterstützt, knallt das dann ganz gewaltig und ist dabei auch noch schön abwechslungsreich. Eat The Bitch bieten mit „Desillusioniert“ die perfekte Mischung aus knalligem Deutschpunk mit aggressivem Hardcorepunk-Einschlag und es wäre doch ein Wunder, wenn die Vier lange auf ein passendes Label warten müssten. Gerade in Hamburg gibt es doch mit Riot Bike Records und Colturshock zwei Label, in dessen Programm Eat The Bitch perfekt passen würden und ich wäre very amused, die elf Songs alsbald auf einer Zwölf Zoll Scheibe wieder zu finden.

EAT THE BITCH: facebook, bandcamp