BIJOU IGITT – Ich wär so gern wie du LP

Damals. Damals waren bestimmte Plattenlabel ein Garant des guten Musikgeschmmacks. Gute Musik in aufwendiger Umverpackung, die neben dem Vinyl noch einiges an Mehrwert aufzubieten hatte. Für mich waren das Twisted Chords, Spastic Fantastic oder People Like You, die zumeist deckungsgleich mit meinen Vorlieben schöne Schallplatten veröffentlichten, oder es schafften, den eigenen Horizont noch zu erweitern. Vor einigen Jahren noch konnte ich bedenkenlos jedes Release von Tobi, Maz oder Tobbe ordern und sicher sein, mir kein faules Ei in die Plattensammlung zu legen. Das ist bei der schier unendlich großen Flut an Veröffentlichungen heute nicht mehr möglich, es wird einfach zu viel Schrott ins Vinyl geritzt. Und ein Label wie Plastic Bomb Records, so gern ich Heft und Menschen hinter dem Heft auch mag, gehörte für mich noch nie in diese Riege. Denn obwohl in Duisburg mit den ersten Pascow Alben, WTZ oder P.S.R. für mich wegweisende Platten erschienen, kann ich mit dem aktuellen Output nur noch sehr wenig anfangen. Kevin Pascal waren da eine rühmliche Ausnahme und Release Nummer 82 wird keine Weitere werden. Da erscheint nun eine Platte einer Band, von der ich noch nie etwas gehört habe, die sich in Anlehnung an einen Klimbim-Laden, von dem ich noch nie etwas gehört habe, einen selten dämlichen Namen gegeben hat und ich quäle mich durch 11 Lieder, die mir so rein gar nichts geben, die anstrengend sind, die mich sogar richtig nerven. Das geht in Richtung Trend und Lambs, das wäre gerne eigenständig und ist doch bloß ein billiger Abklatsch. Es wird lamentiert, geschmipft und sich echauffiert, das ist kryptisch und ich will das nicht verstehen. Das ist nicht melodiös, das hat aber auch keinen Pfeffer im Arsch. Das sind einfach nur wieder drei schlaue Jungs, die auf die Hamburger Schule gegangen sind und sich auf ihre Jens Rachut Plattensammlung einen runterholen. Es wird mehr gesprochen als gesungen und dennoch sind die Texte schwer verständlich. Das Textblatt ist in fürchterlicher Sauklaue dahingeschludert, dass ich gleichzeitig Hören und Lesen muss, um überhaupt eine Idee von dem zu bekommen, was mir Bijou Igitt damit sagen wollen. Ein Lied geht über einen Igel, der sich in den Winterschlaf verpisst, weil ihm diese ganze Scheiße hier schon lange auf die Nerven geht, ein Anderes wünscht sich, das wir wieder alle Affen wären, damit endlich alles wieder Sinn ergibt und Max Giesinger ist der König im Affenstaat und der perfekte Schwiegersohn. Das hat auf der einen Seite ganz gute Ansätze, wenn es gegen Deutschpop, den schnauzbärtigen Bullen oder die 80 Millionen Trottel geht, die in diesem Land wohnen, ist mir auf der anderen Seite aber viel zu verkopft und unkonkret. Das ist mir im Gesamten irgendwie zu modern und auch wenn händisch auf jedes Plattencover eine Spiegelfolie geklebt wurde, spricht mich das Artwork überhaupt nicht an. Ich wär so gern wie du, da hör ich nicht mehr zu. Und lass mich mit Bijou Igitt in Ruh.

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