ABGESTORBENE GEHIRNHÄLFTEN – Verdikt der Evolution CD

Wenn sich eine Band nach fast zwanzig Jahren wieder zusammenrauft, Konzerte spielt und eine neue Platte aufnimmt, riecht das oft nach einer schnellen Mark, nach noch einmal im Nightliner durch die angesagten Clubs touren und dem Versuch, den Fame vergangener Tage wieder zu beleben. Aber das kann ich hier wohl ausschließen. Obwohl ich mich intensiv mit Deutschpunk von ganz alt bis aktuell beschäftige, ist mir diese Band noch nie über den Weg gelaufen. Der Name jedenfalls passt perfekt in die 90er Jahre, einem furchtbaren Jahrzehnt mit Batikshirts, Metal-Solis und nichtssagenden Bands wie ANGEPISSTE TURNBEUTEL, ANGEFAHRENE SCHULKINDER oder ACKERBAU UND VIEHZUCHT. Allesamt Bands die in ihren Kuhkäffern eine eingeschworene Fangemeinde haben, dort einmal im Jahr beim Schützenfest auftreten und einen Bierschankwagen von der lokalen Brauerei vor die Tür gestellt bekommen. Und alle feiern ihre wilde und verruchte Jugend. Natürlich sind das alles nur Mutmaßungen, ich kenne keine abgestorbene Gehirnhälfte persönlich und hab nicht den leisesten Schimmer, wo Furth im Wald liegt. Vermutlich da wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und den Hund begraben, aber ich weiß, dass ich diese Band ganz furchtbar schlimm finde und sie wirklich üble Assoziationen weckt. Das was sie mir hier mit ihren 11 neuen Liedern präsentieren ist recht eigenständig, kein typischer Deutschpunk und nur schwer in eine Schublade zu stecken. Wechselnder Mann, Frau Gesang, irgendwie gesprochen und doch wirken die Texte irgendwie krampfhaft in ein Reimschema gepresst, obwohl sie sich überhaupt nicht reimen. Das Tempo ist gedrosselt und der Gesang scheint total gelangweilt, unmotiviert und ohne jegliche Emotion auszukommen. Wenn ich dann noch in einem Livevideo einen Notenständer mit Textblättern auf der Bühne stehen sehe, bekräftigt das mein erstes Bild von einer total uninspirierten Darbietung. „Die Kühe wurden schon gemolken bis die Euter platzten. Also! Mit dem Holzhammer volle Wucht auf das Phrasenschwein bis es in der Kasse klingle, oder stich sie ab, die Sau, bis der larmoyante Kleinsparer ausblute…“ Warum steht da „larmoyant“ und nicht „weinerlich“, warum wirkt das so altbacken, so versucht eloquent und was soll das mit der Flexion (ich hab auch Deutsch Leistungskurs gehabt)? Ich habe noch nie eine Punkband so saft- und kraftlos über die Missstände der Welt, innere Sicherheit, Flüchtlingsproblematik oder die Grausamkeiten des Krieges singen hören, denn textlich sprechen die ABGESTORBENEN GEHIRNHÄLFTEN wichtige Themen an, ohne sich in oft gehörten Phrasen oder Wiederholungen zu verlieren, aber dann irgendwie doch so umständlich um die Ecke gedacht und hölzern formuliert, dass nichts zwischen den Ohren hängen bleibt. Sänger Stefan sagt dazu: „Die Texte sind sehr politisch, übergreifend verbunden und universell konkret. Ich bin gespannt, wo man uns 2017 einordnen wird. 1999 waren wir Hardcorepunk.“ Tja, ich weiss auch nicht, wo ich diese Band und dieses Album einordnen soll, ich weiss nur, dass ich die CD schleunigst aus dem Player ziehen muss und hoffe einfach mal darauf, dass es wieder fast zwanzig Jahre dauert, bis ich erneut etwas von der Band ABGESTORBENE GEHIRNHÄLFTEN hören muss.

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