ARRESTED DENIAL – Frei.tal CD

Ich kann gar nicht zählen, wie oft dieses Album in letzter Zeit aus den Boxen geknallt hat. Ob unter der Dusche, beim Abwaschen, Autofahren, auf dem MP3-Player in der U-Bahn oder im Wartezimmer vom Chiropraktiker. Und trotzdem kann ich mich nicht dazu durchringen dieses Album abzufeiern. Auf der einen Seite melodiös mit catchy Refrains, klugen Texten und durchaus Ohrwurmcharakter, auf der anderen Seite nervt mich der Gesang an manchen Stellen ziemlich penetrant, vor allem wenn die letzten Silben einer Zeile so in die Länge gezogen we-he-her-den. Da würde ich mir an manchen Stellen etwas mehr Aggressivität und weniger Oh-oh-oh Melodien wünschen. Die vier Jungs kommen aus Hamburg, haben sich 2009 gegründet und vor kurzem sogar einige Shows in China gespielt. Musikalisch erinnert mich das ein wenig an Rasta Knast und eine Melange aus Oi! und Streetpunk amerikanischer Prägung mit durchweg deutschen Texten. Arrested Denial ist mit ihrem zweiten Longplayer ein durchaus homogenes Album geglückt, das sich sehr gut von vorne bis hinten durchhören lässt. Dabei fallen sogar Schunkelnummern wie „Nationalisten aller Länder“ nicht aus der Rolle und fügen sich überraschenderweise sehr gut ins Gesamtbild. Die Texte sind gesellschaftskritisch und mit Titeln wie „Alles bleibt gleich“, „Stillstand“ oder „Zurück auf Start“ eher pessimistischer Natur. Ein Album auf durchweg hohem Niveau, bei dem mir aber die Ausreisser nach Oben fehlen, denn einen wirklichen Hit habe ich auch nach zig Umläufen nicht ausfindig machen können. Solide Kost. Es muss ja auch nicht immer das 5 Sterne Menü sein.

ARRESTED DENIAL: facebook, website, bandcamp