AFFENMESSERKAMPF – Doch Tape

Ungefähr zu der Zeit als ich in den Norden zog, haben sich fünf junge Männer, die zuvor auch schon in anderen nicht weiter erwähnenswerten Bands gelärmt hatten, ca. 80 Kilometer südöstlich von Flensburg unter dem Namen AFFENMESSERKAMPF zusammengetan. Kiel ist ein Moloch. Ungeziefer, Dreck und Maden, das ist Urlaub im Stadtteil Gaarden. Stumbling Pins und Morbus Down, will ich auffe Schnauze haun. Schaubude und Meierei sind mir völlig einerlei. Ikea großes Möbelhaus, ich halts nicht aus, wo geht’s hier raus? Andi Köpke, Heike Henkel, Kiel du gehst mir auf den Senkel. Bis auf die Doku „Youth Wars“ hat die Landeshauptstadt von Schleswig Holstein nichts zu bieten. Nichts. Nichts. Daran ändern auch AFFENMESSERKAMPF Nichts. Zufrieden mit Nichts. So haben sie sogar einen Song genannt. Die Musik ist gewöhnlicher Hardcorepunk, der Gesang ist außergewöhnlich penetrant und die Texte ungewöhnlich dämlich. Sie sollen sarkastisch und ironisch sein, sind aber lediglich versucht eloquent und triefen nur so vor Arroganz. Sexismus? Am Start. Rebellische Typen, die die Azubine im Haus am See im Rotweinrausch flachlegen. Speziesismus? Na klar. Das übergewichtige Meeressäugetier wird als dicker, weißer Wal tituliert und Pavianärsche im Zoo beglotzt. Leider geil als Antwort auf Alles. Das hier irgendwer Sartre gelesen hat oder weiß, wo Island auf der Weltkarte zu finden ist, bezweifle ich stark. Affenmesserkampf sind aufgeplusterte Schaumschläger, gernegroße Maulhelden, Phrasendrescher und Prahlhanse und irgendwie scheint das niemand zu durchschauen. Da wird die erste Platte auf dem renommierten Punkrockgüteklasselabel Twisted Chords neu aufgelegt, da erscheint das zweite Album auf dem renommierten Punkrockgüteklasselabel Black Cat Tapes knapp zehn Jahre nach Erstveröffentlichung auch noch auf Kassette und wird auf den übersättigten Markt geschmissen, um eine Nachfrage zu bedienen, die es überhaupt nie gegeben hat. Wenigstens bleibt man sich dem eigenen Stil treu und ersetzt das ursprünglich hässliche Plattencover durch ein noch hässlicheres Neues und verzichtet wiedermal auf das Abdrucken der Texte. Zumindest im Falle von AFFENMESSERKAMPF eine nachvollziehbare Handlung, da ich es deutlich spannender finde, wer die zweite Gitarre bei irgendeinem Song gespielt hat, oder wer für Mix und Mastering verantwortlich ist, als das es mich interessieren würde, wenn die Band auf ihrem Oi! Spaziergang so getroffen hat oder warum ein deutsches Herz schon zum dritten Mal nicht schlägt. Diese Band aus Kiel ist nicht gut aber kacke. Und das ist keine Ironie.

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