DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS – Hatepunk CD

Nach einem Blick auf das Frontcover dieses Silberlings hab ich Schlimmstes befürchtet. Unleserlicher Bandschriftzug a la beliebige Deathmetal-Kapelle und spartanisches und liebloses Artwork, von der Aufmachung erinnert diese Scheibe an dürftige Kost aus dem Hause Nix Gut, aber sie kostet auch nur nen Heiermann. Musikalisch rumpeln sich die fünf Hamburger auf ihrer zweiten Veröffentlichung durch insgesamt zwölf Lieder (plus vier Bonustracks), mal mit deutschen, mal mit englischen Texten. Um aus der schier unendlichen Flut an Releases herauszustechen fehlt ihnen aber das gewisse Etwas, doch diese Band legt es auch nicht darauf an groß raus zu kommen, das nächste Cover des Ox oder Intro zu zieren oder zur besten Sendezeit auf Punk im Pott oder Ruhrpott-Rodeo zu spielen. Die desillusionierten Mutterficker gehören in ein ranziges Kellerloch, in ein schimmliges AZ oder den versifften Wagenplatz. Direkt im ersten Song „Tales Of Terror“ raten sie von übermäßigem und unkontrolliertem Drogenkonsum ab und äußern sich auch ansonsten in den Texten größtenteils sehr kritisch und politisch. Hier ist eine Band am Werke, die sich nicht stundenlang im Proberaum einschließt und mit dem besten Equipment über das Sterben der Bauwagenplätze singt, obwohl sie einzig Peter Lustigs blauen Bauwagen aus dem Nachmittagsprogramm kennen. Die sind ehrlich abgefuckt, arbeitslos und angepisst. Mit „Elbdisharmonie“, einem geilen Statement gegen Hamburg und „Menschenzoo“, einem geilen Statement gegen Menschen sind ihnen auch zwei echt coole Texte gelungen, denn gerade die deutschen Songs stehen ihnen deutlich besser zu Gesicht. Im Song „The Charles Bukowski Experience“ geht es um eine Junkie-Prostituierte, angelehnt an den Film „Leaving Las Vegas“ mit Nicolas Cage doch drücken sie sich hier irgendwie undeutlich und unvorteilhaft aus, so dass ich am Ende nicht weiss, was sie mir mit diesem Text sagen wollen. Ein paar Songs weiter wird der IS mit der SS gleichgesetzt… „Nazi-like Islamist scum, fulfils what Hitler hasn’t done“ und auch dieser Text wirkt irgendwie unausgereift und vor allem stark verkürzt. Musikalisch ist das solide Kost mit wenig Abwechslung, klassischer Hardcore-Punk mit Deutschpunk-Einschlag, textlich von wunderlich bis wunderbar und gesanglich könnten die Hamburger auch etwas mehr variieren. Eine Band, die auf jeden Fall ein paar Fragen aufwirft, aneckt, ungemütlich aber dennoch erdig ist und diese Kombination ist mir tausendmal lieber als irgendeine weichgespülte Rotze, die auf den Titelbilder von Ox oder Intro zu sehen ist. Ich würde sie mit den ebenfalls in Hamburg sesshaften Crass Defected Character vergleichen wollen, Bands, die es gibt (und es ist gut, dass es sie gibt), von denen man aber kaum etwas mitbekommt, außer man geht zeitig zum Casualties-Gig, um sich auch die Vorbands anzugucken.

DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS: facebook, bandcamp