CRUOR HILLA – Zurück ins Bällebad CD

Mama und Papa haben mich letztens im IKEA-Bällchenbad vergessen… seitdem gehe ich nicht mehr zum schwedischen Möbelriesen, verzichte auf Köttbullar und habe mein Billy-Regal irreparabel demontiert. Und jetzt wollen mich die drei Berliner von Cruor Hilla wieder zurück dorthin schicken? Die Band existiert seit 2009 und das aktuelle Album haben sie komplett in Eigenregie veröffentlicht… die Kohle dafür haben sie sich mit Straßenmusik verdient. Mich erinnert Cruor Hilla an Bands wie Spanking The Monkey, Karate Disco oder Tagtraum, junge ambitionierte Bands, die sich zwei, drei Jahre lang den Arsch im kleinsten Dorf-JUZ abspielen und dann in der Versenkung und Bedeutungslosigkeit verschwinden, wobei Felix, Christian und Till da schon deutlich gereifter daherkommen und möglicherweise mehr Durchhaltevermögen beweisen. Inspiriert von Bands wie Against Me oder Früchte des Zorns erwartet dich bei Cruor Hilla allerdings keine energiegeladene, wütende und dreckige Portion Punkrock, eher so Liedermachermäßig mit Skaeinlagen und dabei immer schön radiotauglich bleiben. Textlich bearbeiten sie eine ganze Bandbreite an Themen, Freundschaft und persönliche Erlebnisse stehen im Vordergrund, aber auch Genderfragen und Depression („Mach mich cool“ – Coversong der Suurbiers) werden behandelt, allerdings stets so, dass es niemandem weh tut. Großes Plus dieser Veröffentlichung ist das stimmige Artwork und die ausführliche Textbeilage inklusive Linernotes. In der Fußgängerzone würde ich bestimmt eine kurze Weile innehalten, wenn die Drei von Commander Keen oder dem Irrenhaus singen. Bevor ich mir das live in einem coolen Punkerschuppen anschaue (wobei ich mich auch frage, in welchen coolen Punkerschuppen Cruor Hilla in Hannover passen sollen?) würde ich dem Kinderparadies im IKEA eher einen erneuten Besuch abstatten. Der Song unter diesem Review ist von 2013 und gefällt mir stilistisch eine ganze Ecke besser als der aktuelle Output. Zurück ins Bällebad ist easy listening, juckt nicht, stört nicht, eckt nicht an, bleibt aber auch nicht hängen und um die Band mal zu zitieren: „Es gibt auf jeden Fall schlechtere Alben!!“

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