Die Geschichte des Human Parasit Fanzines

In ähnlicher Form abgedruckt in Human Parasit #10, wie die Geschichte nach der #10 weitergeht wirst du wohl erst in Ausgabe #20 erfahren…

AUSGABE 1

humanparasit1Das Jahr 3 nach dem Millennium. Alle Computer haben überlebt und nicht wie in Terminator 2 die Herrschaft über den Planeten übernommen und Bayern München ist schon wieder Deutscher Fußballmeister geworden. Das Dosenpfand tritt in Kraft während in Bagdad zum dritten Male die Sirenen heulen und Michael Jackson wegen Kindesmissbrauch in den Bau wandern soll. Ich wohne noch bei Mama und Papa daheim und verbringe meine Freizeit, von der ich eine ganze Menge habe, zusammen mit Olli beim Saufen auf Konzerten, beim Saufen auf dem Minigolfplatz oder beim Saufen vor der Playstation. Ich weiss nicht mehr wie die Idee entstand, aber ein eigenes Fanzine sollte her und uns aus der stumpfen Lethargie reissen. Während wir überlegten, wie wir unser ungeborenes Baby denn taufen sollten, lief die zweite Scheibe der Shocks in Endlosschleife und so entstand der Name Human Parasit. Tatkräftige Unterstützung erhielten wir am Anfang auch von Ninne, die ich regelmäßig in Köln besuchte. In nur zwei Wochen hatten wir genügend Material zusammengetragen und dürftig auf Papier gebracht um die Fanzinelandschaft gehörig umzukrempeln. Dachten wir zumindest. Im Endeffekt mussten wir recht schnell ernüchternd feststellen, dass die Punkerwelt nicht auf unsere geistigen Ergüsse gewartet hatte und das Geld lieber sinnvoll in Bierkannen investierte, als uns die 1,50 in die gierigen Rachen zu werfen.

Human Parasit Ausgabe 1 umfasst 40 Seiten und wurde 300 mal im Copyshop in Mönchengladbach kopiert und getackert. Das Frontcover zeigt ein selbst geschossenes Foto irgendwo in der Pampa zwischen Erkelenz und Aachen bei einem nachmittäglichem Umtrunk, in dessen Verlauf mir völlig unbekannte Aachener Punx zu sechst auf einen kleinen alleinstehenden Baum klettern wollten. Der erste je von mir verfasste Bericht ist die Schilderung eines Konzertes von Use To Abuse im Moerser Südring. Zusammen mit Ulli hab ich ne Menge Bier getrunken während die Kassierer aus dem tragbaren Kassettenrekorder plärrten. Es ging auch um eine Frau, die alle ficken wollten, aber letztendlich sind wir irgendwo an einer Bushaltestelle in Duisburg eingeschlafen. Oh Mann, zu dieser Zeit hab ich regelmäßig in Bahnhofshallen oder Fluren von offen stehenden Mehrfamilienhäusern in Bahnhofsnähe genächtigt, weil der letzte Zug schon lange abgefahren war. An einem Winterabend hab ich mal zusammen mit Olli und Kevin in einem Zwischenflur gepennt und auf dem kalten Fliesenboden mächtig gefroren. Am nächsten Morgen haben wir dann entdeckt, dass eine Treppe tiefer ein Riesenheizkörper mit Teppich davor nur auf uns gewartet hätte. Aber zurück zum Heft. Das beinhaltet en Gros Konzertberichte, die sich vorrangig mit dem vernichteten Alkoholvorrat als mit den musizierenden Bands beschäftigen. Das war eine Zeit, in der ich locker drei bis vier Liter Bier an einem Konzertabend bewältigt habe und da es auch öfter vor kam, dass wir drei bis viermal in der Woche auf ein Konzert fuhren, kam da am Ende schon was zusammen. Die Folge waren knapp 100 Kilo auf der Waage, ein extrem aufgedunsenes Gesicht und mächtig Probleme mit zu fettiger Haut vor allem im Gesicht. Da half kein Clearasil, da half nur weitersaufen. Es finden sich auch zwei Interviews im ersten Human Parasit. Zum einen die völlig chaotisch gelayoutete Befragung mit den Aachenern Nazi Dogs, die sich gerade erst formiert hatten und aus der Asche der Blowjobs entstanden waren. Es ging um Punk und Provokation und unlustiges Eierkraulen. Getroffen haben wir uns für dieses Interview in der winzig kleinen Herrentoilette des Wild Rover Pubs und ich erinnere mich noch daran, dass es kein Leichtes war, die Gesprächsfetzen auf dem Diktiergerät den jeweiligen Personen zuzuordnen und sinnvoll aneinanderzureihen. Für die Hintergrundbilder hab ich mir extra am Kiosk ein Hundecomic gekauft. Das zweite Interview hab ich an Papas Computer mithilfe des immer besser werdenden Internets mit Stefan, dem Sänger von 2Lhud, geführt. Ein für mich sehr interessantes Frage- und Antwortspielchen, da mich Stefans Vorgängerband 1.Mai’87 damals in die große Punkerwelt eingeführt hat. Der kam nämlich auch aus Erkelenz und irgendwann 1996 oder 1997 fand mein erstes Konzert im Wassenberger Jugendcafé statt. Wir hatten also schon ein paar Themen, über die wir plaudern konnten und auch im Nachhinein empfinde ich dieses Interview mit kleinen Ausnahmen immer noch als recht gelungen.

Die Reviews im Heft sind nichtssagend und handgeschrieben, die erste Pascow LP erschien genauso wie die erste Scheibe von Heimatglück und Wir sind Helden und wurden allesamt als gut empfunden. Sehe ich heute immer noch genauso. Tiefpunkte dieser Ausgabe sind wohl der Schlüsselloch-Bericht, in dem ich meine mir nicht ganz klaren Gefühle gegenüber Ninne feige auf Papier gebracht habe und die dämliche Medizin-Kolumne ganz am Ende, in der es um Sodbrennen geht. Den Text hab ich aus einer Apothekenrundschau geklaut und nur leicht modifiziert. Total unlustig.

Von Anfang an war klar, dass neben Musik und persönlichen Erlebnissen auch die Politik ein Thema im Heft sein soll. Für dieses Ressort zeichnete sich Olli verantwortlich, der neben Artikeln über Neonazis in Mönchengladbach und einem Nachruf auf den niederländischen Nazi Pim Fortuyn noch mit einer furchtbaren Drogengeschichte aufwartete. Ninne war da eher für den persönlichen und sozialkritischen Aspekt zuständig und ihre Artikel sind auch die einzigen im Human Parasit, die nicht von mir gelayoutet wurden. Gutes Stichwort: Das Layout ist total chaotisch, die Schrifttypen ändern sich andauernd, Seitenränder sind abgeschnitten und oft ist alles so wirr und durcheinander aufs Papier gebracht, dass der Lesefluss erst gar nicht aufkommen will. Teilweise ist es echt anstrengend die Buchstaben und Wörter in sinnige Zusammenhänge zu bringen. Müsste ich heute dieses Heft reviewen, würde mein Fazit wohl wie folgt aussehen: Mäßiges Debüt von einer trinkfreudigen Truppe vom linken Niederrhein. Sie erleben viel und lassen andere daran teilhaben. Der Alkohol steht aber viel zu sehr im Vordergrund und vernebelt eine vernünftige Sicht auf die wirklich wichtigen Themen an zu vielen Stellen. Das Layout ist ein Verbrechen.

Diese Ausgabe wurde aber dennoch fleißig auf Konzerten unter die Massen gebracht, so dass es nicht lange dauerte, bis der Stapel von einstmals 300 Heften beträchtlich schwand und recht schnell nur noch ein Heft für mich und eins für Olli übrig blieb. Ein Anfang war gemacht und Pläne und Ideen für die nächste Ausgabe waren schon zuhauf vorhanden. Es sollte weitergehen, und zwar schnell und da ließen wir uns auch von keinem schlechten Review entmutigen…

Falk Fatal schrieb in seinem dritten gestreckten Mittelfinger: „Neues Zine vom Niederrhein. Ist ganz nett, kann mich aber nicht wirklich vom Hocker hauen. (…) Ist auch noch sehr dünn das Heft, aber aller Anfang ist schwer, und dafür ist das schon ganz gut.“

In der Orgie stand geschrieben „Hört endlich auf über Punk zu philosophieren, oder ich zünd euch die Iros an! Dieses Gelaber ist höchstens für 13-jährige ein Abenteuer.“

Mario vom Smarten Mistkerl schrieb in seiner zweiten Ausgabe :“…ist für ne Debütausgabe relativ gelungen. Dat Layout ist schnipselig, dat Cover in nem hässlichen Grün gehalten (…). Das Heft ist schön persönlich und man kann förmlich dat Engagement der Schreiber fühlen. Kleiner Kritikpunkt ist noch der Preis, ich finde 1,50 für 40 Seiten nen bißchen happig (…)“

Und das Bundschuhfanzine läutete den offiziellen Fanzinekrieg mit seinem Review über die Erstausgabe des Human Parasit ein: „Neues Zine aus M’Gladbach, eigentlich nicht schlecht, man merkt den Machern aber das ziemlich junge Alter doch etwas an. Teilweise ein bisschen pubertär und kindisch sind aber gute Ansätze vorhanden, z.B. der Bericht über Veganer, die in Nordkanada versuchen Maispflanzen zu züchten, die nach Rindfleisch schmecken oder ein Interview mit den Jacob Sisters, an deren Musik gerade „Prinz Bäppi“ einen Narren gefressen hat. Nicht so mein Fall war das Layout, steriler Computerlook mit Blumen-, Elfen- und Jesusbildchen. Naja, Kopf hoch, das wird noch!“

Das sollte natürlich eine gepfefferte Revanche nach sich ziehen, die sich wie ein roter Faden durch die zweite Ausgabe zog…

AUSGABE 2

humanparasit2Die zweite Ausgabe erschien dann auch tatsächlich nur gute drei Monate später im März des Jahres 2004. In diesem Jahr treten Horst Köhler und Vladimir Putin ihre Ämter an, die Al-Quaida sorgt für internationalen Terror und Rudi Völler legt sein Amt als Fußballnationaltrainer nach dem Vorrundenaus gegen Tschechien nieder. Ich wohne immer noch im beschaulichen Erkelenz bei Mama und Papa und gehe einem Teilzeitjob beim Sonderpostenmarkt Thomas Philipps nach. Schon während meiner unrühmlichen Studienzeit, 4 Semester Sonderpädagogik, habe ich dort als Aushilfe nebenbei gejobbt. Nach zwei Jahren an der Fachhochschule in Köln und den fehlenden Scheinen und Studiennachweisen versiegte der Bafögstrom und es trieb mich tiefer in den Einzelhandel. Eine vor allem für meine Eltern sehr unbefriedigende Situation, mit 24 Jahren irgendwie in der Luft zu hängen und anstatt Rentenvorsorge zu betreiben biertrinkenderweise durch die Weltgeschichte zu reisen. Und gereist bin ich in der Zeit viel. Zwar lag das Ruhrgebiet mit seinen mannigfaltigen Ausgehmöglichkeiten direkt vor der Tür, Aachen, Köln oder Düsseldorf waren nur einen Katzenwurf weit entfernt, doch zog es Olli, mich und unsere neu gefundenen Freunde vom Bundschuh-Fanzine in die Ferne. Wie jetzt? Neue Freunde? Ich denk Fanzinekrieg… Der war von vornherein abgekartet und geplant, eine große Finte um mit großem Tamtam die Friedenspfeife in einer Split-Ausgabe zu rauchen.

Die zweite Ausgabe umfasste schon ganze 68 Seiten und wurde wieder 300 mal im altbekannten Copyshop vervielfältigt. Hier zeugen etliche Artikel von dieser blöden Idee Fanzinekrieg, die außer Olli und mir schon lange niemand mehr lustig fand. In fiktiven Berichten über die Bundschuh-Häuptlinge Toxo, Ossi und Danny, die jetzt die illustre Punkmusikgruppe T.O.D. bilden, wurde fleißig gewettert, gelogen und gelästert, dass sich die Balken gebogen haben. Das war teilweise wirklich unterste Schublade und hatte mit Witz und Humor etwa so viel gemeinsam wie Mario Barth es hat. Auch im Internet wurde dieser Feldzug ausgetragen, so kursierten Anmeldungen bei Wahre Liebe.de oder dem Schönheitsbarometer und Toxo hatte sich in die im Aufbau befindliche Human Parasit Seite gehackt. Eine Seite, die bis vor wenigen Monaten immer noch im Internet herum geisterte und von meinem neu gefundenen Freund Michi ins Leben gerufen wurde. Außer einem Startbildschirm kam da leider nichts mehr, aber Michi verdingte sich von nun an auch als freier Redakteur und beglückte die Leser mit seinen sehr bissigen Bemerkungen auf dem Punk im Pott Festival. Diese bissige und etwas herablassende Art prägte sich bei ihm dann immer stärker aus und gipfelte noch Jahre später in wüsten Beschimpfungen des eigenen Publikums bei NeinNeinNein-Auftritten. Ein Choleriker vor dem Herrn, den ich übrigens in der Mönchengladbacher Hölle kennen lernte. Ein recht ranziger Schuppen in der Altstadt direkt neben dem einzigen Plattenladen Nightmare Records, der tatsächlich immer noch existiert. In der Hölle begann ich meine Konzertveranstalterkarriere und ließ lokale Knalltüten vor lokalem Publikum aufspielen, u.a. auch Unsere Welt Eskaliert, bei denen Michi mitmischte. So kam eins zum anderen und langsam aber sicher verdränge er Olli als Bäppi’s My New Best Friend Forever. Besagter Olli lieferte in der zweiten Ausgabe zwei Erlebnisberichte von Demonstrationen in Hamburg und München ab und versuchte sich an einem kurzen Konzertbericht. Die Fahrt nach Hamburg zu einer der berüchtigten Bambule-Demos hatten wir gemeinsam mit einem Kumpel und dessen Kleinwagen unternommen und die Fahrt, der Aufenthalt und insbesondere der Weg zurück, glichen einer wahren Tortur. Auf der Hinfahrt gab es noch einen Abstecher ins Blumengeschäft in Buxtehude, in Hamburg angekommen hieß es auch gleich demonstrieren. Ich hatte einen furchtbaren Furunkel am Oberschenkel, der jede Bewegung zur Qual werden ließ. Und bewegt haben wir uns ganz schön viel. Nach der Demo konnte ich mich dann endlich in einem mickrigen WG-Klo meinem unliebsamen Begleiter widmen und verschmierte große Teile der Einrichtung mit einer teuflischen Mixtur aus Eiter und Blut. Mit Sekundenschlaf am Steuer und lustigem von rechts nach links schlenkern auf der Autobahn ging es dann nach Hause und ich war heilfroh, diesen Höllentrip und den Furunkel hinter mir gelassen zu haben.

Und noch zwei weitere Menschen gaben ihr Debüt als Mitschreiber. Zum einem Marcel, dem ich vor allem in der folgenden Zeit eine Unmenge zu verdanken haben werde und Ossi, der einen kaputt gelayouteten Artikel aus dem Bundschuh auf einer Seite gerade biegen durfte. Marcel kannte ich schon eine ganze Zeit lang, da er in seiner Jugend die Gitarre bei Commerzkrank bediente, eine Band aus der Nähe von Erkelenz, die maßgeblich an meiner Punk-Sozialisation beteiligt gewesen ist. Nun wohnt der gute Mann in Köln und bot stets eine angenehme Bleibe bei Besuchen in der Domstadt.

Reviews gibt es im Heft nur noch eine Handvoll und sie sind immer noch handgeschrieben und zumeist nichtssagend. Neben Verrissen der aktuellen UK Subs und Oiro Outputs wird u.a. die neue Lost World Scheibe „Everythings Said“ oder die Bubonix Picture 7“ mit dem Prädikat sehr wertvoll versehen. Besonders letztgenannte Single beherbergt meinen absoluten All-Time Favorite „Never Forget“ – ein Gänsehautsong, den ich all die Jahre regelmäßig auflege und Gänsehaut bekomme, weil es ein Gänsehautsong ist, wie ich schon erwähnte.

Die Interviews dieser Ausgabe entstanden alle am PC und wurden per Email geführt. Da ich immer noch keinen eigenen Rechner besaß geschah dies alles an Papas PC und vorzugsweise zwischen Frühstück und Abendbrot. Wenn Papa zuhause war, war Computerzeit für Philipp vorbei. Aber zurück zu den Interviews. Die Wortwechsel mit Heimatglück und Tor Johnson waren doch sehr ungewöhnlich, weil sie sich meilenweit von den gewöhnlichen Standardfragen weg bewegten, allerdings recht häufig einen dämlichen Pennälerhumor durchblicken ließen. So wurden Coco und Jana nach einem unmoralischen Angebot gefragt und von Tor Johnson wollte ich wissen, ob sie Aktaufnahmen machen würden… oh Mann… Es folgte noch ein kurzes Intermezzo mit den Niederländern von Disturbance, deren Song „Fuck Politics“ mir sauer aufgestoßen war und ein zaghaftes politisches Bewusstsein weckte. Doch die Jungs konnten sich recht gut erklären, so dass sogar ich und mein Schulenglisch am Ende zufrieden vor Freude Eierkuchen verspeisten. Zwei Highlights verbergen sich in der Nr.2. Zum einen das Interview mit den Giessenern Pestpocken, die zu dieser Zeit noch als arrogante Poserpunks galten, das drei Fragen umfasst und nur einen einzigen Satz als Antwort von Sänger Danny, nämlich ob das Interview ein Witz sein solle… hach, ich fand das sehr witzig, vor allem als wir in Hanau einem sehr stylischen Punker ein Heft verkauften, er das Pestpockeninterview aufschlug, eine halbe Minute stirnrunzelnd verharrte und dann das Heft auf den Boden schmiss. Der nächste große Aufreger folgt dann zum Ende des Heftes mit der großen „Die Parasiten – Enthüllungsstory“ die wiedermal vor infantilen und infamen Lügengeschichten strotzt. Ich weiß grad gar nicht, ob jemals ein Mädel der unsäglichen Rockformation „Die Parasiten“ diesen Bericht gelesen hat, ist aber wahrscheinlich auch besser so.

Wenn ich so zurückblicke und sehe, mit was für einem Blödsinn ich mir damals meine Zeit vertrieben habe, da kann ich heute nur mit dem Kopf schütteln, aber genau dazu ist dieses Fanzine ja auch da, schließlich beinhaltet es immer Momentaufnahmen meines Lebens und Denkens und ich entwickle gerade sehr viel Spaß daran, die alten Schinken nochmal durchzublättern und die ein oder andere lustige Anekdote Revue passieren zu lassen.

Doch auch auf politischer Ebene werden aktuelle Entwicklungen aufgenommen und kommentiert. So geht es hier um das Palituch und die neue Strömung in der Linken, die Antideutschen. Sie werden etwas genauer von Olli unter die Lupe genommen. Es geht unter anderem um die Deutschquote im Radio und das Conne Island in Leipzig und seinen Zwist mit den Hamburgern von Slime. Aber alles arg an der Oberfläche kratzend und an vielen Stellen Halbwissen anderer zitierend.

Das Layout ist aber ein kleines bisschen besser geworden als beim Vorgänger. Immer noch habe ich alle Texte mit Word verfasst, dann ausgedruckt und geschnibbelt, geklebt und mit Edding umrandet. Leider leidet die Lesbarkeit an einigen Stellen doch deutlich unter dem chaotischen Wirrwarr, manche Sachen kann man gar nicht lesen, weil weiße Schrift auf grauem Grund sich nicht verträgt. Ein Artikel von Ninne ist sogar doppelt im Heft und das Problem mit den wegkopierten Rändern und Absätzen ist immer noch nicht zufriedenstellend gelöst.

Das Cover zeigt einen Bettler in den Straßen von New York, der ganz offen zugibt, dass er das erschnorrte Geld in Bier umsetzen wird. Leider ist durch die mehr als mäßige Kopierqualität fast nichts mehr davon zu erkennen. Doch das soll sich in der nächsten Ausgabe ändern…

AUSGABE 3

humanparasit3Und Ausgabe drei erscheint im Sommer des Jahres 2004, in dem u.a. beschlossen wird, dass Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe ab dem Januar des nächsten Jahres zusammengelegt werden und unter dem schönen Namen Hartz 4 für noch sehr viel Furore sorgen werden. Otto Rehagel gewinnt mit den defensiven Griechen die Europameisterschaft und Jan Ullrich zieht erneut den kürzeren gegen Lance Armstrong. Obwohl die dritte Ausgabe nur drei Monate nach der zweiten folgt, hätte sie wohl gute 4 Wochen eher erscheinen können, wenn die Bundschuhkollegen nicht so faule Säcke gewesen wären. Es handelt sich um eine Split-Ausgabe, die zu dieser Zeit nicht unüblich im Fanzinesektor gewesen ist. Ich hab übrigens schon seit einer halben Ewigkeit kein Split-Fanzine mehr in den Fingern gehabt. Ist das out? Mit dem gestreckten Mittelfinger sollte auch mal ein gemeinschaftliches Heft erscheinen und das Berliner Wurstbrot hatte ebenfalls Interesse angekündigt. Das roch nach einer ganzen Split-Reihe mit Human Parasit Beteiligung, aber wie so viele Pläne aus dieser Zeit wurde davon nichts verwirklicht. Beide Parteien teilten sich die 52 Seiten, die Auflage blieb bei 300 Heften. Nur der Copyshop in der Bismarckstrasse wurde fortan gemieden, obwohl die folgende Lösung keineswegs das Gelbe vom Ei gewesen war. Eher das graue vom Ei, da alle Seiten mit einem recht auffälligen Grauschleier überzogen waren. Irgendjemand aus dem Bundschuh-Umfeld kannte irgendjemand, der das Heft für günstig drucken wollte. Und da günstig oberste Prämisse war, nahm das Elend seinen Lauf. Das war echt sehr ärgerlich, zumal ich mir beim Layout dieses Mal sehr viel Mühe gegeben hatte und alles sehr akribisch ausgeschnitten, wieder aufgeklebt, verkleinert, vergrößert und wieder ausgeschnitten und aufgeklebt hatte. Zumindest fehlten dieses Mal keine Wörter, die schnörkeligen Schriften wurden nicht mehr benutzt und im Gesamten verbesserte sich der Lesefluss doch erheblich. Nur das blöde Grau trübte den Gesamteindruck und natürlich das dilettantische Layout auf der Bundschuh-Seite. Beide Hefte hatten ein Cover und erreichte man die Mitte des Heftes, musste man das Ding umdrehen und wieder von vorne anfangen, sofern man nicht von hinten nach vorne und auf dem Kopf verdreht lesen wollte.

In der Heftmitte befindet sich eine ganzseitige Werbeanzeige für Buttons. Für das Abdrucken dieser Anzeige bekamen wir jeder 100 Buttons vom Herrn Meineid, von denen ich tatsächlich noch ein paar Exemplare besitze. Meine ersten selbst gemachten Buttons, potthässlich und mit viel zu kleiner Schrift, so dass man auch bei genauerem Hinsehen kaum etwas erkennen konnte. Passte zumindest zum Grauschleier im Heft.

Von der Thematik ein recht interessantes Heft, wie ich auch heute noch finde. Olli hat tief in die Geschichtskiste gegriffen und Interessantes über die schwarze Fahne hervor gezaubert, Ninne startet eine Reihe im Human Parasit mit dem ersten Teil eines Kickertestes. Von diesem Sport bin ich angefixt. Leider gab es in meiner unmittelbaren Umgebung kaum die Möglichkeit des Tischfußballs und es zog uns auch eher auf den Minigolfplatz, aber kickern wurde zu einem festen Bestandteil meiner wochenendlichen Abendbeschäftigung. Gegen Ninne zu spielen machte aber kein Spaß.

Des weiteren gibt es diverse Erlebnisberichte von hier und dort. Eine Verrottungsfahrt nach Nürnberg zum Beat Em Down Festival wird genauestens protokolliert und auch meine Geburtstagsparty im Ketteler Hof wird gebührend abgehandelt. Das war echt ein geiler Tag. Montag früh, Ulli kommt mich abholen und erste Flaschen werden von Kronkorken befreit. Am ersten Bahnhof wächst unsere Gruppe bis wir irgendwann in den frühen Mittagsstunden mit einem recht ansehnlichen Grüppchen im hintersten Winkel von NRW den Freizeit- und Vergnügungspark Ketteler Hof entern. Im Gepäck jede Menge Bier und Grillgut und so wird es schnell ein ausgelassener Feiertag, bei dem die Mamas ihre Kinder in Sicherheit bringen, weil der grölende Haufen ein Kettcar-Rennen veranstaltet und allerhand Unfug im Sinne hat. Ich hab übrigens extra für diesen Tag die furchtbarste Frisur meines Lebens aufgelegt. Zuerst Iro in der Mitte mit rechts und links Iro daneben. Dann im Iro in der Mitte Lücken rein rasiert, so dasse besser Spikes machen kannst, die dann auch wegrasiert, so dass ich an diesem meinen Ehrentage aussah wie eine furchtbar schlechte Kopie des Prodegy Sängers. Welch ein Verbrechen,

Dieses Haarmassaker wurde nur einmal getoppt, als ich mir Jahre später selber die Haare zur Hälfte geschnitten hatte, dann aber zur Mitfahrgelegenheit musste und alles gut unter der großen Wollmütze versteckte. Als Ina mir dann 8 Stunden später die Mütze vom Kopf zog hat sie mich 5 Minuten lang ausgelacht.

Um den Gedanken der Splitausgabe noch etwas zu vertiefen trafen wir uns eines Tages am Bahnhof von Recklinghausen mit den Bundschuhen Toxo, Ossi und Danny, um im Proberaum der Deutschpunker Restbestand ein gemeinsames Interview mit den Herren Musikanten zu führen. Die Fragen überlegten wir uns auf dem Fußweg, den wir zusammen mit einer prall gefüllten Kiste Hansa-Pils bestritten. Restbestand hatten sich gerade in Kaput Krauts umbenannt und waren auf unsere gut recherchierten Fragen nicht vorbereitet. Das Ergebnis war dann Nonsens hoch drei, aber Spaß hatten alle Beteiligten daran.

Die Reviews im Heft sind nicht mehr handgeschrieben und gewinnen langsam aber sicher an Qualität. Mit Sicherheit trägt mein recht hoher Konsum an anderen Heften dazu bei, denn seit dem ersten Human Parasit hat mich der Fanzinevirus gepackt und ich versuche jedes Fanzine in die Finger zu bekommen, dass mir irgendwo begegnet. Der erste Blick bei anderen Heften gilt immer der Review-Abteilung und ich bin jedes mal zutiefst entzückt, wenn der Parasit eine gute Kritik erntet. Mithilfe des Internets finden erste Tauschaktionen statt und gerade dadurch entwickeln sich viele Kontakte in ganz Deutschland, von denen einige soweit intensiviert werden, dass in naher Zukunft echte Freundschaften wachsen. Falk aus Wiesbaden hab ich z.B. so kennen und lieben gelernt. Auch Rohrpost-Torben oder Proud To Be Jan lerne ich kennen, deren zweite bzw. dritte Ausgabe hier besprochen wird. Die Entwicklung dieser Hefte zu verfolgen, die ungefähr zeitgleich mit dem Human Parasit gestartet sind ist echt spannend, zumal sich alle Drei in der sehr kurzlebigen Fanzinelandschaft gehalten und etabliert haben, wenn ich das mal hier so schreiben darf. Jan wird zwar in zwei Jahren mehr Ausgaben veröffentlicht haben als Torben und ich zusammen, aber ich denke doch, dass wir alle noch eine Zeit am Ball bleiben werden.

Es werden nur 15 Tonträger besprochen, weil mir auch schon damals wichtig war, diesen Fanzinestandards nicht zu viel Platz einzuräumen. Dean Dirg bringen ihre Debut-LP raus und das Punkcore-Label kriegt verdiente Seitenhiebe ab. Ich hab schon lange nix mehr von dem Label gehört und gerade gesehen, dass es das gar nicht mehr gibt. Na denn, gibt’s wohl kein SS-Kaliert Album auf Punkcore…

Das Cover dieser Ausgabe hat…. ja kacke, wie hiess der denn noch gleich? Ich hab hier zuhause ein seltenes Fehlexemplar dieser Auflage, in der im Vorwort die Hälfte fehlt weil da irgendeiner in der Druckerei geschludert hat und es fehlt ganz genau dieser Name im Satz. Da hat doch der Teufel seine Finger im Spiel… jedenfalls ist es eine Tuschezeichnung, die den passenden Untertitel „Gehirnzellenmassaker“ trägt. Ich hab den Kerl auch nie wieder gesehen und werde jetzt wohl niemals raus finden, wie sein Name war.

Der Bundschuhanteil dieser Splitausgabe setzt sich fast vollständig aus einem ellenlangen Shocks-Interview zusammen, dass Mischka Mayonnaise (jaja, der vom Voice Of Culture Fanzine) geführt hat und ganz eindeutig des Rahmen dieses halben Heftes sprengt. Die Rezensionen zu unserem Machwerk werden aber immer besser:

Herr Frick schreibt in seinem Superklaus: „Im Human Parasit gibt es neben Besprechungen aller Art, Fußballberichten und so auch einen Artikel über die Vorgeschichte des Anarchismus sowie einen amüsanten Bericht über die sogenannte Verrottungstour nach Nürnberg, über die ich auch schon im Plastic Bomb gelesen habe. (…)“

Gerrit aus Berlin hat mal das Wurstbrot-Fanzine gemacht und folgendes verzapft: „Lange lange hab ich das Heft mit mir rumgetragen. Schön zerfleddert und ausgelesen liegt es nun vor mir. Und mein endgültiges Urteil umfasst nur ein Wort: Geil! Das Heft ist schön gemacht, viel Schnippsel, abwechslungsreicher Inhalt und durch die Splitausgabe auch mal etwas neues. Zine im Zine, eine nette Idee. (…) Im großen und ganzen ein geiles Heft das man sich ruhig mal zulegen sollte.“

Aus dem Berliner Voice Of Cultur kommt folgende Meldung: „(…) Aber zum Heft: Ein wenig chaotisch das Ganze. Aber trotz Kopierens noch einigermaßen angenehm zu lesen. Für die Augen. Neben den üblichen Geschichten wie Reviews, Konzertberichte usw. gibt es, von beiden Seiten in etwa gleich viel, Persönliches und sogar Lyrisches. Nicht schlecht gemacht. (…) Alles in allem tolles Zine.“ – und toll sollte es weiter gehen. Mehr dazu im nächsten Teil des großen Rückblicks!

AUSGABE 4

humanparasit4Auch die vierte Ausgabe erscheint noch im Herbst des Jahres 2004. In diesem Jahr erhöht die Bundeswehr ihre Frauenquote auf 15% und ich frage mich heute mehr denn je, wer überhaupt mit oder ohne Glied Mitglied in diesem Verein werden will. Die zweite Pisa-Studie endet wieder fatal für Deutschland und ruft unzählige Diskussionen über den Bildungsstand im Land hervor und George W. Bush gewinnt die Präsidentschaftswahlen mit 51% der Stimmen dann doch deutlicher als erwartet. Drei Ausgaben in einem Jahr, das zeugt von hoher Priorität in der Freizeitgestaltung und tatsächlich frisst die Arbeit am Heft einen Großteil des Feierabends und der Wochenenden. Bei mir ist alles beim Alten geblieben, immer noch Erkelenz und immer noch Sonderpostenmarkt und immer noch unbegrenzter Enthusiasmus beim Erstellen des Human Parasits. Obwohl in diesen Zeiten ein großes anderes Vergnügen immer mehr in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit gerät. Die holde Weiblichkeit hält Einzug in mein Leben und mich doch das ein oder andere Male davon ab, die Zeit zuhause vor Papas Computer zu vertendeln. Die bis dato politischste Ausgabe ist stark geprägt vom Präsidentschaftswahlkampf in den USA und bietet dennoch wieder eine Vielzahl an Erlebnisberichten. Sogar zwei aus Peine, wo ich bei meinem zweiten Besuch das Herz verlor. Wir unterhielten uns über Sex And The City und hätten beinahe Sex In The Kornfeld gehabt, in das zuvor schon etliche voller Punkerblasen entleert wurden. So widmete ich dann das vierte Vorwort meiner neuen Leidenschaft, besuchte sie so oft es eben ging in ihrer Wohnung in Köln, schlief sogar eines Nachts vor ihrer Haustür, weil sie nicht da war, schaffte es aber trotzdem nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. So wich die anfängliche Begeisterung schnell ernüchternder Trauer, die widerrum in jeder Menge Bier ertränkt wurde. So wirklich mitgenommen hatte mich das am Ende nicht,

Schließlich waren mir solche Gefühle noch recht neu und einordnen konnte ich sie auch nicht wirklich. So verloren wir uns sehr schnell wieder aus den Augen und einzig und allein meiner ersten Masters Of The Universe Hörspielkassette heule ich gelegentlich noch nach, die ich in ihrem Tapedeck vergessen hatte. Aber für mich stand ab diesem Zeitpunkt fest, dass ich mich aktiv auf die Suche nach einem Deckel für meinen hübschen Topf begeben werde.

Aber noch einmal zurück zum politischen Anspruch des Heftes. Der Zweikampf zwischen George W. und John F. nicht Kennedy sondern Kerry überschattete auch die amerikanische Punkszene, die sich auf einmal positionieren musste und mit den Initiativen Punkvoter und Conservative Punks aktiv am Wahlkampf teilnahm. Eine ähnliche Spaltung, wie Antideutsche und Antiimps, die die deutsche Punkszene bald heimsuchen sollte, aber vorerst war der Streit um den Posten des wichtigsten Mannes auf der Welt Thema höchster Aufmerksamkeit und findet sich auch im Heft in etlichen Artikeln und Berichten wieder. Andererseits geht es auch um multinationale Konzerne, die hier am Beispiel Bacardi aufgezeigt werden, die Pingutopia in Köln, in der ich in dieser Zeit sehr viel Zeit verbringe und erste freundschaftliche Bande zu den Jungs von Versus knüpfe, oder auch eine Vorstellung des Buches Autonome in Bewegung.

Vom Mix her ist dies definitiv die abwechslungsreichste Ausgabe, die auf 48 Seiten wieder in der gleichen Druckerei zur Welt kommt, wie das Splitfanzine davor. Vielleicht war es aber auch doch nur ein Kopiergerät bei irgendwem im Keller, da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Der Grauschleier ist ein bisschen gelüftet, dennoch lassen sich etliche Passagen mit weißer Schrift auf schwarzem Grund recht schwierig lesen.

Die Schriftgröße ist immer noch nicht optimal und der Schriftzug vorne auf dem Heft zu chaotisch. Dennoch haben wir die Auflage gleich mal fast verdoppelt und versuchen nun gleich 500 Hefte an den geneigten Leser zu bringen. Erstmals versuche ich auch das Heft diversen Mailordern anzudrehen und will an dieser Stelle mal ein großes Dankeschön an Kink Records, Plastic Bomb und Back To The Boots aussprechen, die von der ersten Ausgabe an mit geholfen haben, das Heft zu vertreiben.

Ein weiterer junger Herr bereichert mit einem Artikel das Heft. Martin aus Krefeld, der mittlerweile in Düsseldorf wohnt und die Drumstix bei den Disasters geschwungen hat. Zu dieser Band besteht eine enge Freundschaft, die mich auch dazu veranlasst, seinen doch eher mäßig interessanten Erlebnisbericht von einer Reise nach England mit ins Heft zu nehmen. Ich bin in diesem Jahr das letzte Mal mit meiner Familie gemeinsam in Urlaub gefahren. Weil Papa nicht fliegen wollte ging es im Familienkombi etliche Kilometer südwärts, bis wir auf der Fähre nach Sardinien landeten. Auf dieser italienischen Insel wäre ich beinahe zur Welt gekommen. Vor guten dreißig Jahren war Papa dort als Flugzeugmechaniker bei der Bundeswehr stationiert und lediglich Mamas Angst vor den italienischen Krankenhäusern verhinderte einen italienischen Pass. Ah, Don Bäppi, Signore Bäppler, welch wunderbar klanghafte Namen. Doch das nur am Rande…

Selbst die medizinische Kolumne gefällt mir auch heute noch, behandelt sie doch ein stets aktuelles und häufig erscheinendes Phänomen. Die Morgenlatte.

Das Coverbild ist einer Paragraf 119 Platte entnommen und wurde auf einem alten Kopier- und Faxgerät auf meiner Arbeit vergrößert und zusammengebastelt. So langsam aber sicher verdrängt der politisch motivierte Hardcorepunk die Weichspülermusik auf meiner Anlage und auch viele internationale Bands stoßen neu in meine Playlist hinzu. Der Horizont erweitert sich langsam…

Zwei von mir immer noch sehr geschätzte Kapellen werden dieses Mal persönlich ausgequescht. In der Kopernikus zu Hannover verabreden wir uns mit der Bilanz und führen ein gut vorbereitetes Interview, dass durch vorbei rauschende Züge und störende Zwischenrufe aus dem Off gelegentliche Störungen beinhaltet. Dennoch ein für den Interviewer höchst zufriedenstellendes Ergebnis, das im Heft, eingebettet in einen langen Erlebnisbericht von der am gleichen Wochenende stattfindenden Gemüseschlacht zwischen Nordstadt und Linden, ganze sieben Seiten füllt. Hier wird der Grundstein für die Beteiligung an der Debut-LP der Bilanz gelegt und etliche weitere Zusammenkünfte, die stets von Spaß und gegenseitigem Interesse geprägt sind, sollen folgen.

Der besten Liveband der Welt, 1982, wird ähnlich tiefschürfend bis aufs Zahnfleisch gebohrt. Im engen Bandbus unterhalten wir uns ein knappes Stündchen vor ihrem Auftritt im AK47, der wie jedes Livekonzert der Bonner Truppe nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Im Sommer 2004 haben die Jungs ein Schiff gechartert, sich als Sex Pistols verkleidet und zusammen mit den Schwarzen Schafen und Popperklopper ein wahres Fest auf dem Rhein zelebriert. Das ich dazu nie einen Bericht geschrieben habe, kann nur an den geklauten Biermarken von Kevin liegen, die einen feuchtfröhlichen Nachmittag in einen pitschnassnochmehrfröhlichen Abend verwandelten.

Die Reviewpolitik im Human Parasit ändert sich mit dieser Ausgabe. Es werden nur noch kleine Veröffentlichungen, DIY Produktionen und Demos besprochen. Zugeschickt bekommen habe ich in der ganzen Zeit eh kaum was, doch wollte ich dem auch von vornherein einen Riegel vorschieben. Mad Butcher und Puke Music haben das bis heute nicht verstanden und nerven mich mit ihren belanglosen Outputs, letztere schicken ihren Kram sogar immer noch an die Adresse meines Papas nach Erkelenz, obwohl von mir in den ganzen 6, 7 Jahren nie eine Rückmeldung gekommen ist. So kann man seine Ressourcen auch verschwenden… jedenfalls erscheinen in dieser Zeit die ersten Aufnahmen von The Bilanz oder Die Italian Stallion, werden ausführlich besprochen und gerne weiter empfohlen. Die Fanzinereviews nehmen erstmals mehr Platz ein als die Tonträgerreviews, da sich mittlerweile ein gut funktionierendes Netzwerk in der Schreiberzunft entwickelt hat, so dass mindestens einmal in der Woche eine neue Ausgabe irgend eines Heftes im Briefkasten landet. Dieser kann nun endlich auch gefunden werden, denn erstmals findet sich die komplette Postanschrift unter dem Vorwort. Eine Internetseite gibt es immer noch nicht, obwohl sich dieses Medium wie ein Lauffeuer verbreitet.

Der Großteil der Interviews und Berichte entstammt meiner Feder, obwohl mit Marcel dieses Mal ganze fünf Personen am Heft mitgewirkt haben. Auch das Layout entsteht immer noch in meinem Kinderzimmer, in dem ich die ausgedruckten Texte und Hintergrundbilder ausschneide, arrangiere, wieder neu arrangiere und mit dem guten alten Pritstift aufs Papier banne. Bis auf die schlechte Druck- oder Kopierqualität bin ich heute auch noch sehr zufrieden mit dieser Ausgabe, und stand auch damals mit dieser Meinung nicht allein, wie die zumeist sehr guten Besprechungen in anderen Heften zeigen:

Im mittlerweile zum Onlinezine mutierten Voice Of Culture stand: „(..) YES! Fanzine dieser Ausgabe würde ich sagen. Gefiel mir der Part beim o.g. Splitzine eher nicht so gut, holen die Bonner hiermit alles wieder raus und katapultieren sich in die Liste meiner Lieblingszines mindestens in die TOP 5. Lockerer, flüssiger Schreibstil mit ausgewählten und gut durchdachten Themen. Wenn es darauf ankommt. (..) Dazu Reviews verschiedener Art, die übliche Kickerbewertung und (nachdem der Jan im PTBP damit angefangen hat, wie man ein Mixtape zusammenschustert) hier eine Anleitung zum Selbstbasteln eines eigenen Fanzines. 100% DIY und 100% Punk das Ganze hier. Nur die manchmal schwer zu lesende Schrift trübt mir ein wenig den Lesespaß. Aber egal. Ich freu mich schon auf die nächste Ausgabe.“

Und selbst Zinemacher, die von mir mit einer schlechten Kritik bedacht wurden, geben sich anfangs noch recht moderat: „Wow. Entweder druckt der Kerl das ganze Heft aus oder er hat einen ziemlich goilen Copyshop. Qualitativ schon mal erste Sahne. Allgemein hat sich da jemand wirklich besonders viel Mühe mit dem Layout gegeben. So richtig was fürs Auge (…) Irgendwie hab ich es trotz etlicher Versuche noch nicht geschafft alles zu Lesen. Könnte daran liegen, dass es dank der etwas kleinen Schrift (die weiße auf Schwarzem Grund) manchmal ziemlich anstrengend ist. Alles im allem ein schönes Ding.“ Der Micha vom Akrox-Fanzine war nämlich danach ziemlich sauer, als ich seinem Heft nicht eine ähnlich gute Bewertung zukommen ließ…

Und der geschätzte Kollege aus Leipzig hatte in seiner fünften Ausgabe auch noch ein paar Sätze auf Lager: „Das Human Parasit hat sich mit großen Schritten binnen kürzester Zeit den Weg zur Speerspitze der hiesigen Fanzineszene erkämpft und das zurecht! Dieses Heft versteht es hervorragend ein übersichtliches und dennoch keineswegs langweiliges Layout sowie einen locker zu lesenden Schreibstil mit einer zumeist äußerst interessant-ausgewogenen inhaltlichen Mischung zu vereinen. (…)Wenn Bäppi das Niveau dieser Nummer weiterhin halten und vielleicht noch etwas ausbauen kann, dann Daumen hoch verehrte Leserschaft!“

Würde ich die ersten vier Ausgaben noch in eine Epoche der Ära Human Parasit einordnen, zeichnete sich mit Erscheinen der Nr.5 ein Umbruch an. Dinge änderten sich und auch das Erscheinungsbild des Heftes befand sich im Wandel…

AUSGABE 5

human_parasit_5bDer Fortschritt ist nicht aufzuhalten und so bekommt die fünfte Ausgabe, die im März des Jahres 2005 erscheint, ein neues Gesicht. Der Schriftzug ist nun klar und deutlich zu lesen, das Layout im Gesamten wirkt aufgeräumter und endlich ist auch ein funktionierender schwarz-weiß Kontrast bemerkbar. Das liegt zum einen daran, dass das Heft jetzt in einer richtigen Druckerei gefertigt wird, ein Kontakt, den Marcel zustande gebracht hat und zum anderen an steigender Erfahrung im Layouten. Ich weiß noch als alle 60 Seiten fertig waren, wieder nach dem gleichen Prinzip wie bei allen Ausgaben davor, und wir mit dem kompletten Stapel in Marcels Space-Van in irgendein entlegenes Kaff in der Nähe von Köln fuhren, wo der Kontaktmann bei seinen Eltern lebte, die aber gerade in Urlaub waren. Während Seite um Seite durch den Scanner gejagt wurde, gingen schon mal locker 2 Liter Eistee die Speiseröhre hinunter. Dem Bier hatte ich nämlich abgeschworen. Aus einer ganz nüchternen Überlegung heraus wollte ich meinen Alkoholkonsum reduzieren und wo ich schon mal dabei war, konnte ich auch komplett darauf verzichten. Eine sehr interessante Erfahrung total nüchtern durch die Konzertwochenenden zu spazieren, kein dicken Kopf mehr am nächsten Morgen und auch kein übel riechender Bierschiss mehr in der Toilette. Über ein Jahr hielt meine abstinente Zeit, die dann bei einem herrlichen Besäufnis in der neuen Wohnung in Mönchengladbach im Kreise meiner Freunde ad acta gelegt wurde, doch dazu mehr im späteren Verlauf des Rückblicks.

Auf der Rückfahrt blieben wir auf halber Strecke wegen Spritmangel liegen und die nächsten 2 Liter Eistee wurden vernichtet. So lange am Stück hab ich nie wieder gepinkelt, wie auf dieser Autobahnraste.

Im März 2005, dem Jahr, in dem Rudi Mooshammer und Harald Juhnke sterben, Bayern München schon wieder Deutscher Fußballmeister wird und das Schengener Abkommen in Kraft tritt, bekommen wir zwei Wochen nach unserem Ausflug in die Pampa 700 Exemplare des druckfrischen Human Parasiten in Marcels Wohnung geliefert. Der Preis dafür war wirklich unschlagbar günstig und erstmals halfen auch vereinzelte Werbeanzeigen von befreundeten Labeln bei der Finanzierung, die Olli und ich uns immer brüderlich teilten.

Auch in meinem Leben hatte sich einiges verändert. Zwar ging ich immer noch als glückloser Single durch die Welt, hatte aber zumindest eine berufliche Perspektive bekommen. Meine damalige Chefin im Sonderpostenmarkt hatte mir eine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel angeboten. Ich nahm an. Die Berufsschule kündigte ich nach wenigen Wochen aber wieder, da sich meine Mitschüler doch allesamt als dämliche Dummdödel entpuppten und neben Handypornos nur Autos und Disco im Kopf hatten. Ich hatte da anderes im Sinn. Nach meinem ersten richtigen Liebeskummer stürzte ich mich wieder Kopfüber in die bunte Punkrockwelt und ließ die Leser des Human Parasit daran teilhaben. Es zeichnete sich eine immer stärkere persönliche Note ab und das Heft wurde mehr und mehr zum Tagebuchersatz. Es machte mir einfach Spaß, andere Menschen an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen und so finden sich auch in dieser Ausgabe wieder etliche Berichte meiner Abenteuer, die sich dieses Mal aber auf den näheren Umkreis beschränkten und von Erkelenz über Köln und Düsseldorf nur einmal bis nach Frankfurt reichten. In dieser Zeit war ich häufig mit Rene und Babette unterwegs und vor allem bei Konzerten der Briefs fand sich ein gemeinsamer Nenner. Neben Michi und Olli wurde Rene zu einem weiteren Anlaufpunkt im nahe gelegenen Mönchengladbach und erste Umzugsgedanken keimten in mir auf. Wurde ja auch langsam Zeit, das elterliche Nest zu verlassen und komplett auf eigenen Beinen zu stehen.

Die Ausbildung lief ganz gut an und mein Arbeitsverhältnis war extrem entspannt, so dass sich die doch recht zeitaufwendige Arbeit im Einzelhandel noch gut mit meinen sonstigen Aktivitäten kombinieren ließ. So zeugen auch in dieser Ausgabe einige Artikel von meinem neuen alten Job und den damit verbundenen Perspektiven, so z.B. ein mehr als unterhaltsames Kundengespräch, dass von Weihnachtsbaumschmuck zu Wixmaschinen führte und auch im Nachhinein noch sehr erheiternd ist. Auch Lidl bekommt verdientermaßen sein Fett weg, obwohl die Arbeitssituation für die dortigen Mitarbeiter ähnlich beschissen ist, wie bei allen anderen Discountern auch. Im meinem kleinen familiären Betrieb hab ich damit nichts am Hut, so haben mir in der Vergangenheit meine Chefin und ihr Mann des öfteren mit Rat, Tat, oder finanzieller Unterstützung aus der Patsche geholfen. Das sind die ersten Menschen abseits des großen Punkrock-Kosmosses, die mir etwas bedeuten, mir den Rücken stärken und ehrliches Interesse für mich und mein Handeln zeigen.

Nach vier Ausgaben erreicht mich auch endlich der erste Leserbrief, der sich auf mein persönliches Vorwort in der Nr. 4 bezieht. Auch eine Bestärkung für mich, dem Heft mehr eine eigene Note zu verpassen und das Ganze immer mehr zum Ego-Ding werden zu lassen.

Zum kleinen Jubiläum werden dieses Mal keine unbekannten Bands interviewt, sondern mit EA80 und Pascow finden sich da schon namhaftere Kapellen im Heft, zu denen aber dennoch eine große persönliche Bedingung bestand, was mir bei allen Interviews immer sehr wichtig gewesen ist. Wieder mit einem Diktiergerät bewaffnet fuhren Olli, Michi und ich ins Mülheimer AZ, um dort im Backstageraum ein recht interessantes Gespräch mit den vier Saarländern zu führen, während unter uns die Skate-Punk Heroen von ZSK auf der Bühne standen. Das Interview mit den Mönchengladbachern von EA80 ist eins der spannendsten, das ich je geführt habe. Wir bekamen nicht nur eine private Proberaumvorstellung, sondern konnten auch locker und flockig mit den 4 älteren Herrn über ihre Band und ihr Schaffen plaudern. Dabei ließen sie sich sich das ein oder andere Mal recht ungeniert an den Karren pissen, blieben aber stets souverän. Mit der Musik und dem Hype um diese Band konnte ich nichts anfangen, aber gerade dieser Umstand machte das Gespräch so interessant.

Neben dem Stammpersonal Olli und Ninne, die dieses Mal nicht fleißigen sein Sohn und seine Tochter waren, steuerten erneut Marcel und der Berliner Ainstain einen Beitrag zum Heft dazu. Letzteren lernte ich in einer Internet-Community, dem Punkeselforum kennen, im dem Olli und ich uns vermehrt aufhielten und mit diskutierten. Auch dadurch entstand eine engere Bindung zu den Düsseldorfer Bundschuhen und neue Kontakte nach Wuppertal wurden geknüpft. Ich hab gestern auf einer Demo in Kiel den Chefkoch aus Berlin getroffen, den ich auch über eben jene Internetplattform kennen lernte und bestimmt 4 Jahre nicht gesehen hatte. Das war ein sehr freudiges Wiedersehen.

Es gibt nur noch 5 Tonträgerbesprechungen, dafür aber mehr als fünfmal so viele Fanzinerezensionen. Wenn ich diese Seiten nochmal durchblätter ist es schon erstaunlich zu sehen, wie viele vor allem neue Hefte zu dieser Zeit das Licht der Welt erblickten. Kannst du dich noch an Hefte wie das Wurstbrot, Hähnchen, Barnabas, Hitmann Hard oder Wocklicat erinnern? Die deutsche Fanzinelandschaft schien Hochkonjunktur zu haben und dieser Umstand führte zu ersten Gedanken an ein Fanziner-Treffen, dass in Bälde stattfinden sollte.

Wizo hatten sich zu einer Abschiedstour zusammengerauft, wurden von Marcel und mir in Krefeld begutachtet und in unserer Phantasie mit Flaschen von der Bühne gejagt. Den größten Aufreger des Heftes lieferte aber der direkt dahinter befindliche Artikel im Zusammenspiel mit dem Backcover dieser Ausgabe. Anti-Oi hieß die Devise und durch die Aufgreifung dieses nicht neuen Themas wurde der Human Parasit in der Folgezeit heftig diskutiert. Leider erreichten Olli und mich nur Bruchteile dieser Diskussion, die größtenteils in uns unbekannten Internetforen ausgetragen wurde. Aufhänger dabei war die Nennung der Band SS-Kaliert in diesem Zusammenhang, in dessen Folge es einen Mailwechsel zwischen uns und der Band gab, in dem es anfangs neben der Androhung von Schlägen auch Drohungen mit einem Anwalt gab. Am Ende einigten wir uns auf eine Stellungnahme der Band, die nachträglich allen Heften beigelegt wurde und im Internet einzusehen war. Olli und ich hätten nie damit gerechnet, dass wir mit diesem Artikel die Büchse der Pandorra öffnen, fanden aber beide die anschließenden Diskussionen für richtig und wichtig. Meine Abneigung gegen jegliche Oi-Musik hat sich seitdem nicht verändert und mit SS-Kaliert gab es danach nichts mehr zu bereden.

Die Veröffentlichung des Heftes wurde bei einem zweitägigen Festival im Düsseldorfer AK47 zelebriert, wo das Heft im Eintrittspreis inbegriffen war. So dezimierte sich die doch recht stattliche Auflage recht schnell innerhalb der ersten Verkaufstage. Der nette Herr Meineid hatte direkt am ersten Tag ohne unser Wissen den Anti-Oi Artikel eingescannt und fröhliche Internethetze betrieben, doch gab es auch reichlich positive Resonanz auf unsere Positionierung. Mit großem Interesse verfolge ich übrigens die gerade aktuell geführte Debatte um die Grauzone und bin gespannt, wohin das noch führen wird und ob es dann in 4 oder 5 Jahren wieder einen ähnlichen Diskurs geben wird. Alles wiederholt sich eben und so geht es auch im Politikteil dieser Ausgabe um ein Phänomen, das noch etliche Jahre später immer wieder auf den Seziertisch kommen soll. Eine neue politische Strömung in der Linken hatte sich formiert und für verbalen Dünnpfiff gesorgt. Die Antideutschen. Olli brachte mit seinem bis dato besten Artikel ein wenig Licht in die Umtriebe und den Konflikt mit den Anti-Imperialisten. Ich habe selbst heute noch nicht die Muße, mich mit dieser Thematik auseinander zusetzen. Sollen alle kacken gehen. Des weiteren brillierte mein Freund Olli mit einem Artikel über den Revisionismus und ein ums andere Mal gab er mir Anreiz, politische Themen aufzugreifen und zu intensivieren. Trotz allem entfremdeten wir uns stetig voneinander, was nicht zuletzt an meinem neu gefundenen cleanen Lebensweg lag, da er ins genaue Gegenteil umschlug, für mich mit trank und auch anderen bewusstseinserweiternen Mitteln nicht abgeneigt gegenüberstand.

Die beiden Festivaltage dagegen waren ein voller Erfolg und sorgten an zwei folgenden Samstagen für volles Haus in Düsseldorf. Die ganze Sause wurde teilweise mit drei Kameras für die Nachwelt festgehalten und sollte von unserem Freund Marcel gekonnt zusammen geschnitten, inszeniert und auf DVD-Länge gekürzt werden, um allen Anwesenden ein schönes Erinnerungsstück zu werden. Doch die Arbeit an der DVD zog sich wie Kaugummi, ein Umstand den die Vageenas jüngst mit ihrer DVD auch erfahren mussten, da Marcel mit seinem Job bei VOX doch recht eingespannt ist. So dauerte es über ein Jahr bis die Scheibe endlich fertig und verkaufsfähig war. Für die Nr.5 gab es fast ausschließlich positive Rezensionen und es tat verdammt gut zu merken, dass man mit dem, was man da machte, anderen eine Freude bereiten oder zum Nachdenken animieren konnte.

So schrieb Falk in seinem vierten Mittelfinger: „Die #5 toppt das Niveau der #4 nochmals um Längen, und der Human Parasit hat hiermit mal wieder die Nase vorn. (..) Köstlich amüsiert habe ich mich über die Geschichte vom alten Kurt und Hartz mich nicht voll (auch wenn dieser Artikel eher zum Schreien ist). Die Mischung aus Musik, Politik und Erlebtem finde ich mehr als gelungen. (…) Hohe Wellen schlug ja der Anti-Oi-Artikel, der sehr verkürzt daher kommt, aber grundsätzlich nichts falsches äußert. Aber da gibt´s in der #6 bestimmt mehr dazu. Fazit: Tolles Heft, sympathische Schreiberlinge, ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe. Highlight ist übrigens das Mittelfingerreview! Hehe… FF“

Und auch das Ox wusste Positives zu berichten: „Noch eine Klasse besser ist nun Human Parasit #5 geraten, genau die richtige Mischung aus Spaß und Anspruch. (…) Inzwischen ziert die Bomberjacke so manches antifaschistischen Skins der dazu passende Button mit dem rot durchgestrichenen Oi! Erhältlich ist das Human-Parasit-Fanzine bei Herausgeber Bäppi, entweder via Mail oder auf einem der zahlreichen Punk-Konzerte, auf denen er sich im Rhein- und Ruhrgebiet so rumtreibt. (…)

BUNDSCHUH NR. 12

Für einen Werbeflyer hatten wir zu viele Ideen, es musste etwas Pompöses her, etwas, dass auch auffällt und da Eigenwerbung ja bekanntlich genauso stinkt, wie Eigenlob, musste das jemand anders für uns erledigen. Um Werbung in anderen Heften zu schalten fehlte es uns am nötigen Kleingeld, also einfach selber ein Heft machen und da unsere Werbung reinpacken. Unsere Freunde vom Bundschuh mussten dafür herhalten. Die hatten momentan eh ein bisschen mit Lethargie und Lustlosigkeit zu kämpfen und so entschloss ich, ihnen ein wenig unter die Arme zu greifen. An einem Wochenende im Sommer des Jahres 2005 entstand die 12. Ausgabe des Bundschuhfanzines am Computer meines Papas und ohne das Wissen der Bundschuhcrew. Die meisten Texte hatte ich aus Internetforen geklaut, Textfragmente aus anderen Zines übernommen, ausgemusterte Human Parasit Artikel verbraten und lediglich ein sehr umfangreiches Interview mit Olli und mir verdiente das Prädikat „journalistisch wertvoll“. Die Fragen hab ich mir ausgedacht, selber beantwortet, an Olli geschickt und so entstand am Ende ein 7 seitiges Interview, das alle Fragen rund um das Human Parasit Fanzine in aller Ausführlichkeit beantwortete. Das waren neben den Werbeanzeigen auch die einzig vernünftig gelayouteten Seiten im Heft, das auf 40 Seiten in einer Kleinstauflage von 30 Exemplaren wieder im Copyshop in Mönchengladbach entstand. Doch was nützt jetzt ein Heft, in dem wir uns selber abfeiern und für unsere Ideen werben, das aber nur in meinem Kinderzimmer rumliegt. Also hab ich die dreißig Hefte an andere Fanzines geschickt und war im Nachhinein doch bei der ein oder anderen Rezension mehr als überrascht und gespannt wie ein Flitzebogen, wann und wie die Bundschuhcrew von der Existenz dieses Heftes erfährt. Es gab sogar Menschen, denen dieses Wochenendprodukt gefallen hatte und die wenigsten schienen zu merken, dass hier etwas nicht stimmen konnte und die ganze Angelegenheit zum Himmel stank. Neben unserem Interview befand sich tatsächlich nur Kappes im Heft, der so dilettantisch layoutet war, dass einige Artikel Augenkrebs verursachten und man eigentlich aufgrund der geballten Ladung Blödsinn nur mit dem Kopf schütteln konnte.

Marcel entwickelte sich zur grauen Eminenz des Human Parasit, trat als Schreiberling, Druckereikontakt und letztendlich auch Finanzier in Erscheinung und hatte mit seinem neu gegründeten Club Scheisse auch die DVD unseres Festivals released. Die Idee hinter diesem Club lehnte sich an den Film Fight Club an. Einziges Kriterium für die Aufnahme war ein Foto mit einer übergroßen Sonnenbrille. Auf www.clubscheisse.com kannst du dir noch immer ein Bild davon machen. Unter anderem für diesen Club wurde im Bundschuh Nr. 12 geworben. Auch unsere neue Leidenschaft der Miniaturgolfsport sollte mittels einer eigenen Internetpräsenz für viel Furore sorgen, doch da unser Internetmensch Michi noch nicht einmal eine Homepage für das Fanzine fertig kriegte, starb diese Idee ganz still und heimlich. Genau wie das seit Jahren angekündigte Minigolfmatch mit dem Do You Feel Lucky Punk Herausgeber Andreas Crack…

Auch eine Anzeige für die sechste Ausgabe des Human Parasits enthielt diese Werbebroschüre, bei der noch mit Interviews von Supabond und Amen81 geworben und ein baldiges Erscheinen angekündigt wurde. Doch daraus wurde nichts, denn zuerst stand die zweite Veröffentlichung auf Human Parasit Pladden und das große Fanziner-Treffen in Oberhausen auf dem Plan.

Ach ja, ein paar Kritiken zu diesem Fake-Heft will ich dir natürlich nicht vorenthalten. So schrieb ein Herr Obnoxius in der Erstausgabe des Punkrock! „Ums gleich vorweg zu nehmen: Was das Heft im Schnipsellayout wirklich lesenswert macht, sind die Interviews mit den Kollegen vom Human Parasit-Zine und mit Claus von Chefdenker. Da macht das Kacken mal wieder so richtig Spaß. (…) Der Rest des Inhalts reicht dann leider von durchschnittlichen Kolumnen bis hin zu überflüssigem Schwachsinn (hier tut sich vor allem der sechsseitige, absolut sinnentleerte Artikel über die (hoffentlich fiktive) Fahrt zum Rocktown Open Air hervor). Ärgerlich sind auch Anfängerfehler, wie z.B. beim Kopieren die Seitenränder abzuschneiden (schade gerade beim Interview mit Claus, das auch durch das beschissene Layout viel Lesespaß verliert). Und irgendwie hören ein paar Artikel mittendrin auf. Oder hab ichs mal wieder nicht kapiert. Dann entschuldigt, ich war beim Lesen nüchtern!

Auf www.fomp.de war folgendes zu finden: „Das selbsternannte „Fanzine für den Iropunker mit Hund“ ist das wohl am wildesten gelayoutete Heftchen, das mir in der letzten Zeit unter die Augen gekommen ist. Wer bitte hatte die Idee, in einem Cut und Paste Layout den Text des Interviews noch mal zu kopieren und als Hintergrund unter den Text des Interviews zu legen? (…) Kommen wir zum Inhalt: Der besteht aus zwei Interviews, einem mit Chefdenker und einem mit den Human Parasit-Machern (die ungefähr 90 Prozent der Werbung im Bundschuh geschaltet haben). (…) Zwischen, vor und hinter den Frage-Antwort-Spielchen findet der geduldige Leser diverse Konzertberichte und Schnipsel von etwas, das wohl mal Kolumnen, Liedtexte und kleiner Artikel waren, aber irgendwie unerwartet aufhören, in der Mitte anfangen oder so obskure Themen wie Krishna (3. JT vor Christus), die Bundschuh-Verschwörung (1502 n. Chr.) und Schwammkopf (2003 n. Chr.) behandeln. Sehr verwirrend! (…)

AUSGABE 6

human_parasit_6_fanzinebWenn ich diese Ausgabe neben die erste halte wird schnell deutlich, dass da Welten zwischen liegen. Vom Debut bis zu dieser Nummer hat es knappe drei Jahre gebraucht und so erscheint nach reichlich Verzögerung und mit ganz anderem Inhalt als ursprünglich geplant im Spätsommer des Jahres 2006 die sechste Ausgabe des Human Parasiten. Die olle Merkel ist Bundeskanzlerin und kann weder die Vogelgrippe noch den dritten Platz der deutschen Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land verhindern. Jawohl. Wir sind Weltmeisterschaft und auch seit einem Jahr Papst. Die dämliche Du bist Deutschland Kampagne endet glücklicherweise in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer Anfang des Jahres. Ich bin weder Papst, noch Deutschland, noch Fußballweltmeister, das sind die Italiener geworden. Ich bin Auszubildender bei Thomas Philipps Sonderposten und muss meinen Arbeitsplatz vom elterlichen Erkelenz nach Übach-Palenberg in die Nähe von Aachen verlegen. Das ganze hatte betriebswirtschaftliche Gründe, bedeutete für mich mehr Zugfahrerei, weniger Kontakt zur Familie, aber auch mehr Verantwortung und Kompetenzen im neuen Laden.

Der Human Parasit erstrahlt wieder einmal im neuen Glanz. Über Marcels Kontaktmann wird auch diese Ausgabe wieder in der Nähe von Köln gedruckt, umfasst ganze 84 Seiten und wird sage und schreibe 700 mal vervielfältigt. Die bis dato auflagenstärkste und dickste Ausgabe. Um diese Menge Seiten auch mit ordentlich Inhalt zu füllen, arbeiten insgesamt 9 Menschen an diesem Heft. Obwohl Ninne noch im Impressum erscheint, hat sie sich vom Human Parasit verabschiedet und in der fünften Ausgabe ihre letzten Artikel veröffentlicht. Sie hat mich noch einmal in Mönchengladbach besucht, unsere Badewanne in Beschlag genommen und verschwand danach still und heimlich aus meinem Leben. Auch Olli wird nach dieser Ausgabe die Segel streichen, ein Umstand, der sich schon über einen langen Zeitraum angedeutet hatte, aber hier glänzt er noch einmal mit einem Artikel, der die Verbindung vom dritten Reich und Esoterik beleuchtet und einer Chronik über geräumte linke Projekte, in der u.a. noch einmal wehmütig auf Pingutopia, Wendebecken, KTS, Yorck 59 oder Plan B zurück geblickt wird.

Den musikalischen Part sollten in dieser Ausgabe eigentlich die Düsseldorfer Supabond und Amen81 aus Nürnberg übernehmen. Erstere trafen Olli und ich in einer kleinen schummrigen Spelunke in Düsseldorf und führten ein ausführliches und angenehmes Gespräch mit Sängerin Suse und einem weiteren Bandmitglied. Aus der Musikbox dröhnten zeitlose Punkrockhits und wir unterhielten uns sehr unverkrampft über die Band, das Leben in Düsseldorf und förderten dabei mehr als eine lustige Anekdote zu Tage. Leider konnte ich Wochen später auf meinem Diktiergerät außer zeitlosen Punkrockhits aus der Musikbox kein Wort des Interviews mehr verstehen. Wir hatten direkt unter einer an der Wand montierten Box gesessen und auch die Lautstärkeeinstellung an meinem Gerät war eher suboptimal. So landete das Interview in den ewigen Magnetbandjagdgründen und es musste umdisponiert werden.

Auch bei Amen81 drückte der Schuh. Michi wollte dieses Interview am Telefon führen, doch scheiterte ein ums andere Mal an der Unzuverlässigkeit in Nürnberg. Glücklicherweise hatte er adäquaten Ersatz in petto und lieferte mit Thorsten von Bubonix das bis dato beste Interview im Human Parasit ab. Mir gefiel die persönliche Ebene super gut und fortan wollte auch ich Interviews nur noch mit einer Person anstatt einer ganzen Band führen. Das passte auch viel besser zum Human Parasit, da ich auf die persönliche Note gesteigerten Wert legte und kein Musikjournalismus betreiben wollte.

Meinen neu gewählten vegetarischen Lebensweg besiegelte ich mit einem Interview mit Makke vom Veganway Versand, der mittlerweile aber eingestellt ist. Nun trommelt der junge Mann ganz ungehemmt bei Abfukk. Die große weite Punkrockwelt ist eigentlich doch nur ein Dorf und den aktiven Menschen läuft man immer wieder über den Weg. Anfangs dachte ich übrigens dass ich mein Thunfischbaguette mit gutem Gewissen weiterhin genießen kann. Thunfisch ist doch kein Tier. Auch Mama versuchte mir anfangs immer Speck in den Rotkohl zu mischen, wenn ich sie denn mal zum Mittagessen besuchen kam. Doch als ich ihr dann drohte gar nicht mehr zu erscheinen, lenkte sie ein und ließ mich mein Gemüse essen. Was mir da in Zukunft am meisten fehlen sollte, war der extrem große und fettige Gyrosteller mit Pommes und extra Tzaziki, der bevorzugt an verkaterten Sonntagen bestellt oder beim Stammgriechen abgeholt wurde. Doch verkaterte Sonntage gehörten ja der Vergangenheit an, bis ich eines Tages entschloss, mein selbst auferlegtes Gelübde zu brechen und dem Bier eine zweite Chance zu geben.

So lud ich eines Abend in die neue Butze in Mönchengladbach und wollte den Einstand mit meinen ersten Bieren seit über einem Jahr feiern. Am Ende verlief alles recht unspektakulär. Es verhält sich mit dem Trinken nämlich ähnlich wie mit dem Schwimmen oder Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht. Olli war nicht eingeladen, der Entfremdungsprozess war abgeschlossen und wir geschiedene Leute. Ich schrieb ihm noch einen Abschiedsbrief, in dem ich das wieso und warum versuchte zu erklären, bekam darauf aber nie eine Antwort und hatte die Sache dann auch schnell zu den Akten gelegt. Abgehakt, schließlich hatte ich noch viele andere spannende Dinge im Kopf, die sich hauptsächlich mit dem Thema Frauen befassten.

Wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach einem Frauchen für Bäppchen durch diese Ausgabe. Ob es ein Gästebucheintrag irgendwo in den weiten des Internets war, ein Konzert der Marschmellow Muschies oder doch nur die entfernte Bekannte, die mich nach Bremen einlud, um ein Hives Konzert zu besuchen, jede Dame war eine potentielle Partnerin für mich und jedes Mal war die Enttäuschung groß, wenn ich abends wieder alleine in meinem Bett einschlafen musste. Weder der herzzerreißende Herzblatt Chat, oder meine aufopferungsvollen Zugaberufe in der Mönchengladbacher Essbar, noch der Tanzwettbewerb in einer Assidisko in Bremen konnten mich der holden Weiblichkeit näher bringen, aber allein die zahlreichen Versuche beim anderen Geschlecht zu landen hatten nicht zuletzt unzählige erheiternde Momente und so schrieb ich sie auf und druckte sie ab.

Ein paar Gastautoren gaben in dieser Ausgabe eine kurze Stippvisite und waren ab da nicht mehr gesehen. Kanwal, auch eine Anwärterin auf den Titel Lebensabschnittsgefährtin des Human Parasit Herausgebers, veröffentlichte einen komischen Text über einen Panther, Ulli aus Crest schrieb über seine Zeit bei einer Telefonabzockerfirma und Alex von Pascow hatte die Ehre einen weiteren Neuen in einem kurzen Artikel vorzustellen. Jörk, der u.a. auch für das OX arbeitete und anscheinend nur über Drogen- und Alkoholexzesse schreiben kann, durfte ab dieser Ausgabe regelmäßig seinen Senf im Human Parasit verzapfen und auch Mittelfinger Falk wurde zum Wiederholungstäter. Auch Toxo vom eingestellten Bundschuh-Fanzine taucht mit einem Artikel auf, in dem er die eigene Band T.O.D. vorstellt, die auch heute noch zu einem gern gesehenen Gast in meinem Kassettendeck zählt.

Natürlich ist auch der Umzug nach M’gladbach Thema im Heft und so setzte ich mich mit der Punkrockhistorie meiner neuen Heimatstadt auseinander und präsentiere den ultimativen Clubguide vom schmucken Städtchen am Niederrhein, wo Cock Sparrer für Riots und EA80 für den Sturm auf die Bastille verantwortlich waren.

Zudem finden sich noch zwei Tourberichte im Heft. Einen davon verfasste Michi, der mich als Fahrer der Heimatglück Tour vertrat, da ich zwar einen Führerschein besaß, aber schon Jahre nicht mehr hinterm Steuer gesessen und kalte Füße aufgrund der Reise durch die ganze Republik bekommen hatte. Seine Ausführungen in epischer Länge, die jedes noch so kleinste Detail beleuchteten können jedem Konzertbericht aus dem Hause Sobe Paroli bieten.

Das Layout wird immer strukturierter und da ich mich mit Photoshop noch nicht so gut auskannte, aber dennoch erste Schritte beim Computerlayout gewagt habe, entstanden viele Seiten mit Word und Corel Draw, dem Text- und Grafikprogramm meines Papas. Dennoch habe ich bei etlichen Seiten noch auf die gute alte Schere und den Pritstift zurück gegriffen und auch die am Computer erstellten Seiten wurden ausgedruckt und per Hand modifiziert. Ich erinnere mich, dass es teilweise ein ganz schöner Akt gewesen ist, eine einzelne Seite zufriedenstellend am Computer zusammen zu basteln und teilweise steckte da deutlich mehr Zeit und Arbeit drin als in der altmodischen Variante. Das Coverbild ist recht einfallslos einfach der ersten Bilanz-LP entnommen und taugt meinem heutigen Empfinden nach überhaupt nicht als Fanzinecover. Etwas besonderes hatte diese Ausgabe aber auch noch, bei etlichen Heften hatte ich mir die Mühe gemacht, den Human Parasit Schriftzug auszumalen und mit Leuchtfarbe zu überpinseln, außerdem kam das Heft nicht mehr getackert, sondern gebunden daher. Das ließ sich leider für kommende Ausgaben nicht wiederholen, da der Kontakt nach Köln abbrach und eine Bindung bei unserer nächsten Druckerei den finanziellen Rahmen gesprengt hätte. Ich spiele mit dem Gedanken, diese dir hier vorliegende Nr. 10 binden zu lassen… mal schauen, ob ich das hingekriegt habe… Jedenfalls sollte mit der Schreiberei nach dieser Ausgabe erst einmal lange Pause sein. Nicht das ich das geplant hätte, aber was hab ich in meinem Leben bis jetzt schon geplant…? Die Rezensionen für dieses Heft waren wieder erste Sahne und vom pausenlosen selber auf die Schulter klopfen bekam ich Muskelkater.

Da der nette Herr aus Mannheim das Review zu seinem Pamphlet noch nicht kannte, viel die Besprechung des Human Parasit recht human aus… „Der Bäppi ist also nach M’Gladbach umgezogen und nebenher macht er jetzt noch einen auf Platten und Filmboss. Veröffentlicht hat er die NeinNeinNein MC (Bandvorstellung im Heft), ne „Bilanz“ Platte und die Human Parasit Festival DVD. Da sieht man mal, was man so alles machen kann, wenn weder säuft noch eine Freundin hat. (…) Letztlich gefallen mir die Sachen vom Herausgeber noch am besten. Vor allem meine ich damit die herzzerreißende Herzblatt Email Geschichte, die so nicht einmal Rosamunde Pilcher hinbekommen hätte. Bocky“

Auch der mittlerweile allgegenwärtige Mika Reckinnen besprach das Heft: „Sensationell, seriös, sexy steht oben drüber und ich denke mir, wenn das mal nicht den Richtigen erreicht hat, dann weiß ich es auch nicht. Wieder ein schönes, klassisches Punkrock-A5er, dass Gott sei Dank auf zu viele bedeutungslose Musik und das Gequatsche darüber verzichtet, sondern auch mal mit Humor über den Dingen steht (Großartiger Force-Attack-Bericht). (…) Ein, zwei sehr nett geschriebene Reise-bzw. eher Konzertberichte (u.a. Hives in Bremen, sehr nett) und viele Reviews von Fanzines. Sehr nett.“

Und selbst Oi!-Alan fand langsam aber sicher Gefallen am Human Parasit und schrieb in der letzten Ausgabe seines Fanzine Alf Garnett: „Das Gladbacher Punkheft hat mit mittlerweile schon sechs Ausgaben nicht nur ein rasantes Tempo vorgelegt, sondern hat jetzt auch layouttechnisch ein anständiges Niveau erreicht. Ich bin beeindruckt! Inhaltlich sieht’s auch nicht völlig düster aus (obgleich nicht immer unbedingt meinem Geschmack entsprechend), gibt es doch ein Tourtagebuch von PASCOW, Interviews sowohl mit den BUBONIX als auch mit einem Veganerversand (wer’s braucht…), Artikel einerseits über die esoterischen Aspekte des Nationalsozialismus bzw. seiner Vordenker und andererseits über ‚rechte’ bzw. problematische Tendenzen im deutschsprachigen Rap (besonders anhand des Arme-Fackeln-Labels Aggro Berlin), sowie Statements zur umstrittenen Band SS-KALIERT (…in deren Online-Gästebuch ein Bandkritiker das Alf Garnett übrigens als rechtsradikales Zine bezeichnet hat… Armleuchter!), (…) In einer Art kritischen Bestandsaufnahme des eigenen Zusammengehörigkeitsgefühl mit der deutschen Punkszene fallen recht deutliche Worte in Bezug auf Asselpunker, was mich deshalb positiv überrascht, weil ich sowohl den „Human Parasit“ als auch das um die gleiche Zeit auf der Bildfläche erschienene befreundete „Bundschuh“-Zine bislang gedanklich eher in die Halbasselecke eingeordnet hatte… Aber wenn ich mir das Zine so anschaue, dann hab ich den Eindruck, dass der Macher auf alle Fälle schon den aufrechten Gang beherrscht und nicht mehr jedes Wochenende bei Konzerten mit einem halben Dutzend weiterer Rucksackträger im Schneidersitz die Tanzfläche okkupiert und dabei kräftig die Buddel Mäusepisse kreisen lässt.“

Haha, welch ein Trugschluss lieber Alan, obwohl ich Mäusepisse noch nie in meinem Leben getrunken hab finden sich dennoch etliche Anzeichnen eines Zugehörigkeitsgefühls zur Halbasselecke… oh Mann. Ronja und Henni waren keine halben Asseln, sie wurden zu den wichtigsten Bezugspunkten in meinem Leben und bestimmt 12 Monate lang fuhren wir gemeinsam in die entlegensten Winkel der Republik, verschönerten unsere Kleidungsstücke gemeinsam und hatten einen ganzen Sack voll Spaß zusammen. Das war der Grund für die nächste Ausgabe des Human Parasits…

AUSGABE 7

cover7bNach einem guten Jahr Fern- und Wochenendbeziehung war es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Ina und ich wollten mehr Zeit miteinander verbringen, einen gemeinsamen Alltag erleben und da meine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel mit Bravour bestanden wurde, Ina aber noch mitten in ihrer Ausbildung als Heilerziehungspflegerin stand, hieß es für mich Koffer packen und Michi und Mönchengladbach den Rücken kehren.

Dadurch das meine ungeteilte Aufmerksamkeit nun meiner liebreizenden Freundin galt, kamen natürlich Menschen wie Michi, aber auch viel eher Ronja und Henni, viel zu kurz. Mein ehemaliger WG-Kompagnon wurde immer verschrobener und kam mit Ina auf überhaupt keinen grünen Zweig. Das führte am Ende sogar so weit, dass Ina sich gar nicht mehr aus meinem Zimmer traute, wenn ich auf Maloche und sie alleine mit Michi in der Wohnung war. Das führte zu Konflikten die fortan stets zwischen uns standen und nie zur Aussprache kamen. Ich konnte schon immer gut Konflikte umgehen, Probleme umschiffen und drohende Streitigkeiten um…. aus dem Wege gehen und so trennten sich die unseren eines Winternachmittages in einer mehr als dürftig renovierten Wohnung in Mönchengladbach. Adieu Kaution und Helau thüringische Provinz.

Natürlich brachte der erneute Wohnortwechsel auf viele neue Impressionen mit sich, die ja irgendwo verarbeitet werden wollten und so war es nach einer langen Durststrecke im Februar des Jahres 2008 endlich so weit und die siebte Ausgabe erstrahlte im frischen Glanz. Das ist jetzt über zwei Jahre her und ein Blick auf die Internetchronik dieses Jahres zeigt, das u.a. das Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten in Kraft tritt, Fidel Castro von seinem Amt als kubanischer Staatsführer zurück tritt und Marcel Reich Ranicki verbale Tritte bei der Verleihung des deutschen Filmpreises verteilt.

Davon unberührt erscheint das Mammutprojekt Ausgabe 7. Über Falk habe ich einen guten Kontakt bekommen und werde fortan den Human Parasiten in Wiesbaden drucken lassen, wo auch immer der Mittelfinger entstand. Das Heft wird 500 mal vervielfältigt, umfasst 80 Seiten und sieht immer professioneller aus. Das komplette Layout ist am Computer mit Photoshop entstanden und ist erstmals nur digital vorhanden. Die Arbeit daran hat mindestens so viel Zeit in Anspruch genommen wie das Verfassen der Texte und ein ums andere Mal hab ich mich dabei erwischt, dass mir das Layouten sogar ein bisschen mehr Spaß bereitete. Bei der Umsetzung dieses Projektes haben mich Alex und Measy von Tante Guerilla tatkräftig unterstützt, die das Heft quasi auf ihrem Label Kidnap Music veröffentlichen und einen großen Teil der Auflage finanzieren. Zudem legen sie jedem Heft einen CD-Sampler bei, der neben dem musikalischen Labelprogramm auch diverse gelesene Texte beinhaltet. Auch ein erster Human Parasit Sampler liegt dem Heft bei, dass neben diesen beiden CDs in einem bedruckten DIN A5 Umschlag serviert wird. Mit dieser Idee ging ich eines Tages in einen Copyshop in Eisenach und die freundliche Mitarbeiterin sagte unüberlegt zu, die 500 Umschläge für kleines Geld anzufertigen. Am Ende musste sie jeden einzelnen Umschlag schön der Reihe nach ins Kopiergerät legen und einige Stunden in diese Arbeit investieren. Wenn ich auf die alten Ausgaben zurück blicke, ist diese Nummer die erste, mit der ich auch heute noch vollstens zufrieden bin.

Das Heft beherbergt ein Schwerpunktthema, das sich mit der Verbindung von Punk und Porno beschäftigt und vielerlei Ansichten und Eindrücke von vielen verschiedenen Personen aufzeigt. Für mich ein sehr spannendes Thema, da ich nach Vollendung meiner Pubertät regelmäßig Pornofilme konsumiert habe. Mit Erreichen des 18. Lebensjahres war endlich der Weg frei in die Erwachsenenabteilung der Videothek und mit Papas Videorekorder konnte ich die Filme sogar auf leere Kassetten aufnehmen um sie immer wieder und wieder anzuschauen bis ich einen Buckel und Haare auf den Handrücken bekam. Einmal hab ich ein versehentlich ein altes Familienvideo überspielt und glücklicherweise ist das nie rausgekommen. Die Kassette war einfach auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema war recht spannend, hätte aber im Nachhinein weit ausführlicher ausfallen dürfen.

Vors Diktiergerät hab ich in dieser Ausgabe Hannes von den Spastix und meinen Schwager Schning nebst Floppy von Sniper Alley diktiert. Es entstanden sehr ausführliche und persönliche Gespräche und ganz genau in diese Richtung wollte ich mit meinen Befragungen auch gehen. Eher unbekannten Bands und deren Protagonisten eine Plattform bieten und vor allem die Menschen hinter der Band besser kennen lernen. Bei Hannes funktionierte das prächtig, wir haben auch heute noch regelmäßig Kontakt und die musikalische Entwicklung der Spastix verfolge ich gespannt und voller Aufmerksamkeit. Sniper Alley haben sich leider aufgelöst. Kommt mir das eigentlich nur so vor, oder häufen sich die Bandauflösungen seit einiger Zeit ganz ermesslich. Ist bestimmt das schnelllebige Internetzeitalter dran schuld…

AUSGABE 8

humanparasit8Nach einem Urlaub im Vier-Sterne-Hotel Waldschlösschen in Schleswig, verbunden mit einer halbtägigen Stippvisite in Flensburg stand unser neuer Wohnort fest. Flensburg präsentierte sich von seiner besten Seite. Bei herrlichem Sonnenschein flanierten wir am Hafen vorbei und fanden die Idee, in eine komplett unbekannte Stadt zu ziehen gleichermaßen spannend. Ina hatte dann auch schnell einen guten Job gefunden, ich hatte andere Pläne. Der einfachste Weg hätte mich wohl wieder zu Thomas Philipps geführt, denn ausgestattet mit einem ganzen Strauß von Vorschusslorbeeren wäre es ein leichtes geworden, einen Fuß in den Sonderpostenmarkt zu setzen. Doch drei Halbwüchsige vereitelten meinen Plan. Sie wurden dort beim Klauen erwischt und fackelten in der nächsten Nacht einfach den kompletten Laden ab. Also setzte ich mich erst mal mit der örtlichen Agentur für Arbeit in Verbindung und war am Ende doch überrascht, wie einfach es gewesen ist an die Kohle von Vater Staat zu kommen. So konnte ich über ein halbes Jahr die Füße hoch legen, den nahenden Sommer genießen und meine neue Umgebung erkunden, Freundschaften knüpfen und intensivieren. Keine Arbeit bedeute also auch viel Zeit für das Fanzine, das dann ein paar Monate nach dem Umzug Anfang April letzten Jahres erschien. Seit Anfang 2009 gibt es die Abwrackprämie, in Winnenden läuft ein Schüler Amok, Franjo Pooth erhält eine Bewährungsstrafe und die Handelskette Hertie schließt seine Filialen.

Die achte Ausgabe erscheint wieder bei Gegendruck in Wiesbaden, ist wieder 80 Seiten stark und hat wieder eine Auflage von 500 Stück. Das Layout lehnt sich ganz stark an das der Vorgängerausgabe an. Ich habe meinen Stil gefunden und sehr viel Spaß an der grafischen Manipulation mit Photoshop. Mit diesem Programm ist nahezu nichts unmöglich und mit wenigen Kniffen lassen sich erstaunlich coole Ergebnisse fabrizieren. Mit dem Erscheinungsbild des Heftes bin ich seit der letzten Ausgabe vollstens zufrieden.

Das Heft bietet wieder eine wahre Themenfülle, die allerdings von dem wieder sehr persönlichen Vorwort überschattet werden. Diese Ausgabe ist meiner verstorbenen Mutter gewidmet, die urplötzlich und ohne Vorwarnungen drei Monate vor Erscheinen des Heftes an einer Hirnblutung verstorben ist. Gerade der Umgang mit der Situation danach hat mich sehr bewegt und gerade die Resonanz auf dieses Vorwort hat sehr viel Kraft gegeben. Ein paar Wochen vor ihrem Tod haben Ina und ich meine Eltern noch besucht um sie für den Themenkomplex Punk und Familie zu interviewen. Die Antworten waren zwar dürftig und kratzten nur an der Oberfläche, spiegeln aber eben genau das Bild meiner Eltern wider, das ich auch von ihnen hatte. Es gab und gibt kein Interesse an meinem Tun und Handeln, sofern es nicht für die Verwandtschaft repräsentativ und irgendwas mit Kinder kriegen oder Geld verdienen zu tun hat. Wir haben uns einfach zu sehr voneinander entfernt und mein anfänglicher Enthusiasmus in der Beziehung zu meinem Vater verpuffte schnell in alten Angewohnheiten. So lebt nun jeder sein Leben und das ist auch gut so. Ich brauch kein aufgesetztes, unehrliches Verhältnis zu Menschen, nur weil sie mit mir verwandt sind. Im Zuge dieses Themas hab ich auch wieder eine Umfrage im Freundeskreis gestartet und interessant war, dass sich am Ende raus kristallisierte, dass alle in funktionierenden, mittelständischen Familien aufwuchsen. Auch Ina und ihre Mama dürfen eigene Ansichten zu diesem Thema beisteuern und gerade meine werte Lebensabschnittsgefährtin musste ich lange zu einer Beteiligung überreden. Manchmal habe ich das Gefühl, Ina ist eifersüchtig auf den Human Parasit, oder auf die Zeit, die ich diesem Projekt widme. Es kündigte sich aber schon mit der letzten Ausgabe an, das das Heft einen sehr großen Platz in meinem Leben eingenommen hat. Und da gehört kein Stück Verpflichtung oder Zwang dazu, wie es mit so vielen anderen Dingen im Leben eben ist. Das ist reiner Spaß und Vergnügen. Ein Hobby, ein zwar kostspieliges Hobby, aber durchaus anregender und immer noch günstiger als Briefmarken sammeln oder mit der Modelleisenbahn spielen. Der Human Parasit ist Teil meines Lebens geworden, ich habe ihm viel zu verdanken und lerne durch ihn ständig neue Menschen und deren Ansichten kennen. Das ist großartig und gibt immer wieder Motivation das Ding am Laufen zu halten.

Inspiriert durch die Familien-Kiste entsteht ein zweiter großer Themenblock im Heft, der sich mit der Bundeswehr befasst und einleitend ein Interview mit meinem kleinen Bruder beinhaltet, dass ich leider gegen Ende abbrechen musste, da ich das Gefühl hatte gegen eine Wand zu reden und er mit Bildzeitungszitaten um sich schmiss. Mein Bruder lebt einfach in einer anderen Welt, aber für mich war es sehr spannend, Einblicke in die Bundeswehr zu bekommen, die ich so nie selber hätte erleben können. Auch hier wurden wieder verschiedene Meinungen vorgestellt, die vom totalen Kriegsdienstverweigerer, über den Zivildienstleistenden bis zum Wehrpflichtigen reichten.

Insgesamt wirken an dieser Ausgabe eine große Zahl Menschen aus meinem direkten Umfeld mit. Ob es jetzt mein Nachbar Nils und sein Black Mosquito Mailorder, das Wohnprojekt Hafermarkt oder eben Andy von der Flensburger Band „Wreck Age“ ist, Ina und ich sind hier oben im Norden bestens angekommen und mit offenen Armen empfangen wurden. Schnell wurden Kontakte geknüpft und Freundschaften entstanden. Ein gut funktionierendes Netzwerk, auf das ich in dieser Ausgabe gerne zurückgegriffen habe. So gibt es einen Flensburg-Führer, bei dem ich den Leser an meinen ersten Eindrücken in der Fördestadt teilhaben lasse. Ich fühle mich hier oben pudelwohl und habe erstmals so ein Gefühl von Zuhause bekommen, da Ina und ich auch die ersten Wochen unserer Aufenthalts in die neue Wohnung und deren Verschönerung gesteckt haben. Nach der Chaos-WG in Mönchengladbach und dem am Ende auch nicht zufriedenstellenden Zusammenleben in einer Eisenacher Altbau-Wohnung wollte ich in der neuen Bleibe keine Baustelle mehr übrig lassen, deren Fertigstellung sich Monat um Monat verschiebt, bis man sich dann doch am Ende damit abfindet ohne etwas verändert zu haben. So haben wir uns einen gemütlichen Rückzugsort geschaffen, in dem ich mich gerne aufhalte. Dazu kommt, das Flensburg ein mannigfaltiges Angebot an Freizeitbeschäftigungen und netten Flecken in der Natur bietet. Hier kann man am Strand faulenzen, im Wald spazieren gehen, am Hafen abhängen oder eins der zahlreichen kulturellen Angebote wahrnehmen. Gerade die kulturellen Angebote im Punkbereich sind für diese kleine Stadt immens hoch und da Ina und ich in beiden Projekten so ein bisschen mit drin hängen und unsere Freunde dort wohnen ist es in letzter Zeit nicht mehr oft vorgekommen, dass wir andere Städte bereisen und neue Eindrücke gewinnen. Es ist so ein bisschen ein Inseldasein, aber die Litanei kannst du an andere Stelle in der aktuellen Ausgabe nachlesen. Diese Ausgabe ist neben den beiden Specials sehr Flensburg-lastig und gerade das sehr intensive persönliche Gespräch mit Andy von Wreck//Age gehört zu meinen Lieblingsinterviews. Leider hat sich diese Band aufgelöst, aber man munkelt, dass der gute Andy mit einer alten Kapelle bei einem Festival im April 2010 im Flensburger Hafermarkt auftreten soll, über alles weitere muss ich dich leider im Dunkeln lassen, denn dort lässt sichs am besten munkeln…

Als Gastschreiber fungieren in dieser Ausgabe nur noch Falk Fatal und Jörkk Mechenbier, die sich als treue Artikellieferanten erweisen und mittlerweile fester Bestandteil des Human Parasit geworden sind. Der sympathische Wiesbadener hat es geschafft, seit der sechsten Ausgabe jede weitere mit einem Artikel zu bereichern und dieses Mal liefert er eine Story, die er auch schon Opa Knack angedreht hatte, aber dieser Fauxpas sei ihm verziehen.

Die Werbeanzeigen decken mittlerweile ungefähr 30% der Kosten für das ganze Projekt, so dass es immer noch ein kleines Problem ist, die Auflage zu finanzieren, aber glücklicherweise habe ich mit Uwe von der Druckerei Gegendruck einen lieben, umgänglichen und geduldigen Menschen gefunden, der auch mal Fünfe gerade sein lässt und mir eine Ratenzahlung gewährt. Anders wäre das Projekt Human Parasit auch gar nicht mehr realisierbar, wofür ich an dieser Stelle mal einen dicken Kuss nach Wiesbaden schicken möchte. Danke für die Unterstützung liebes Team der Druckerei Gegendruck. Ohne euch würde das Heft nicht in der Form erscheinen, wie es jetzt vorliegt.

Das Coverbild hat Ruben gezeichnet, der auch schon bei der fünften Ausgabe Hand anlegen durfte. Sein Stil hat sich stark verändert und vom vorliegenden Coverartwork hab ich Ina auch ein T-Shirt gemacht, weil es mir so gut gefallen hat. Guck mal bei www.moros-pix.de vorbei, da kannst du dir noch andere tolle Kunstwerke des jungen Mannes anschauen.

Ein paar Musikreviews haben es wieder ins Heft geschafft, die aber von einer ganzen Armada an Fanzinebesprechungen erdrückt werden. Das Useless Fanzine feiert sein Comeback auf Papier und mit Snake Mountain und Kid Nowhere befinden sich erstklassige Debutausgaben unter den zahlreichen Rezensionen. Auch Proud To Be Punk und Rohrpost bleiben am Ball und werden besprochen.

Natürlich sage ich, dass das Heft von Ausgabe zu Ausgabe besser wird, der Schritt zur Nummer Acht war aber nur ein ganz kleiner und im Nachhinein würde ich sagen, dass die Folgeausgabe sogar ein Stückchen schwächer geworden ist, aber die Meinungen zur achten Ausgabe waren doch fast durchweg positiv:

So schrieb die Else Joffi: „Ein großartiges Heft, von dem mir irgendwie nur sporadisch eine Ausgabe in die Hand fällt, was aber nur noch mehr dazu führt, dass ich den Eindruck bekomme, dass das Heft immer und immer besser wird. Baeppi gelingt es ein wirklich lesbares Zine herauszugeben, das auf eine individuelle Art und Weise seine Interessen wiederspiegelt und nicht wie viele andere in beliebige Schubladen gepackt werden kann.
Richtig gelungen ist zum Beispiel die Strecke zum Thema Bundeswehr, die sich mit sehr vielen Aspekten des Themas auseinandersetzt und Interviews und Hintergründe mit einschließt. Clever ist auch der abschließende Artikel, der die Tätigkeiten der deutschen Post im Kriegsbusiness aufzeigt und damit klar macht, dass beispielsweise der Krieg in Afghanistan Verbindungen zu uns alltäglichen Dingen wie Briefe verschicken hat. Weitere Themen der Ausgabe sind der Komplex Familie und Beziehungen zu eben solcher sowie die Stadt Flensburg, in die Baeppi vor einer Weile gezogen ist und die er uns im Detail vorstellt. Die Musik kommt nicht zu kurz (es gibt Interviews mit z.B. Alarmstufe Gerd und die üblichen Reviews) steht aber nicht im Vordergrund.
Die Artikel sind im Allgemeinen schön ausführlich, soweit nötig sorgfältig recherchiert und das Layout ist vom Feinsten.

Im Hause Pankerknacker wohnt ein neuer Fan: „Puh, der absolute Downer der Ausgabe ereilt den Leser schonmal gleich im Vorwort: Dem Herausgeber Bäppi ist Anfang des Jahres nämlich die Mutter verstorben und seine, in dieser Hinsicht mit schonungsloser Aufrichtigkeit niedergeschriebenen Reflexionen, sorgen definitiv für nen ordentlichen Klos im Hals… Man ist geradezu unweigerlich genötigt, sich in die Situation hinein zu versetzen und darüber nachzudenken, wie man wohl selber empfinden mag, wenn einem eines Tages dieser kaum zu vermeidende Schicksalsschlag heimsuchen wird. Zusätzlich verstärkt wird jener anrührende Effekt durch den Umstand, dass Bäppi noch kurz zuvor seine Eltern vors Diktiergerät zerrte, um sie über ihre Erinnerungen und Empfindungen bezüglich seiner „Punkwerdung“ auszufragen, selbiges Spielchen führt seine Freundin Ina auch mit ihren Erzeugern durch und um den wirklich sehr spannenden Themenschwerpunkt „Familie“ gebührend abzurunden, werden noch verschiedene Szene-Protagonisten um ihre Meinung dazu gebeten… Sehr, sehr fein das alles!! Aber auch den dreckigen Rest dieses prall gefüllten, tipptopp gelayouteten und komplett werbefreien Spitzenheftes kann sich sehen lassen, zum Beispiel das zehnseitige Bundeswehr-Special, für das angefangen beim verpflichtungswilligen, kleinen Bruder, über den Grundwehrdienst leistenden Ex-Punker, einem Totalverweigerer, bis hin zum Zivi alles interviewt wird, was nicht schnell genug weglaufen kann. Es gibt überdies Wissenswertes über die „Hells Angels“ und dieses lebensunwürdige Stück Nazi-Scheiße, welches sich allen Ernstes den Begriff „Hardcore“ markenrechtlich hat schützen lassen, zu erfahren, des Weiteren gibt WRECK//AGE- und MOTORHATE-Mitglied Andy nicht nur lang und breit über sein musikalisches Schaffen, sondern auch über sein Grenzgängertum zwischen Dänemark und Deutschland Auskunft und noch hundert Millionen spannede Sachen mehr (unter anderem Alarmstufe Gerd, Black Mosquito Mailorder, Spastic Fantastic Records, ecetera, ecetera, ecetera …) Fazit: Von vorne bis hinten ein absoluter Kracher und bei Beibehaltung dieses extrem hohen Niveaus gewiss eines meiner neuen Lieblings-Magazine!! [ben accident]“

Und auch Bocky wird erneut in dieser Chronik zitiert und eine der ganz wenigen schlechten Besprechungen kommt zum Vorschein: „Schon wieder über ein Jahr isses her, dass uns das gute Gewissen des Punk Bäppi Bamboozle seine Aufwartung machte. Auch dieses Mal lag es an einem Umzug. Zurück im Westen (Anm. Obnoxious: Ich würde Flensburg ja schon fast zum Norden zählen. Aber nur fast…) verschlug es ihn und seine besser Hälfte Ina nach Flensburg. Dort angekommen, macht der Egoziner mit seiner privaten Psychoanalyse weiter und lässt den noch geneigten Leser an seinem Kindheitstrauma „Wie ich zum Punk wurde“ zum 367. Male teilnehmen. Was mal als gute Idee begann, verkam mit der Zeit zum langweiligen Anecken in jeder erdenklichen Situation. Die Vergangenheitsbewältigung macht Bamboozle in dieser Ausgabe sogar zu einem seiner beiden Schwerpunkte, indem er uns präsentiert, welche Probleme er mit seinen Eltern hatte. Die sind so außergewöhnlich, dass ich drei Mal mit dem Lesen ansetzen musste, weil ich jeweils kurz vor Schluss einschlief. Der zweite Schwerpunkt „Bundeswehr“ wird ähnlich versaut wie im letzten Heft der Schwerpunkt „Punk und Porno“. Denn kaum wird es interessant, bricht er die Unterhaltung ab oder macht in eine ganz andere Richtung weiter. Da wünscht man ihm, das von ihm anderen gegenüber abgesprochene, aber lauthals geforderte Rückgrat geradezu. Doch dass es darum nicht so weit bestellt ist, weiß man spätestens, wenn man von ihm via myspace ’ne Freund-Anfrage bekommt (Anm. Obnoxious: Was, der will unser Freund sein? Das wundert mich jetzt aber wirklich?! Sind wir darauf eingegangen? Okay, hab’s eben gesehen. Wir sind. Also Bocky…?!) ), obwohl er diese Plattform vor nicht allzu langer Zeit erst verteufelte. Hey Bamboozle, komma klar und eventuell auch aus deiner Jugend. Der Jüngste bist du nämlich auch nicht mehr.“

Jawohl, das Punkrock! Fanzine gehört tatsächlich zu meinen MySpace Freunden. Die Seite habe ich kurz nach Erscheinen der achten Ausgabe an den Start gebracht. Ich habe über diese Plattform einen ganzen Haufen Hefte vertreiben und tatsächlich auch neue Bekanntschaften knüpfen können, die sich am Ende nicht nur auf digitale Nachrichten beschränkten. Ich finde meine MySpace-Kritik aus der siebten Ausgabe immer noch richtig, habe mich aber dennoch entschlossen, einen Account für das Fanzine anzulegen. Dazu veröffentlichte ich folgenden Text auf meinem Blog: „Ich habe mich entschlossen, für das Heft doch eine MySpace-Seite einzurichten. Mit den Funktionen dieses Blogs bin ich nicht zufrieden und für eine richtige Homepage fehlt mir das Know-How und die Zeit. Ich bin mir der Paradoxie durchaus bewusst, fand sich doch in der letzten Ausgabe ein durchaus kritischer Artikel über den Umgang mit der Rupert Seite. Dennoch habe ich mich aus Gründen der Einfachheit, Aktualität und Erreichbarkeit für einen Human Parasit Account entschieden. Für diesen gilt aber genau wie für diese Seite: Das soll absolut kein Ersatz oder ähnliches zum Print-Fanzine werden. Artikel, Interviews oder sonstige Berichte werden nicht veröffentlicht. Die MySpace-Seite dient mir lediglich als Archiv und Kontaktportal. Wer was lesen will, muss dies weiterhin altmodisch auf Papier erledigen.“ Das hat auch bis dato ganz gut funktioniert, aber es ist schon erstaunlich zu beobachten, wieviel Kommunikation jetzt über diese Internetseite läuft und wie schnell man da in Abhängigkeiten verfallen kann, doch wie schon zuvor mal erwähnt, soll dieser Umstand an anderer Stelle im Heft etwas näher beleuchtet werden.

AUSGABE 9

humanparasit9Die neunte Ausgabe erschien wieder ein gutes dreiviertel Jahr nach der letzten Anfang 2010. Das ist, während ich diese Zeilen tippe, gerade mal etwas mehr als zwei Monate her. Irgendwie stand die Ausgabe schon komplett im Schatten dieses Heftes, denn einen Plan, die zehnte Ausgabe zu meinem Geburtstag Ende April fertig zu haben, hatte ich schon lange im Hinterkopf. Deswegen war auch angedacht, die neunte Ausgabe schon Monate früher herauszubringen, doch scheiterte das Unterfangen an einer ganzen Anzahl verschiedenster Faktoren. Zum einen hatte ich mir die falschen Interviewpartner ausgesucht, die erst Zusagen machten, dann ewig nichts mehr von sich hören oder einfach mega lange mit der nächsten Antwort auf sich warten ließen. Zum anderen wurde aus einem lockeren Backwerk-Unterfangen ein recht zeitintensiver Job und als Stütz- und Eckpfeiler der Gesellschaft bringt so ein Bäckerjungenjob auch Schattenseiten mit sich. Wenn um 4.00 Uhr morgens der Wecker klingelt und dich zur Arbeit schickt, kannst du auch nach Feierabend am Mittag oder Nachmittag nicht mehr sonderlich viel mit deinem Tag anfangen. Der herrliche Spätsommer trieb Ina und mich zudem in jeder freien Minute an die zahlreichen nah gelegenen Strände, wo wir nackt dem Sonnenuntergang entgegen sahen, Hundedame Emma regelmäßig Terror mit anderen Strandbesuchern anzettelte und eine mächtige Qualleninvasion den Badespaß immens trübte. Dennoch ist ein ein unbeschreibliches Gefühl, nach einem verkackten Arbeitstag die Strandtasche zu packen, eine halbe Stunde mit dem Auto zu fahren und in der idyllischen Urlaubsatmosphäre zu versinken… und das alles vor der Haustür. Das ist schon ein großes Stück Lebensqualität.

Nun ja, die Arbeitsumstände änderten sich und auch in diesem Betrieb brauchte ich nicht lange um den Thron auf dem Gipfel der Hierarchiekette zumindest anzupacken und mich an seinem herrlichen Glanze zu erfreuen. Vom Backblechputzer und Thunfischpastenanrührer, zum Backblechbeleger und BackblechindenOfenschieber, weiter zum Schichtführer und stellvertretendem Filialleiter mit Disponentenfunktion und erheblichen Vorzügen. Ich gehe mittlerweile einem Neun bis Fünf Job nach, hab freie Wochenenden, kann ausschlafen und hab mit der abendlichen Putzroutine nichts mehr am Hut. Zudem hab ich einen echt guten Draht zu meinem Chef, der mir nahezu alles durchgehen lässt. Ich darf mich in einem gewissen Rahmen sogar kreativ austoben, neue Produkte ausprobieren oder neue Snacks kreieren, Werbeschilder und Plakate designen und auch in anderen geschäftlichen Belangen nahezu gleichberechtigt mitreden. Trotzdem bin ich weit davon entfernt, meine Anstellung beim Back-Werk als Traumjob zu bezeichnen. Im Moment passt das aber ganz gut in mein Leben, ich geh morgens keine fünf Minuten mit einem guten Gefühl zur Arbeit und kehre auch gut gelaunt am späten Nachmittag nach Hause zurück. Etwas, womit ich mich prima arrangieren kann, was aber keine Dauerlösung bleiben soll. Pläne ein eigenes Backwerk unter Federführung meines Chefs zu übernehmen sind kürzlich nur haarscharf gescheitert, mal schauen, wohin meine Back-Werk Karriere mich noch führt…

Jedenfalls ist dadurch wieder ziemlich wenig Zeit für das Heft übrig und obwohl immer fast 12 Monate zwischen den letzten Ausgabe liegen, dauert die Fertigstellung des Human Parasit im Groben und Ganzen ca. einen Monat. Ist der Stein erstmal ins Rollen gebracht, geht es meist ganz schnell und das Heft nimmt schnell Formen an. So ging dann auch bei Ausgabe 9 am Ende doch noch alles recht fix und die Druckerei Gegendruck fertigte 400 Exemplare in ansprechender Optik. Die Auflage wurde gesenkt, da ich von der Nr.8 noch einen ganzen Packen hier rumfliegen habe und sich die Hefte eben nicht von selbst verkaufen und ich auch in diese Tätigkeit etwas mehr Zeit und Motivation stecken müsste. Da ich das aber nicht will, wird die Auflage reduziert und nun nach zwei Monaten ist sie auch schon auf ein erträgliches Maß gesunken, so dass ich nur noch wenige Exemplare vorrätig habe. Ein Großteil des Verkaufes läuft über das Internet. Hier macht sich wieder der MySpace Account bezahlt, denn etliche Bestellungen laufen über die Internetseite. Auch eine ganz ansehnliche Zahl an Mailordern hilft bei der Verbreitung des Heftes, ein Umstand, der sehr löblich ist, da sich mit diesen kleinen Punkheften kein Cent verdienen lässt. Aber es ist auch abzusehen, dass immer wenige „große“ Mailorder Hefte in ihr Programm nehmen. Ist das Fanzine vom Aussterben bedroht? Ich denke nicht – denn solange es noch unzählige kleine Label und Distros gibt, hinter denen Menschen mit Idealen stehen, wird es auch immer Weiterverkäufer für Punkfanzines geben und trotzdem hab ich keine Lust mehr, mir auf Konzerten den Mund fusselig zu reden und mein Gegenüber davon zu überzeugen, seine zwei Euro eben lieber in das Heft als die nächste Pulle Bier zu investieren. Das ist wie Don Quichote gegen eine Mauer werfen, mühselig, ermüdend und demotivierend. Deswegen lege ich den Human Parasit auch nur noch aus, bevorzugt bei schon vorhandenen Distrokisten oder Band-Merchandise.

Ausgabe Nr.9 umfasst nur noch 60 Seiten und kommt ohne echten Aufhänger aus. Ein Umstand, den ich sehr vermisse, hoffte ich doch, den eingeschlagenen Weg mit Themenkomplexen und großen Umfragen auch hier weiter zu führen. Allerdings fiel mir nichts passendes ein, so dass bei mir das Gefühl bleibt, dass diese Ausgabe so ein bisschen vor sich her dümpelt und keinen Höhepunkt aufweist.

Dieses Mal sind sogar drei Interview enthalten, die alle sehr ausführlich und persönlich gehalten sind. Mit Clara von Beyond Pink befindet sich auch erstmals ein großer englischsprachiger Block im Heft. Ein Umstand, der mir gerade hier in Flensburg öfter aufgefallen ist, wenn Bands aus Skandinavien oder einmal auch Polen bei uns zu Gast sind, reges Interesse am Medium Fanzine zeigen und es dann enttäuscht wieder zurück legen, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Es gab nicht nur eine Überlegung, den Human Parasit zu internationalisieren und das fehlende „e“ im Hefttitel symbolisch anzuhängen. Aber ich bin des Englischen einfach nicht so mächtig, als dass ich denken würde, ich kann jetzt genau das schreiben, was ich auch ausdrücken möchte… deswegen bleibt hier alles beim Alten. Spätestens Ausgabe 20 soll dann aber unter dem Namen „humano parásito“ aus einem kleinen Städtchen im Baskenland in der Landessprache von meinen neuen Eindrücken und Erlebnissen im Ausland erzählen. Der Plan Stinkedeutschland zu verlassen steht und wird nicht aus den Augen verloren. Ich werd hier nicht alt, soviel steht fest!

Auch meine schreibfaule Freundin kann ich endlich überreden, einen Beitrag zum Heft zu leisten. Selbst das Korrekturlesen hat sich die Dame in letzter Zeit gespart und ihre Zeit lieber mit Desperate Housewifes oder Popstars vergeudet. Doch jetzt hab ich ihr einen Balken aufgedrückt und wenn der nicht leer bleiben soll, muss die Gute wohl oder über in die Tasten hauen. In Ausgabe 9 stellt Ina zwei Bücher vor.

Auch Falk, Andreas Cräck und Jörkk erscheinen wieder mit einem Beitrag im Heft, ebenso wie mein lieber Nachbar Nils vom Black Mosquito Mailorder, der Wissenswertes über den vergangenen Klimagipfel in Kopenhagen zu berichten weiss.

Ganz besonders wichtig in dieser Ausgabe ist mir das Interview mit meinem guten Freund Micha, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Wir sehen uns nicht oft, aber wenn dann richtig und um in Kontakt zu bleiben gibt es ja auch noch das gute alte Telefon, ältere Menschen haben es ja oft nicht so mit dem Internet… Wir plaudern ganz unbefangen und ausführlich über Micha dem seine Jugend, die Zeit bei Nasty Vinyl und Wohlstandsmüll und dieser Kerl ist echt soooo witzig. Mit Micha kann man immer lachen und vor allem Kappes machen. Ein echter Quatschkopf, aber auch ein Freund mit großen Schultern zum dran anlehnen. Leider konnte er seine ehemaligen Bandkollegen nicht zu einer Reunion-Show beim Human Parasit Festival überreden… das wäre ein großartiges Geschenk für mich geworden. Die Short-Story in diesem Heft von Roland ist übrigens vom Interview mit Micha inspiriert, ich hab mir den Arsch weggelacht, als ich sie das erste Mal gelesen hatte…

Die Musikreviews werden wieder mehr und regelmäßig erhalte ich Anfragen, ob ich dieses oder jenes zum Besprechen zugeschickt bekommen möchte. Meistens hab ich eingewilligt und auch die aktuelle Ausgabe beinhaltet ungewöhnlich viele Tonträgerrezensionen. Nichtsdestotrotz behalte ich mir vor, weiterhin nur das zu Besprechen, was ich auch besprechen will. Meine absoluten Highlights in dieser Rubrik sind das Album von Distressed aus M’gladbach und die LP von Herpes aus Berlin. Ganz großes Kino. Bei den Fanzines gibt es wenig neues zu entdecken. Die meisten Hefte kommen von alten Bekannten und werden auch nicht das erste Mal im Human Parasit besprochen. Lediglich zwei neue Hefte haben den Weg in mein trautes Heim gefunden, ich hoffe der Trend geht wieder zu mehr Debutausgaben und neuen Heften. Rezensionen auf Ausgabe neun sind bis zum heutigen Tag (Ende März) nicht zu mir vorgedrungen…

Das Coverbild ist wieder ein Linolschnitt von Ruben und bei allen Heften hab ich mit gelbem Textmarker aus dem Ein-Euro-Laden die Pantheraugen ausgemalt. Aber hallo, voll DIY. Es ist immer ein verdammt komisches Gefühl, das Heft von der ersten Idee und Seite bis zum Ende und zur letzten Seite zu layouten, dort noch mal am Text feilen und wieder neu layouten und dann wenn alles fertig ist, alles aus der Hand zu geben. Aber in Wiesbaden haben sie schöne Hände und nach einer guten Woche bin ich ganz kribbelig, wenn es heisst Pakete abholen und auspacken. Dann geht’s erstmal in den gemütlichen Sessel, Paderborner entkorkt und alles akribisch durchgeblättert. Ich ärger mich dann tatsächlich über jeden Rechtschreib– oder Trennungsfehler, den ich finden kann. Deutsch GK im Abitur, irgend wofür muss das doch gut gewesen sein.

Ich weiss ja selber, dass die Resonanz auf Aufrufe in Fanzines schwindend gering ist, aber keiner, wirklich keiner hat an dem kleinen Preisausschreiben teilgenommen, um die nächste Ausgabe frei Haus zu bekommen. Das war leider auch die einzige Möglichkeit an das Heft zu kommen, denn ansonsten wird es bis auf die paar Belegexemplare nur auf dem Festival verkauft. Mit zumindest ein bisschen Rückmeldung hab ich ja schon gerechnet und du darfst dich gerade glücklich schätzen, diese Ausgabe in den Händen zu halten…

AUSGABE 10

coverJa was soll ich da jetzt groß darüber schreiben. Das Heft liegt dir ja vor… und das heisst entweder, dass du es beim Festival im Hafermarkt gekauft hast, mir irgendwas zugeschickt hast und dies dein Belegexemplar ist oder ich dich ganz besonders dufte finde. So ein fester Redaktionsschluss ist die Hölle. Einen Fixtermin gab es bis jetzt bei keiner Ausgabe und das soll sich auch nicht wiederholen. Ich möchte das Heft machen, wann und wie ich dazu Lust und Laune habe. Das hier ist eine Ausnahme. Anfangs hatte ich noch arge Bedenken, die Jubiläumsausgabe auch mit Inhalt zu füllen, doch allein diese Chronik wurde länger und länger. Es hat verdammt viel Spaß gemacht die alten Ausgaben noch mal aus ihren Bilderrahmen zu befreien und darin zu schmökern. Viele nette und lustige Anekdoten sind mir in den Sinn gekommen und hätte ich alle nieder geschrieben, wäre dieser Rückblick nochmal doppelt so lange geworden.

Aber auch die anderen Artikel und Interviews liefen ganz wunderbar rund und so ging es dann doch recht schnell, bis alle Seiten mit mehr oder weniger sinnvollem Inhalt gefüllt waren.

Besonders das Interview mit Timo hatte einen schweren Start. Schon Wochen, wenn nicht Monate zuvor sollte unser Gespräch über die Bühne gehen und in der neunten Ausgabe erscheinen. Wir beide hatten Bock auf das Interview, nur leider hatten nicht wir beide auch Zeit dafür. So freue ich mich um so mehr, dass dann alles innerhalb von nur zwei Tagen noch geklappt hat und du in dieser Ausgabe das Ergebnis lesen kannst.

Das Coverbild entdeckte ich leicht verändert in einem Kunstbuch, das unter Tines Wohnzimmertisch gelegen hat. Beim Durchblättern blieb ich auf eben jener Seite hängen und schwärmte Tine von dem Motiv vor, das sie dann ein paar Tage später für mich in ihrem Stil gemalt hatte.

Ganz besonders hab ich mich über die geleisteten Gastbeiträge gefreut und obwohl fast alle wieder auf den letzten Drücker ins Heft gerutscht sind, möchte ich doch keinen missen. Es ist ein tolles Gefühl, etwas zu machen, was auch andere Menschen toll finden, was ihnen sogar etwas bedeutet und die viele positive Resonanz ist Balsam auf jeden auch noch so kleinen Gedankengang, dem ganzen Projekt ein Ende zu setzen. Es wird auch eine elfte Ausgabe erscheinen. Wahrscheinlich wird es wieder ein Jahr dauern, aber diese Geduld musst du schon mitbringen. Danke für deine Aufmerksamkeit und die Geduld, bis zu dieser Stelle durchzuhalten. Allein das Korrekturlesen dieser Zeilen war ein Mühsal. Ich blicke voller guter Empfindungen auf zehn Ausgaben Human Parasit zurück, bin heilfroh, dass der Parasit in mein Leben getreten ist und freue mich auf das, was in diesem Zusammenhang noch kommen wird.