9/11 YOUTH – Angst Tape

Kommt nach der Generation Golf die Nine-Eleven Youth? Eine ziemlich vieldeutige Zahlenkombination. Ob Terroranschläge am 11. September, Mythos 911, die Identität der Marke Porsche oder die meist gewählteste Telefonnummer in Amerika, wobei wohl nur das erstgenannte Ereignis zur Namensgebung Pate gestanden hat. An besagtem Tag mache ich im Sonderpostenmarkt in Erkelenz meine Ausbildung zum Top-Sales-Manager und stapele das Paderborner Dosenbier schön ordentlich auf Palette, als Kevin in den Laden stürmt und verkündet, dass Amerika endlich am Arsch ist. Darauf gönnen wir uns ein Paderborner und feiern den Niedergang des Kapitalismus. Und um hier mal den Bogen zu dem Quintett aus Nürnberg zu spannen, deren aktuellstes Machwerk ich begutachten soll, öffne ich mir eine Dose Paderborner, dreh die Anlage auf und bekomme Angst. Dreckiger Hardcore, immer schön auf die Zwölf, angepisst und wütend. Da steht bestimmt die ein oder andere BLOOD FOR BLOOD Scheibe im Nürnberger Plattenregal. Als aktuelle Referenz dürfen die ebenfalls im Süden der Republik beheimateten EMPOWERMENT herhalten, deren Eingängigkeit die Rostbratwürste aber nicht ganz erreichen. Auf dem Tape befinden sich 5 Songs, die „Reclaim“, „Fake“ oder „No Witness“ heissen und weder hier, noch bei der Promo-CD von SN-Records finde ich eine Textbeilage. Schwach! „Together we fight, for peace and equality“ tönt es aus meinen Boxen und auch ansonsten scheinen sie genretypische Themen zu behandeln, die sie mal in Deutsch, meistens aber in Englisch vortragen. Und genau diesem Umstand ist es geschuldet, dass ich noch mehr zu meckern habe. Das wirkt nämlich an den Stellen, die ich heraushören kann, unbeholfen und naiv. „Hardcore develops from Punk“ erinnert mich an die fünfte Klasse, als ich „Heavy Metal rules the world“ auf meinen Tischtennisschläger geschrieben habe und auch der Titeltrack „Angst“ wirkt etwas holprig, obwohl hier in Deutsch getextet wurde. „Ihr habt Angst vor Überfremdung, sie haben Angst vor dem Tod.“ heisst es in dem Song, in dem ganz gut die Flüchtlingsproblematik und die Reaktion besorgter Wutbürger darauf besungen werden. „Ich bin kein Nazi aber… doch du bist ne Fascho-Sau!“ Hier gibt es klare und unmissverständliche Worte, kein Platz für Kryptik und Geschwafel. Insgesamt schaffen es 9/11 YOUTH ein ordentliches Brett hinzulegen und gerade der mehrstimmige Gesang sorgt für Arschtritt und Abwechslung. Schade, das Black Cat Tapes den Radical Edit des Songs „Reclaim“ nicht mit auf die Kassette gepackt hat, denn hier erhält die Band Unterstützung vom Absoluth und durch die Rap-Parts avanciert dieser Song ganz klar zu meinem Hit. Ähnlich geil wie „Babylon“ von RIOT BRIGADE. Darauf einen Lebkuchen und eine neue Dose Paderborner.

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